Die Mär vom fehlenden Aufzug

Liftlegende - NZZ, Tagi, "Blick" und Co. verbreiten Falschmeldung.

In der Ortschaft Benidorm an der spanischen Costa Blanca wird das höchste Wohnhaus Europas fertig gestellt. Darüber berichteten zahlreiche Medien in der vergangenen Woche. Nicht etwa wegen des Gebäudes an sich, sondern aufgrund des angeblich fehlenden Aufzugs. Dank einer Fehlplanung sei ein Liftschacht ab dem 20. bis zum letzten, 47. Stock nicht vorhanden, dies die Meldung, die für Aufregung sorgte.

Wie Bildblog.de gestern Donnerstag jedoch zu berichten wusste, sollen im Wolkenkratzer sogar zehn Aufzüge vorhanden sein. Zu den unkorrekten Meldungen sei es gekommen, weil eine "entscheidende Textstelle" aus der Zeitung "El Pais", welche die Blätter als Quelle genommen haben, falsch interpretiert worden sei. Im Ursprungsartikel von "El Pais" war nirgends die Rede von einem fehlenden Aufzugsschacht. Zu lesen war vielmehr: "Bei den Planungen war der Aufzugsschacht nicht beachtet worden, wie die öffentlichen Pläne klar zeigen. 'Der Platz wurde nur für ein 20stöckiges Gebäude berechnet', sagten die gleichen Quellen.“

Bildblog.de spricht nun von einer "Extrem-Interpretation", die hierzulande untern anderem auch die NZZ, der Tagi, "20 Minuten" und "Blick" verbreitet haben. Die Zeitungen, die die fehlerhafte Information weiterverbreitet haben, hätten als Reaktion versucht "ihre durch Fakten verpfuschte Geschichte noch zu retten." Die "Welt" suche zum Beispiel die Schuld für "das eigene Rechercheversagen" bei anderen Online-Portalen. Dies sei "dreist, aber kaum bemerkenswert", attackiert Bildblog die deutsche Zeitung. Und weiter: "Dass es die Redaktion aber schafft, trotz der Nachfrage beim Architekten die Falschmeldung vom 'offenbar vergessenen' Fahrstuhl noch in die Überschrift zu packen, zeigt eine stolze Ignoranz."

Die NZZ, die sich der Geschichte ebenfalls angenommen hat, hinterfragt zwar die Quellen der Meldung ("Die Quellenlage ist inzwischen allerdings widersprüchlich."), unterlässt es jedoch genauso wie der "Tages-Anzeiger", "20 Minuten" oder "Blick" die Falschmeldung zu korrigieren oder zu löschen, wie es Bildblog.de empfiehlt. (lf/Bild: Screenshot NZZ (Reuters))