"Die monetären Aspekte stehen für mich nicht im Vordergrund"

Gerhart Isler - Der frühere Finanz & Wirtschaft-Verleger Gerhart Isler steigt mit 32 Prozent des Aktienkapitals bei der Jean Frey AG ein. Mit dem Zürcher Renommier-Verlag verbindet Isler eine lange Vergangenheit: Schon einmal wollte er das Wirtschaftsmagazin Bilanz kaufen. Damals aber scheiterten die Verhandlungen. Welche Beweggründe den 55-Jährigen heute zum Engagement bewogen haben, offenbart er gegenüber "persoenlich.com". Das Interview:

Herr Isler, nach rund drei Jahrzehnten haben Sie Ende letzten Jahres die F&W verlassen. Nur knapp drei Monate später steigen Sie bereits bei der Jean Frey ein. Ist es Ihnen schon langweilig geworden?

Nein, von Langeweile kann keine Rede sein. Die Beteiligung am Jean-Frey-Verlag ist strategisch motiviert. Als alter Printmensch ist es für mich wichtig, dass die Schweizer Medienlandschaft möglichst vielfältig bleibt. Als sich abzeichnete, dass ein grosses Aktienpaket auf den Markt kommt, sollte verhindert werden, dass eins der grossen Verlagshäuser -- vor allem Tamedia oder Ringier -- eine Beteiligung an der Jean Frey kaufen könnte. Da mein Ausstieg aus der F&W bekannt war, trat man an mich heran. Tito Tettamanti und ich sind beide der Überzeugung, dass der Verlag dank meinem Einstieg seine Unabhängigkeit bewahren kann.

Warum steigen Sie erst jetzt ein? War Ihnen vor drei Jahren ein Engagement noch zu riskant?

Als Verleger der F&W wäre eine Beteiligung an einem anderen Verlag heikel gewesen. Dass sich zeitlich alles so gefügt hat, ist ein grosser Zufall.

Erfolgt Ihr Einstieg aus Liebhaberei oder aus purem Shareholder-Value-Denken?

Ausschlag für den Einstieg gab hauptsächlich, dass mir die langfristige Sicherung der Pressevielfalt am Herzen liegt. Natürlich geschieht mein Engagement auch aus Liebhaberei zur Jean Frey. Mich verbindet bis weit zurück in die Vergangenheit eine enge Beziehung zu diesem feinen Verlagshaus. Bilanz-Gründer Andi Zgraggen etwa ist ein Freund von mir, mit ihm habe ich unheimlich viel zusammen erlebt. Sie dürfen auch nicht vergessen, dass wir von der F&W auch schon einmal die Bilanz kaufen wollten. Damals wollten wir von Werner K. Rey einen Teil herauskaufen. Diese Zeit war unvergesslich. Weiter verbindet mich mit dem Verlag die Tatsache, dass ich Filippo Leutenegger schon lange kenne. Zugegeben: Seinen Amtsantritt verfolgten wir alle kritisch, es hat sich jedoch gezeigt, dass er sehr gute Arbeit leistet. Also ist es auch aus Sicht des Shareholder-Values eine durchaus lohnende Investition. Die monetären Aspekte stehen für mich aber nicht im Vordergrund.

Die Jean-Frey gilt -- gerade wegen der Weltwoche -- eher als rechtslastig. Inwiefern hat Ihre politische Gesinnung eine Rolle beim Engagement gespielt?

Ob der Jean-Frey-Verlag politisch rechts steht, müsste man hinterfragen. Der Beobachter etwa ist, plakativ gesprochen, sicherlich eher links. Und in der Weltwoche finden Sie heute auch Stimmen aus dem linken Lager. Dies begrüsse ich im Übrigen sehr, denn das Heft muss unbesehen von politischen Befindlichkeiten einfach spannend sein. Zu meiner Gesinnung: Ich bin bei keiner Partei Mitglied, als alter F&Wler aber sicherlich auch kein Linker. In meiner früheren Position als Verleger einer Finanzzeitung wäre dies auch ganz und gar unmöglich gewesen. Ich schwimme in der Mitte und bin als Unternehmer natürlich traurig über den Zustand der FDP. Der Freisinn hat dringend Aufholbedarf und muss klarer artikulieren, was er will.

War es tatsächlich der erfolgreiche Turnaround, der zur Neustrukturierung des Aktionariats führte? Oder müssen Sie nun frisches Kapital nachschiessen, weil die vielen Kleinaktionäre dazu nicht bereit waren?

Es wurde kein neues Kapital eingeschossen. Jene Bekannten von Tito Tettamanti, die sich 2002 am Verlag beteiligt hatten, wollten aussteigen, weil der Turnaround geschafft ist und der Verlag heute gesund da steht. Also haben sie verkauft. Swiss First Bank ist an mich getreten mit der Frage, ob ich bereit sei, diesen Teil zu übernehmen. Von neuem Kapital war keine Rede.

Sie besitzen langjährige Erfahrungen in der Wirtschaftpresse. Finden sie es richtig, dass die Bilanz nun alle zwei Wochen erscheint?

Ich begrüsse den neuen Erscheinungsrhythmus und bin davon überzeugt, dass er sich in den Auflagenzahlen mittelfristig positiv auswirken wird. Schon seit längerem vertrete ich die Ansicht, dass die Bilanz mehr am Markt und in den News sein muss. Am besten sie erschiene täglich, auch wenn dies natürlich unrealistisch ist. Das alles habe ich René Lüchinger schon letztes Jahr mitgeteilt, will damit aber nicht sagen, dass es meine Idee war, die Bilanz alle zwei Wochen herauszubringen. Der Bilanz zu Gute kommt auch, dass sie nun dünner ist. Und die neue Ausrichtung des Magazins kommt gut an: Die Luxus-Rubrik „Best of“ lesen Männer einfach gerne, auch wenn die meisten sich die Flugzeuge und Schiffe, die präsentiert werden, nie im Leben leisten können. Daneben ist natürlich auch der ernsthaftere Teil der Bilanz wichtig.

Wie gedenken Sie Ihr Know-How bei der Bilanz, die gegenwärtig nicht eben auf Rosen gebetet ist, einzubringen?

Die Bilanz schreibt eine grosse schwarze Null, es gibt einige Titel der Wirtschaftspresse, die sich über dieses Ergebnis freuen würden. Zu Ihrer Frage: Tito Tettamanti und ich wollen im Hintergrund bleiben. Es wird ja sehr gut gearbeitet im Verlag, das beweist das Betriebsergebnis. Natürlich werde ich mich mit Filippo Leutenegger und den Chefredaktoren ab und zu treffen, um Ideen auszutauschen. Aber ich werde nirgends operativ eingebunden sein.

Sie und Tito Tettamanti besitzen nun beinahe zwei Drittel des Aktienkapitals. Wie eng ist ihre Beziehung zum Tessiner Financier?

Ich stehe Tettamanti nicht sehr nahe, wir sind immer noch "per Sie" miteinander. Bisher traf man sich etwa zwei Mal pro Jahr an einem Anlass, künftig werden wir uns etwas häufiger sehen. Über meine Tätigkeit bei der F&W, wo wir diverse Male auch kritisch über ihn berichtet haben, kenne ich Tettamanti aber schon seit längerem. Ich schätze sein Auftreten als Grand-Seigneur. Tettamanti hat im Falle der Jean Frey Wort gehalten. Gerade in unserer Berufsgattung erachte ich dies nicht für selbstverständlich.

Abschlussfrage: Die Partys bei der F&W waren legendär. Dürfen sich die Mitarbeiter der Jean Frey nun auf ähnliche Sausen freuen?

Merkwürdigerweise sind Sie sind nicht der erste, der mich dies fragt. Die Feste bei der F&W waren in der Tat unvergesslich. Doch sie waren ja nicht nur lustig, sondern auch wertvoll, weil jeweils ein einzigartiges Publikum dabei war. Ob es eine Neuauflage geben wird, weiss ich noch nicht. Ich habe noch keine Idee.