So regelmässig wie die WEMF AG für Werbemedienforschung die Leserzahlen der Schweizer Printmedien erhebt, so regelmässig können die Gratiszeitungen einen Reichweitenzuwachs vermelden. Dieses ungeschriebene Gesetzt wird auch bei der Auswertung Mach Basic 2009-1 nicht über den Haufen geworfen.
"20 Minuten" ist weiter der Krösus und zählt in der Deutschschweiz inzwischen 1,365 Millionen Leser. Das sind nochmals fast 70'000 mehr als bei der letzten Auswertung (1.296 Millionen). Auch in der Westschweiz hat "20 Minutes" Leser dazu gewonnen. Allerdings liegt man dort noch um einiges hinter "Le Matin bleu" zurück. Durch die Fusion von Tamedia und Edipresse wird sich diese Konkurrenzsituation jedoch einstellen. Die Medienhäuser gaben unlängst bekannt, dass nur einer der beiden Titel weitergeführt wird.
Mit einem Blick auf die Bezahlzeitungen "Le Matin" (-17'000 Leser) und "Le Matin dimanche" (-27'000 Leser) scheint sich auch zu zeigen, wer am meisten unter dem bisherigen Kampf der Gratiszeitungen zu leiden hatte. Es würde deshalb nicht überraschen, wenn "20 Minuten/20 Minutes" als nationale Marke aufrechterhalten bleibt und der Brand "Le Matin" wieder klar den Bezahlzeitungen zugeordnet würde.
'News' liegt vor '.ch'
Erstmals publiziert wurden die Leserzahlen von ".ch". Diese wirken mit 214'000 Leser auf den ersten Blick etwas bescheiden. Dabei muss man jedoch berücksichtigen, dass die Gratiszeitung erst seit Ende Oktober 2008 mit neuem Konzept und Layout erscheint. Der Befragungszeitraum für die Auswertung Mach Basic 2009-1 dauerte aber nur bis September 2008.
Trotzdem liegt ".ch" damit momentan hinter dem direkten Konkurrenzblatt "News" zurück. Zwar konnte für die zweite Gratiszeitung von Tamedia noch keine reguläre Auswertung über ein volles Jahr vorgenommen werden, die WEMF hat aber eine Sondertabelle publiziert. "News" kommt dabei auf 276'000 Leser.
'cash' mit starkem Abgang
Nach dem Namenswechsel von "heute" zu "Blick am Abend" konnte auch für die Abendzeitung unter dem neuen Namen noch keine Auswertung über den ganzen Untersuchungszeitraums von Oktober 2007 bis September 2008 abgefragt werden. In einer Sondertabelle weist die WEMF für den "Blick am Abend" aber aktuell 313'000 Leser aus. Nimmt man die Zahlen der Studie Mach Basic 2008-2 von "heute" als Vergleich (291'000), hat die Abendzeitung deutlich an Reichweite gewonnen.
Bemerkenswert bei den Gratistiteln aus dem Hause Ringier, ist aber vor allem das starke Finish von "cash". Die Wirtschaftszeitung wurde soeben eingestellt, am Freitag erschien die letzte Printausgabe. 118'000 Leser werden den Titel vermissen, das sind 33'000 mehr als vor einem halben Jahr.
'SonntagsBlick' entwickelt sich gegen den Trend
Nebst den Gratiszeitungen konnten sich auch die Sonntagstitel konnten in den letzten Jahren über zunehmende Beliebtheit freuen. Kein Wunder also, dass in jüngerer Zeit neue Sonntagszeitungen lanciert wurden. Eine davon ist "Sonntag". Die Zeitung aus dem Hause AZ Medien taucht mit 355'000 Lesern zum ersten Mal in der regulären Auswertung Mach Basic auf. Ob da wohl auch ehemalige "SonntagsBlick"-Leser darunter sind?
Der "SoBli" hat nämlich gegenüber der letzten Auswertung weiter Leser verloren (-22'000). Dabei zeigt der Trend bei den Sonntagszeitungen in der Deutschschweiz eigentlich aufwärts. "SonntagsZeitung", "NZZ am Sonntag" und auch "Südostschweiz am Sonntag" haben zulegen können. Das Schicksal des "SoBli" teilt allerdings wie bereits erwähnt "Le Matin dimanche" in der Westschweiz.
Tageszeitungen mit Auf und Ab
Bei der bezahlten Tagespresse lässt sich keine generelle Entwicklung ausmachen, wie ein kleiner Rundgang von Chur bis Bern zeigt. Der "Blick", die "Mittelland Zeitung" und die NZZ gewinnen leicht dazu, das "St. Galler Tagblatt" sogar etwas mehr (+10'000). Die "Basler Zeitung" und "Die Südostschweiz" verlieren etwas an Terrain, bei "Tages-Anzeiger" (-8'000) und "Berner Zeitung" (-10'000) sind die Verluste grösser.
Sieht man genau hin, fällt aber eine Sache auf: Wo die NZZ beteiligt ist, zeigt die Kurve eher nach oben, als bei Blättern, die Tamedia ganz oder teilweise gehören. So können sich NZZ, "St. Galler Tagblatt", "Zürcher Unterländer" und "Zürichsee-Zeitung" über einen Leserzuwachs freuen. Beim "Zürcher Oberländer" bleibt das Publikum konstant, die "Neue Luzerner Zeitung" Leser hat eingebüsst.
Bei Tamedia sieht es bei den bezahlten Tageszeitungen weniger rosig aus. Neben dem Stammblatt "Tages-Anzeiger" haben auch "Berner Zeitung", "Thurgauer Zeitung" und "Der Landbote" Leser verloren.
'Weltwoche', 'Das Magazin' und 'NZZ Folio' im Sinkflug
Dafür kann sich Tamedia bei der "Finanz und Wirtschaft" über einen markanten Lesergewinn (+9'000) freuen. Im Bereich der Wochentitel muss das Medienhaus an der Werdstrasse allerdings beim "Magazin" (-17'000) auch Verluste hinnehmen. Nicht besser ergeht es "NZZ Folio" (-13'000). Doch mit einem Rückgang um 28'000 Leser hat es vor allem die "Weltwoche" hart getroffen. Die drei Zeitschriftentitel hatten bereits bei der letzten Erhebung Mach Basic 2008-2 mit sinkenden Reichweiten zu kämpfen.
Die "Glückspost" hat hingegen den Turnaround geschafft und erreicht durch Lesergewinn (+16'000 auf 384000) praktisch wieder Vorjahresniveau (385'000). "Schweizer Illustrierte" (+1000) und "SI Style" (+4'000) runden das positive Bild für die "grossen" Ringier Zeitschriften ab.
(Text: Stefan Wyss)
Reichweiten im Überblick
Die folgenden Tabellen zeigen eine Auswahl von wichtigen Zeitungen und Zeitschriften -- es handelt sich nicht um eine Abbildung sämtlicher Leserzahlen. Es wurden nur Daten von Titeln übernommen, die in der regulären Auswertung von Mach Basic 2009-1 aufgelistet sind. Reichweiten aus Sondertabellen -- wie diejenigen von "Blick am Abend" oder "News" -- wurden nicht berücksichtigt.
(Tabellen: persoenlich.com)