Seit gut 60 Jahren ist es der erste umfassendere Relaunch, doch vom Äusseren her bleibt sich die NZZ treu. Die beauftragte Kölner Designagentur Meiré und Meiré hat den Schriftzug nicht angetastet, jedoch den Zeitungskopf so entschlackt, dass die Marke NZZ noch mehr zur Geltung kommt. Die altertümlich wirkende Formulierung "Der Zürcher Zeitung 230. Jahrgang" fällt zum Beispiel weg, neu steht klein und schlicht "seit 1780". Reduce to the max. Das gilt auch für die Bildsprache: Künftig wird die NZZ die Fotos noch stingenter auswählen und weniger Bilder eher grösser bringen. Der Umbruch ist neu fünfspaltig, jedenfalls bei den politischen Themen, die Kulturseiten zum Beispiel bleiben jedoch vierspaltig.
Eine Reduktion auf das Wesentliche erfährt auch die Blattarchitektur: Statt wie bisher sechs hat die NZZ neu nur noch drei Bünde. Ein Grund für die Reduktion: "Es war in letzter Zeit schwierig, unsere Zeitung zu produzieren, weil an manchen Tagen einzelne Bünde bloss vier Seiten umfassten", erklärt Chefredaktor Markus Spillmann gegenüber "persoenlich.com", der davon überzeugt ist, dass "bei einer Qualitätszeitung jeder Bund eine gewisse Sollstärke aufweise muss". Dünne Bünde würden von den Lesern schnell als qualitativ minderwertig empfunden, auch wenn bloss die Inserate fehlen.
Längerfristig sah man also den Qualitätsruf der NZZ bedroht, weshalb sich der Chefredaktor dazu entschied, den ursprünglich auf 2011 geplanten Relaunch um zwei Jahre vor zu ziehen. Mit neu drei Bünden à 20 bis 40 Seiten (inkl. Inserate) könne die NZZ nun das Imageproblem auffangen und zudem flexibler auf das Werbeaufkommen reagieren, sagt Spillmann. Neu gliedert sich die NZZ in die drei Bünde "Politik" (Ausland, Inland, Regionales), "Wirtschaft & Börse" sowie "Feuilleton". Das Ressort Sport ist im zweiten Teil untergebracht - und beginnt dort auf der Rückseite. Ähnlich ist es mit den Ressorts Bildung, Gesellschaft oder Wissenschaft. Zeitungsbünde von hinten her zu erschliessen werde "vermutlich zum Standard bei den Schweizer Zeitungen", kommentiert Spillmann fast nebenbei. Wohl ein Versuch, die "Alte Tante" als Trendsetterin zu positionieren (Lesen Sie dazu das Interview mit Markus Spillmann)
Auch inhaltlich muss die NZZ zurückbuchstabieren, nach dem personellen Aderlass der letzten Monate erst recht. Ja, sagt Spillmann, die NZZ wird künftig vermehrt inhaltliche Schwerpunkte setzen müssen. "Doch wenn wir reduzieren, dann nur in der Breite, nicht in der Tiefe", betont er. Auf der gestrigen NZZ-Front formulierte er es so: «Gleichwohl bleibt die NZZ absehbar dem Anspruch verpflichtet, in gewissen Bereichen weiterhin ein möglichst umfassendes, ja vollständiges Bild des Geschehens zu leisten."
Man beachte die beiden Relativierungen "absehbar" und "in gewissen Bereichen". Sie deuten daraufhin, dass der NZZ unsichere Zeiten bevorstehen, in denen alles hinterfragt wird, auch die Definition von Qualität und was sie kosten darf. Ebenfalls etwas vage sind Spillmanns Vorstellungen zur künftigen Position des Onlinbereichs. Fest steht jedoch: Das bisherige Nebeneinander von Print und Internet steht ebenfalls zur Disposition. Künftig soll nzz.ch nicht mehr einfach das wiedergeben, was schon im Blatt steht, meint er. Online soll mehr Hintergrund bieten. Oder weichere Infos, etwa ein persönlich gefärbtes Tagesbuch eines Auslandkorrespondenten. Umgekehrt soll die Zeitung vermehrt die Web-Angebote anpreisen. Klar ist für Spillmann zudem, wen die NZZ mit dem Relaunch und der von der Werbeagentur gestalteten Werbekampagne primär ansprechen will: Junge und Frauen.
Auch Blick, Tagi und Bund setzen auf neues Zeitungskonzept .
(Text: Markus Knöpfli)