"Die Schmerzen halten sich in Grenzen"

Markus Gisler - "Mr. Cash" zum Abschied von Cash.

Herr Gisler, Wie sehr schmerzt Sie die Einstellung von Cash?

Die Schmerzen halten sich in Grenzen. Aber es tut schon weh, dass es nicht gelang, einer Zeitung, die mit soviel Erfolg aufgebaut und geführt wurde, eine langfristige Zukunft zu ermöglichen.

War die Einstellung der Zeitung Ihrer Ansicht nach unvermeidbar?

Nein. Eine Grabesrede ist aber nicht dazu geeignet, Schuld zuzuweisen.

Was verliert die Schweizer Medienlandschaft durch die Einstellung von Cash?

Mit der Einstellung von Cash geht der Schweiz die innovativste, kreativste und spannendste Plattform für Wirtschaftsinformationen verloren, die thematisch ein weit grösseres Umfeld als nur die Wirtschaft im engeren Sinn abdeckte.

Was zeichnete Cash Ihrer Ansicht nach aus?

Die Grundidee war stets, ein kritischer Sympathisant der Wirtschaft zu sein. Und die Wirtschaftswelt breiter zu verstehen, als nur in der Unternehmensberichterstattung und in Makrothemen wie Währung und Zinsen.

Weshalb ist diese Geschäftsidee gescheitert?

Cash war bis 2000 ausserordentlich profitabel! Der Einbruch kam erst danach. Das Problem in jüngster Zeit lag nicht bei der Wirtschaftszeitung Cash selbst, sondern übergeordnet bei anderen Ringier-Produkten. Dass sich wesentliche und relevante Inserenten der Zeitung verweigern, zeigt, dass Grundlegendes nicht stimmte.

Was denn?

Wenn sich die Banken einem ganzen Verlag verweigern, stimmt irgendwo die publizistische Ausrichtung nicht. Die Banken ertragen durchaus Kritik, wenn daraus jedoch ganze Kampagnen werden, wird eine Grenze überschritten, die zurecht nicht mehr tolerierbar ist.

Mit der Einstellung von Cash und Facts entsteht Raum für neue Innovationen. Wie müsste ein neuer Wochentitel aussehen?

Für ein Nachrichtenmagazin sehe ich kaum Chancen. Da ist das Risiko schlicht zu gross. In der Sparte der Wirtschaftsinformationen liegt die Sache anders: Da wäre eine Neulancierung durchaus möglich.

(Interview: David Vonplon)

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