Die Schweizer Kanal 1-Führungscrew steht!

- Der Schweizer Geschäftsführer des länderübergreifenden Fernsehprojekts Kanal 1 wird Thomas Sadecky (Bild) heissen. Unterstützt wird er von Patrick Schneider und Sandra Tuttlies. Ein Konzessionsgesuch ist bis dato nicht eingereicht worden, doch laufen intensive Vorgespräche mit dem Bakom, wie "persoenlich.com" recherchiert hat.

Seit dem 1. Juni haben die ehemaligen TV3-Studios in Schlieren einen neuen Besitzer. Bekanntlich kaufte Kanal 1 die gesamten Studios der Tamedia ab. Doch am Telefon begrüsst den Anrufer lediglich eine Combox, und auf der äusserst rudimentär gehaltenen Website kanal1tv.ch heisst es, die Telefonnummer sei erst ab Juli gültig. - Die Internet-Adresse kanal1.ch gehört übrigens einer ITB, Inco Trading + Broking AG in Othmarsingen, die gemäss Auskunft des Firmeninhabers gegenüber "persoenlich.com" bereits auch von Kanal 1 kontaktiert wurde und die Adresse gegebenenfalls auch verkaufen würde.

Doch die Ruhe trügt, wollte doch Kanal 1 gemäss eigenen Angaben bis zum Sommer eine Schweizer Sendelizenz beantragt haben. "Es laufen sehr viele Gespräche mit dem Bakom", bestätigt denn auch der designierte Schweizer Geschäftsführer Thomas Sadecky auf Anfrage von "persoenlich.com". Die Eingabe des Konzessionsgesuchs solle in den kommenden vier Wochen stattfinden. Bis zum Erhalt einer Konzession könne es dann aber ein halbes Jahr dauern.

Als rechtliche Voraussetzung für den Erhalt einer Sendekonzession wurde bisher von verschiedenen Medien (darunter auch "persönlich") eine Schweizer Mehrheitsbeteiligung genannt. "Das stimmt so nicht ganz", korrigiert Alfons Birrer vom Bundesamt für Kommunikation (Bakom). Sofern die Firma Sitz in der Schweiz habe und Schweizer Recht unterstehe, könne sie auch ausländisch beherrscht sein. Bedingung sei allerdings, dass der entsprechende Staat gegebenenfalls Gegenrecht biete. Konkret müsste Österreich also einer Schweizer Firma, wollte sie dort Fernsehen machen, eine Konzession erteilen. "Das haben wir noch nicht im Detail abgeklärt", sagt Birrer. Eine entsprechende Untersuchung erfolge erst nach der definitiven Gesuchseingabe von Kanal 1.

Somit ist ein Schweizer Partner für die Konzessionserteilung nicht zwingend. Sadecky selber will sich zu diesem Punkt gegenwärtig nicht äussern: "Dazu sagen wir mehr, sobald wir das Konzessionsgesuch eingereicht haben. Das hat jetzt Priorität." Zumindest Ringier und Tamedia verneinen auf Anfrage von "persoenlich.com" eine Beteiligung an Kanal 1, und auch im Handelsregister ist keine Beteiligung vermerkt. Dort ist Sadecky als einziger Verwaltungsrat aufgeführt. Der Firmensitz wurde übrigens anfangs Juni von Wil (SG) nach Schlieren (ZH) verlegt.

Thomas Sadecky plant, in den kommenden vier Wochen die Position des Geschäftsführers von Kanal 1 anzutreten. Gegenwärtig arbeitet der Marketingspezialist (Angabe Telefonbuch) als Redaktor beim Finanzportal Moneycab. Neben Sadecky setzt sich das Team gegenwärtig aus zwei Ex-TV3-Leuten zusammen: Sandra Tuttlies war beim Privatsender Head of Sales and Marketing, Patrick Schneider technischer Leiter. Ob sich auch der vom österreichischen Kanal 1-Projektleiter Peter Kölbel wiederholt als Wunschkandidat genannte Jürg Wildberger beteiligen werde, kann Sadecky nicht sagen. "Dazu habe ich keine Informationen."

Noch gibt es bei Kanal 1 offene Fronten. So dürfte ein Platz auf dem Kabelnetz der Cablecom für den Erfolge nicht unwichtig sein. Bislang hiess es aber, das Netz der Cablecom sei voll. Inzwischen laufen wieder Gespräche, wie von der Cablecom auf Anfrage von "persoenlich.com" bestätigt wurde: "Die Kanal 1-Leute waren vergangene Woche bei uns." Das Ganze befinde sich aber noch im Projektstadium.

Den Mittwoch verbrachten Sadecky und sein Team übrigens in München, wo sie "erfolgreiche Vorbereitungen" für den Standort getroffen hätten. "Wir haben mit den Gewerkschaften eine gute Einigung gefunden", so Sadecky. Auch in Wien scheint eine Hürde aus dem Weg geräumt: Unlängst wurde berichtet, die Erteilung der gewünschten Satellitenlizenz sei wegen eines Formfehlers bei der Eingabe gefährdet. Das hat sich aber offenbar erledigt: "Die Lizenz wurde uns zugeteilt", erklärt Sadecky. Damit scheint das Projekt allen Skeptikern zum Trotz voranzuschreiten.