"Die Siegerin heisst SRG"

Roger Schawinski - Der Bundesrat hat am Mittwoch die Botschaft zur Totalrevision des Radio- und Fernsehgesetzes (RTVG) zu Handen der Eidgenössischen Räte verabschiedet. Für Roger Schawinski ist das neue RTVG ein reines Opportunisten-Gesetz, das sich per Check von allen interessierten Kreisen Ruhe erkaufe. "persoenlich.com" hat den Medienpionier, der zur Zeit in Asien weilt, über seine Einschätzung der "neuen Medienlandschaft Schweiz" befragt. Das Interview:

Die privaten TV-Stationen sollen künftig ein grösseres Stück vom Gebührenkuchen abbekommen. Wären Sie heute noch Chef von Tele24, wäre der Entscheid ein Jahr früher gefallen?

Nein, ich glaube nicht. Dem Bundesrat geht es ja nicht darum, ein duales Mediensystem zu errichten, sondern er will nur kurzfristig die jetzigen Player des Lokal-TV-Marktes befriedigen. So gesehen ist das neue RTVG ein reines Opportunisten-Gesetz, das sich per Check von allen interessierten Kreisen Ruhe erkauft.

Gleichzeitig hat der Bundesrat kurzfristig eine Million Franken an Subventionen für die lokalen TV-Stationen gesprochen. Mehr eine politische Entscheidung denn ein tatsächliches Bekenntnis zur Medienvielfalt?

Der Bundesrat will mit dieser Zahlung alle hinter das neue Gesetz scharen. Dabei ist eine Million kaum mehr als ein Tropfen auf den heissen Stein. Die Regierung strebt ganz klar die Zementierung des SRG-Monopols auf nationaler Ebene an, der Markt soll erst gar nicht spielen. Nicht das Publikum entscheidet, was es sehen will, sondern der Bundesrat. Dass sich eine Regierung so gegen den Dualismus stark macht, ist weltweit wohl einmalig.

Die SRG blickt also gestärkt in die Zukunft?

Absolut. Sie hat mit dem nationalen Monopol ihr wichtigstes Ziel erreicht und geht somit ganz klar als Gewinnerin hervor. Inländische Konkurrenz muss sie jetzt keine mehr fürchten: Die grossen Verlage sind via PresseTV und neu jetzt auch über Gebührensplitting abgefunden und angebunden.

Wie wird der Schweizer TV-Markt mittelfristig aussehen?

Es wird weiterhin eine stark dominierende SRG geben, Privatfernsehen wird in erster Linie aus dem Ausland stattfinden. Es ist zwar tragisch, aber solange es in der Schweiz kein gutes übergreifendes Inlandangebot gibt, werden weiterhin viele Werbegelder ins Ausland abfliessen.

Sie glauben also nicht, dass ein zweiter Schawinski kommen könnte, um der SRG überregional das Fürchten zu lehren?

Nun, wir haben mit Tele24 bewiesen, dass es möglich ist, eine starke Konkurrenz zur SRG aufzubauen. Vor allem aber auch, dass ein grosses Zuschauerinteresse an einer Alternative zur SRG besteht. Nur kann der Markt nicht spielen, wenn die Regierung nicht an einem dualen System interessiert ist. Die Sender, die jetzt vom Bundesrat mit Geld abgefunden werden, setzen sich nicht für die Interessen der Zuschauer ein. Das neue RTVG ist ein Gesetz für die real existierenden Medien-Player und nicht für die Medien-Konsumenten. Deren Interessen vertritt im Bundesrat offenbar niemand. Doch ich hoffe noch auf das Parlament. Das kann diesen unbefriedigenden Entwurf korrigieren. Mit relativ wenig Geld mehr -- etwa 100 Millionen -- könnte eine moderne elektronische Medienlandschaft entstehen.

Die Privatradios haben u.a. moniert, dass auf den Radio-Stationen der SRG Werbung und Sponsoring verstärkt möglich sein wird. Geht es den Privaten dadurch tatsächlich ans Leben?

Die Situation ist bei den Radios eine etwas andere. Anders als bei Fernsehen spielt hier das duale System zwischen SRG und den privaten Stationen. Für mich ist es daher absolut unverständlich, mit wie wenig Respekt der Bundesrat jetzt in ein funktionierendes System eingreift. Die SRG hält rund 90 Prozent der Frequenzen, hinter den SRG-Radio-Sendern steht die geballte Macht eines Staatsbetriebs. Wenn hier nun Änderungen bei den Werbe- und Sponsoringvorschriften zu Gunsten der SRG vorgenommen werden, dann hat das grosse Konsequenzen für den ganzen Markt. Wohin dann die Werbung gehen wird, ist ja wohl klar.

Der Bundesrat hat weiter grünes Licht für ein Jugendradio in der Stadt Zürich gegeben -- als "Kontrapunkt zum Einheitsbrei". Hat es überhaupt Platz für einen weiteren Sender?

Erst einmal finde ich es äusserst seltsam, dass der Bundesrat eine Senderkritik vornimmt, sich als Medienrichter aufspielt. Zumindest müsste er auch gegen das staatseigene DR3 "schiessen", das ja ebenfalls immer stromlinienförmiger daherkommt. Ich bin der Meinung, dass die Jungen im Grossraum Zürich sehr gut bedient sind. Unterversorgt sind hingegen die älteren Zuhörer, Leute ab 30, 40 Jahren. Für die bleibt fasst nur noch DRS1 übrig. Eine weitere Frequenz für Zürich ist sinnvoll, meines Erachtens sollte aber der Markt über das Angebot entscheiden.

Bei Hitradio Z ist mit NRJ ein grosser ausländischer Sender eingestiegen. Droht jetzt die Invasion aus dem Ausland?

Ich orte tatsächlich eine sehr bedenkliche Entwicklung. Zumal, da NRJ ja keine journalistische Ambitionen hat, sondern rein auf Klamauk und Action setzt. Die lokale Information, für die ein Lokalradio stehen sollte, gerät dadurch völlig ins Hintertreffen. Diese Entwicklung hat vor rund eineinhalb Jahren mit den Formatradios begonnen -- ich werde mit wirklich grössten Bedenken verfolgen, wohin das Ganze noch gehen wird.

Wie wird der Radiomarkt auf dem Platz Zürich mittelfristig aussehen?

Das ist schwierig abzuschätzen. Ich glaube, dass sich Radio 24 und Hitradio Z in der Gruppe der 15- bis 34-Jährigen gegenseitig zerfleischen werden. Daher finde ich es auch besonders grotesk, dass der Bundesrat mit der Bewilligung eines Jugendradios genau in die gleiche Kerbe schlägt.

Herr Schawinski, Ihr Name ist mehrmals im Zusammenhang mit dem Verkauf von Hitradio Z gefallen. Planen Sie ein Comeback?

Nein, ich war nicht im Rennen um Hitradio Z. Es besteht ein Konkurrenzverbot durch die Tamedia, und daran halte ich mich.

Sie hätten ja auch einfach die Busse zahlen können...

Ich zahle keine Bussen, ich halte mich an Verträge!