Radio Energy Zürich liegt nach der Auswertung der Hörerzahlen des 1. Semesters 2008 nach Reichweite und Anzahl Zuhörer wieder vor Radio Top auf dem zweiten Platz unter den Privatradios der Deutschschweiz. Aber kann Geschäftsleiter Dani Büchi damit zufrieden sein, wenn sein Sender gleichzeitig Publikum verliert?
Herr Büchi, was überwiegt? Die Freude darüber, dass Energy gegenüber der Vorjahresperiode wieder vor Radio Top liegt oder der Ärger über den Verlust an Hörern?
Wir sind die Nummer 1 in der Zielgruppe 15-24 und 15-34 und das freut uns natürlich. Dass wir wieder die Nummer 2 unter den Privatradios sind, ist zwar schön, aber letztlich nicht relevant. Die Zürcher Privatradios haben leider Hörer verloren, unser schwacher Trost ist, dass wir am wenigsten verloren haben. Freude und Ärger halten sich damit die Waage.
Die Privatradios haben insgesamt an Reichweite eingebüsst. Im Gegensatz dazu haben die SRG-Sender zulegen können. Wie erklären Sie sich diese Schere?
In Zürich ist mit Radio 1 ein neuer Player auf den Markt gekommen. Alle Sender in unserem Sendegebiet haben im 1. Semester 2008 Hörer eingebüsst, am stärksten hat es Radio 24 getroffen. Das war aber alles zu erwarten.
Das erklärt aber noch nicht die Steigerung der SRG-Sender.
Grundsätzlich bevorteilt die Messmethode die öffentlich-rechtlichen Sender. Das war schon immer so und wird leider auch noch eine Zeit so bleiben. Ein Beispiel: Die Streamingzahlen der Privatradios, d.h Hörer, die ihr Sender übers Internet hören, schiessen im Moment durch die Decke. Aufgrund der Messmethode sind die Internethörer aber nicht erfasst, das bedeutet, dass jeder Hörer, der sein Privatradio übers Internet hört, ein verlorener Hörer ist. Oder stellen sie sich eine Fahrt auf der Autobahn von Zürich nach Bern vor: Wenn sie Privatradio hören wollen, dann müssen sie 3 bis 4mal umschalten, mit DRS 3 fahren sie vom Zürcher Bellevue bis auf den Berner Bahnhofsplatz, ohne Rauschen, ohne Unterbruch, ohne Umschalten. Von solchen Sachen profitiert die SRG.
Die Differenz machen also vor allem technische Ursachen?
Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass die SRG ein besseres Programm als die Privatradios machen soll.
Experten wie Bendicht Luginbühl oder der Medienforscher Mirko Marr sind überzeugt, dass die Informationsleistung im Radio für die Senderprofilierung wieder an Bedeutung gewinnt. Teilen Sie diese Meinung?
Ich hatte nie das Gefühl, dass die Informationsleistung an Bedeutung verloren hat. Ich bin aber einfach davon überzeugt, dass es auf die Art und Weise der Informationsvermittlung ankommt. Die Radios müssen umdenken und das ist leider noch zu wenig geschehen. Gerade in der Informationsleistung hätten die Privatradios klare Vorteile, die sie leider zu wenig nutzen. Zu viele Sender wollen immer noch die SRG kopieren und scheitern entsprechend. Was Newskompetenz angeht, kommen die Privatradios mit ihren Mitteln nicht an die SRG heran, aber die Privaten haben Möglichkeiten sich im lokalen Bereich, in ihrer Stadt und ihrem Sendegebiet mit Informationen, Unterhaltung und ihrer Hörercommunity zu profilieren. Und das wird immer wichtiger.
Energy gehört zum Medienkonzern Ringier. Gäbe es Synergien mit den hauseigenen Medien, die man vermehrt nutzen könnte?
Synergien gäbe es sicherlich genügend und teilweise werden diese auch genutzt. Gerade in Bezug auf die Informationsleistung ist eine Zusammenarbeit aber schwierig, weil die Arbeitsweise von Print, Online und Radio sehr unterschiedlich ist.
Wäre es vorstellbar, dass die Privaten für gewisse Informationsleistungen Kooperationen eingehen -- quasi eine Art Mantelredaktion entstünde?
Der Ansatz ist gut, die Umsetzung ist aber praktisch unmöglich. Die lokalen Sendegebiete der Privatradios setzen eine lokale Produktion des Programms voraus. Zudem verfolgen die einzelnen Privatradios noch zu fest ihre eigenen Interessen.
Könnten Sie sich auch gemeinsame Ausbildungs- und Talentpools vorstellen?
Ja, sicherlich. Die Privatradios müssen künftig gemeinsam ihren Nachwuchs zum Beispiel mit dem MAZ oder einer anderen, neuen Organisation professioneller und systematischer ausbilden. Energy Zürich geht diesen Weg schon seit über einem Jahr und bildet mit einem Nachwuchs-Programm junge Leute fürs Radio aus. Auch mit den neuen Konzessionen wird der Ausbildung in den Privatradios mehr Gewicht verleiht.
Wohin muss sich das Medium Radio bewegen, um auch in Zukunft bestehen zu können?
Im Radio-Bereich wird das Internet weiter an Bedeutung gewinnen. In der digitalen Verbreitung werden mit DAB ebenfalls Weichen gestellt, die das Medium Radio prägen werden. Zudem muss endlich eine glaubwürdige nationale Vermarktungslösung auf den Tisch. Das Medium Radio ist sich in der Vergangenheit zu oft selber im Weg gestanden. Jetzt aber gibt es viele Chancen, die es zu nutzen gilt.
(Interview: Stefan Wyss)