Verlegerpräsident Hanspeter Lebrument und SRG-Präsident Raymond Loretan sind sich darin einig, dass in harten, aber fairen Diskussionen für beide Seiten akzeptable Lösungen möglich sind. Rund 400 Medien- und Kommunikationsfachleute trafen sich am Dienstag, 10. Januar 2012 an der traditionellen Dreikönigstagung des Medieninstituts im Zürcher World Trade Center.
Bild: Felix Schaad
Lebrument ist für gemeinsame Plattform
"Das Verhältnis zwischen der SRG und den Verlegern ist von Misstrauen statt Partnerschaft geprägt." Mit diesen Worten eröffnete der Präsident Verband Schweizer Medien, Hanspeter Lebrument, sein Referat. Dann aber schlug er weniger kämpferische Töne an und zeigte auf, wo die SRG den Verlegern beim Onlinestreit entgegen kommen muss. So solle sie beispielsweise die Integration des Teletexts in die sda vornehmen. Und: Eine langfristige, ehrliche Partnerschaft im Online müsse nun das Ziel der gemeinsamen Bemühungen sein. "Es gibt von Seiten privater Arbeitsgruppen Hinweise, dass eine Lösung gefunden werden kann."
Hanspeter Lebrument selbst präsentierte bereits eine Idee: "Sinnvoll wäre eine gemeinsame Plattform. Sowohl die SRG als auch Private würden Beiträge beisteuern - die SRG aber v.a. audiovisuelle. Die eingenommenen Werbeeinnahmen sollen den Verlegern zufliessen." Es brauche eine gemeinsame strategische und operative Lösung im Onlinebereich, zeigte sich Lebrument überzeugt. Aber Private hätten nur eine Chance, wenn die kommerziellen Angebote zu gleichen Bedingungen zu haben seien (Details siehe Interview auf persoenlich.com).
Pietro Supino blickt auf gutes 2011 zurück
Tamedia-Verwaltungsratspräsident Pietro Supino sprach zu Beginn das "sehr erfreuliche Geschäftsjahr 2011" an. Mit Blick auf das neue Jahr betonte er die Wichtigkeit schlanker Prozesse: "Wir müssen weiterhin unsere Prozesse optimieren. Rappenspaltermentalität ist genauso wichtig, wie publizistische Verantwortung und inhaltliche Brillanz." Sparsamkeit und bewusster Umgang mit Ressourcen habe Unternehmens- ja sogar Familientradition bei Tamedia und der Familie Coninx. "Effizienz ist eine unternehmerische Tugend. Ich bin erstaunt, welche Fortschritte unsere Mitarbeiter in diesem Bereich gemacht haben." Als Beispiel nennt er die intensivierte Zusammenarbeit zwischen "Tagesanzeiger" und "Bund".
Pietro Supino liess durchblicken, dass auch sein Verlag Online-Bezahlmodelle vorantreiben will. Man beobachte mit grossem Interesse, welche Erfahrungen die "NYT" mit der Bezahlschranke mache. Bei welchen Tamedia-Online-Plattformen für gewisse Inhalte Geld verlangt werde, ob es sich dabei auch um Newsnet handelt, führte Pietro Supino nicht weiter aus. Er wies dagegen auf den Konflikt mit der SRG hin: "Es ist problematisch, wenn die SRG Online-Inhalte gratis anbieten kann und wir Privaten Geld dafür verlangen müssen."
Albert Stäheli erklärt Metered Paywall
Albert Stäheli, CEO der NZZ-Gruppe, sprach in seinem Referat über die eingeschlagene Konvergenzstrategie und er zeigte an einem Beispiel auf, wie die geplante "Metered Paywall" bei der NZZ ausgestaltet sein könnte: "20 Artikel im Monat sind gratis, dann muss der Nutzer bezahlen". Dabei wolle die NZZ ihre Bezahlschranke "stark porös" machen. Das heisst, es sollen über Social-Media-Kanäle gewisse Artikel weiterhin kostenlos gelesen werden können. Zudem erwähnte Stäheli eine weitere Neulancierung: "Wir starten eine intelligente E-Version unserer Zeitung, als Alternative zum E-Paper (Pdf-Version)". Das E-Paper werde aber weiterhin zur Verfügung stehen, so der NZZ-CEO.
Wie eingangs Hanspeter Lebrument, zeigte sich auch der neue SRG-Präsident, Raymond Loretan, seinerseits vor den versammelten Verlegern überzeugt, dass eine für beide Seiten befriedigende Lösung in der umstrittenen Frage der Online-Inhalte und -Werbung gefunden werden könne. Nur eine Lösung, die für beide Seiten gewinnbringend sei, habe eine Chance, langfristig zu bestehen. Der Service Public, den die SRG biete, sollte sich im digitalen Zeitalter ebenso entfalten können wie private Medien. Und die SRG müsse die Angebote dort verbreiten, wo das Publikum anzutreffen sei, nämlich im TV-Kanal und im Online. Im Internet müssten attraktive Portale die SRG-Sendungen bekannt machen und "verkaufen".
Die gemeinsame Geschichte von SRG und Presse sei regelmässig von Konflikten geprägt gewesen, die am Schluss gelöst worden seien. Als Beispiele erwähnte Loretan die Nachrichtensendungen am Radio, die bis Anfang der 1970-er Jahre nur von einem Sprecher der sda verlesen werden durften. Aus den gemeinsamen Gesellschaften in der Fernsehwerbung und beim Teletext habe sich im übrigen die Presse zurückgezogen.
Medienministerin Doris Leuthard hatte im letzten September anlässlich des Jahreskongresses des Verbandes Schweizer Medien in Flims GR Verleger und die SRG dazu aufgerufen, bis Ende 2011 gemeinsam nach Lösungen im Online-Markt zu suchen. Beide Seiten sollten nicht auf ihren Maximalforderungen beharren. Die Schweiz brauche private Medienhäuser und eine starke SRG. (eh/sda)