"Die Vorwürfe vom Blick sind an den Haaren herbeigezogen"

- Der Auftritt von "Traummedium" Kate Amgarten, Schwester der SF-Unterhaltungschefin Gabriela Amgarten bei TeleZüri, bewog den Blick zu einer umfassenden Medienschelte: Auf der Frontseite wirft die Boulevardzeitung TeleZüri-Chef Markus Gilli vor, er habe die "psychisch angeschlagenen" Kate Amgarten bewusst vorgeführt, um einen gezielten Seitenhieb gegen das übermächtige SF zu platzieren. Im Interview mit "persoenlich.com" wehrt sich Gilli:

Herr Gilli, Sie luden am Montag das „Traum-Medium“ Kate Amgarten fürs "Talk täglich" ein. Was machte die Frau für Sie interessant, ausser dass sie die Schwester von Gabriela Amgarten ist?

Eine prominente Person machte uns auf Helena-Katherina Amgarten aufmerksam. Diese Person lies sich vom Medium Kate beraten. Schon früher hatte Tele Tell über die Heilerin berichtet. Die Tatsache, dass Frau Amgarten die Schwester der Unterhaltungschefin des Schweizer Fernsehens ist, war für uns also absolut unwichtig und sekundär. Wir haben auch mehrmals das Medium Uriella in den Talk von TeleZüri eingeladen – dies obwohl sie nicht die Schwester von Frank A. Meyer ist ... Das Thema Wahrsagung, Kartenlesen, angeblich übersinnliche Kräfte, geniesst in der Bevölkerung ein sehr hohes Interesse.

Hat sich die Einladung von Kate Amgarten quotenmässig gelohnt?

Die Sendung war äusserst erfolgreich. 161’000 Personen haben den Talk im Grossraum Zürich gesehen. Kein einziger Zuschauer hat Bezug auf die Unterhaltungschefin des Schweizer Fernsehens genommen -- es ging in allen Reaktionen um das Thema Wahrsagung.

Laut Blick war die Einladung von Gabriela Amgartens kranker Schwester ein gezielter Seitenhieb gegen das übermächtige SF. Stimmt das?

Die Vorwürfe der Zeitung Blick sind an den Haaren herbeigezogen und lächerlich. Mein Verhältnis zum Schweizer Fernsehen ist ungetrübt und frei von Rachegelüsten. Frau Amgarten schätze ich als eine engagierte Frau in einem nicht ganz einfachen Job. Es gibt überhaupt keinen Grund für den vom Blick unterstellten angeblichen Seitenhieb. Zum völlig überrissenen Blick-Artikel kann ich nur festhalten, dass die von Neid und Konkurrenzdruck getriebene Medienschelte für mich keine kluge Form des journalistischen Daseins ist.

Der Blick ist der Ansicht, dass Sie mit Kate Amgarten eine "psychisch angeschlagene" Frau vorgeführt haben. Richtig?

Im Blick wird Helena-Katherina Amgarten zunächst als krank dargestellt, da sie nur eine Sehrkraft von 10 Prozent besitze. In den Fragen an den Ombudsmann der Tamedia wird meinem Gast dann plötzlich vorgeworfen, sie sei "psychisch angeschlagen".

War die Sendung mit den ethischen Richtlinien der Tamedia vereinbar?

TeleZüri wird auch weiterhin Hellseher und Wahrsager -- auch wenn sie verwandt sind mit prominenten Personen -- in seine Sendungen einladen und verstösst damit in keiner Weise gegen ethische Grundsätze der Tamedia. Der Blick gebraucht zudem auch das Wort "Sippenhaft". Wie war das doch im Abstimmungskampf gegen die Verschärfung der Massnahmen im Asylbereich ? War da nicht die Schwester von Bundesrat Blocher im Blick die Kronzeugin gegen die Gesetzesvorlage ... ?

Weshalb wurden Sie nicht müde, darauf hinzuweisen, dass Kate Amgarten die Schwester von Gabriela ist?

Die Darstellung im Blick entbehrt jeder Grundlage. Das Thema Schwester Amgarten wurde nur zu Beginn der Sendung angesprochen. Der grösste Teil des Talks befasste sich mit den Prophezeiungen von Helena-Katherina Amgarten. Es haben auch keine hilfsbedürftigen und schwer kranke Menschen angerufen. Hätte Frau Amgarten in einem schweren Fall von Krankheit eine Aussage gemacht, hätte ich sofort eingegriffen. Mit Frau Amgarten hatte ich auch abgesprochen, dass sie keine belastenden und negativen Prophezeiungen macht. In der Sendung hatte ich zudem Frau Amgarten auch gesagt, dass dies alles Hokuspokus und Geschäftemacherei sei. Auch ein Zuschauer stellte seine sehr kritische Frage -- dabei habe ich nochmals nachgehakt.

Trotzdem liessen sie es zu, dass Kate Amgarten sich kritisch über Ihre Schwester äussern durfte.

Hätte Frau Amgarten etwas sehr negatives oder beleidigendes über ihre Schwester gesagt, hätte ich ebenfalls eingegriffen. Sie sagte lediglich voraus, dass ihre Schwester als Unterhaltungschefin des Schweizer Fernsehens ein schwieriges Jahr habe und zudem habe sie ihr vorausgesagt, dass sie Mutter einer Tochter werde.

Zum Schluss: Hat es Sie geärgert, dass "Talk täglich" es gar auf die Frontseite des Blicks geschafft hat?

Mir kamen heute die Tränen der Rührung, als ich die besorgten Fragen des Blick an den Ombudsmann unseres Verlages las -- hatte ich doch im Inserateteil der gleichen Zeitung zehn Anzeigen von Hellsehern entdeckt. Sie bieten die "Lösung ihrer Probleme in 24 h" , "Spezialisierung für Partnerschaftszusammenführungen" und "Hilfe auch in aussichtslosen Fällen" an. Stolzer Preis bis Fr. 4.23 pro Minute. Da ging mir auch ohne Hellsehung ein Lichtlein auf ...

(Interview: David Vonplon)

Zum Thema:

TeleZüri-Talk: Tamedia-Ombudsmann antwortet dem Blick

http://www.persoenlich.com/news/show_news.cfm?newsid=63163