Sat.1-Chef Roger Schawinski ist der Überzeugung, dass sich die Übertragungen der Fussball-WM für ARD und ZDF trotz hohen Marktanteilen nicht rechnen. "So wenig wie diesmal hat sich's noch nie gerechnet", meint Schawinski im Interview mit der Zeitschrift "important!". Die Preise für die Übertragungsrechte würden immer weiter raufgehen, und die Werber seien fast ausgeblieben.
Schawinski findet es aus diesem Grund nicht legitim, dass die Öffentlich-Rechtlichen so viele Mittel aufwenden, um die Übertragungsrechte zu erwerben. "Sie kaufen sich Einschaltquoten mit Zwangsgebühren", so der Sat.1-Chef. Am Ende des Jahres würden sich ARD und ZDF hinstellen und auf die hohen 35 Prozent Marktanteil an den WM-Spieltagen hinweisen. Doch sobald nicht mehr übertragen werde, liege der Marktanteil noch bei 5 Prozent. Schawinski: "Es ist eine völlig absurde Situation, die mit normalem Wettbewerb nichts mehr zu tun hat."
Nach kommenden TV-Trends gefragt meint der Sat.1-Chef: "Wir verkünden keine Trends, sondern versuchen es mit neuen Sendungen, und jede einzelne muss beweisen, ob sie funktioniert oder nicht." Es gebe auch Sendungen auf anderen Sendern, die er gerne in seinem Programm hätte. "Wer zum Beispiel dreimal die Woche 'Wer wird Millionär?' mit Günther Jauch sendet, der muss eigentlich nicht besonders innovativ sein", so Schawinski.
Kein Rebell mehr
Im Gegensatz zur Schweiz müsse ein Senderchef in Deutschland auch im Verkauf aktiv sein. Schawinksi erklärt, dass er zu den wichtigsten Werbe- und Mediaagenturen gehe, und Präsentationen mache. Einiges wolle man vom Chef selber hören. Er müsse für sein Programm hinstehen und es verkaufen können. "Ein Teil der Aufgabe eines Senderchefs ist es, dass man Vertrauen erweckt im wirtschaftichen Umfeld und dass die Leute intern wie extern Vertrauen haben ins Urteilsvermögen und in die Kreativkraft desjenigen, der an der Spitze eines sochen Unternehmens steht."
In Deutschland sieht sich Schawinski auch in einer anderen Rolle als in der Schweiz. "In der Schweiz war ich der Rebell, der immer gegen die Institutionen wetterte, der keine Autoritäten kannte." Manchmal sei er witzig, manchmal vorwitzig gewesen. Das sei er in Deutschland nicht. Er sei nicht mehr täglich im Fernsehen als frech fragender Interviewer, sondern Geschäftsführer eines grossen Senders, da erwarte man auch ein bestimmtes Auftreten.
Kein Verständnis für 'Lüthi und Blanc'-Aus
Das Schweizer Fernsehen beurteilt der Sat.1-Chef aber auch noch aus der Distanz. Im Vergleich zu seinem Sender gebe es wenig Innovation. Neue Formate, die erfolgreich seien, würden nur aus dem Ausland importiert. Schawinski findet es auch seltsam, dass "Lüthi und Blanc" abgesetzt wurde, ohne eine Nachfolge zu haben.
Ein wichtiger Teil seines Jobs sei es auch, die Stars zu pflegen, im ständigen Kontakt mit ihnen zu stehen. "Bei der SRG denkt man wohl, die haben sowieso keine andere Chance, also braucht man sich auch nicht um sie zu kümmern." Laut Schawinski ist das ein weiterer Ausdruck einer Monopol-Landschaft, in der marktwirtschaftliche Kriterien ausgeschlossen sind.