"Die Zeiten der Machtblöcke sind vorbei"

Norbert Neininger - "Schaffhauser Nachrichten": Neues Werbekombi mit den Zürcher Regionalzeitungen.

Der Entscheid der "Schaffhauser Nachrichten" (SN), ab 2011 mit den vier Zürcher Regionalzeitungen (ZRZ) im Mantel- und auch im Werbebereich zu kooperieren, kommt nicht sonderlich überraschend. "Eigentlich ändert sich ja nichts", sagt SN-Verleger Norbert Neininger auf Anfrage. Schon bisher habe die SN einzelne Artikel dem vom Landboten aufbereiteten Redaktionstopf entnommen, immer aber habe man sie ins eigene Layout eingepasst, nach eigenem Gutdünken gewichtet und allenfalls auch selbst kommentiert. "Das läuft genau so weiter", betont Neininger.

Im werblichen Bereich knüpft die Zusammenarbeit hingegen an einer alten Tradition an: Das Werbekombi ZRZ plus lässt sozusagen das frühere NordostCombi wieder aufleben, das bis Ende 2005 Bestand hatte. Mit einem Unterschied: Das NordostCombi verband damals sechs Zeitungen – die fünf Partner des neuen ZRZ plus und die Thurgauer Zeitung. Letztere ist jetzt nicht mehr dabei, weil sie ins St. Galler Tagblatt integriert wird. Noch heute trauern viele dier früheren Kombination nach. "Es war ein sehr gutes Kombi", sagt auch Neininger wehmütig. Er habe sich nun aber überlegt, dass das gute alte Nordostcombi "eigentlich auch funktionieren müsste ohne Thurgauer Zeitung".

Der SN-Verleger hebt jedoch hervor, dass er der Entscheid pro ZRZplus keineswegs ein entscheid gegen den bisherigen Partner "Thurgauer Zeitung" bedeutet. "Denn das aktuelle Job-Kombi zwischen SN, ‘Thurgauer Zeitung’ und ‘Landbote’ führen wir ebenfalls weiter", sagt er. Es habe sich gezeigt, dass diese Werbekombination durchaus Sinn mache und auch erfolgreich sei. "Die Zeiten der Machtblöcke sind vorbei. Heute will jeder einfach ein möglichst gutes Resultat", fügt er erklärend hinzu.

In St. Gallen ist Daniel Ehrat, CEO der Tagblatt Medien, weder überradscht noch enttäuscht vom Schaffhauser Entscheid. "Für uns ändert sich dadurch nichts, denn das ‘St. Galler Tagblatt’ hatte bekanntlich noch nie eine Kooperation mit den SN", sagt er. Auch für die "Thurgauer Zeitung", die neu ins "St. Galler Tagblatt" integriert werde, sei es kein herber Verlust, werde sie doch ab 2011 Teil der neuen Werbekombination Cityplus. Diese verbindet "St.Galler Tagblatt", "Neue Luzerner Zeitung" und "MittelZeitung" im nationalen Markt. Insofern werde die Thurgauer Zeitung also auch wieder Teil eines grösseren Ganzen. Wäre auch die SN ins Cityplus einbezogen worden, wenn sie sich nach st. Gallen statt gegen die Region Zürich orientiert hätte? Ehrat will das nicht beantworten. "Das ist eine hypothetische Frage", sagt er bloss.

Anders tönt es in Schaffhausen: "Klar, war ein Mitwirken im Cityplus eine Option", sagt Neininger. "trotzdem haben wir uns anders entschieden. Aber wir haben uns die Sache natürlich gut überlegt." (Text: Markus Knöpfli)