Über 1000 Medienschaffende hätten sich beworben, heisst es in der Mitteilung. Die Veranstalter bezeichnen den Medienpreis für Qualitätsjournalismus als «eine der grössten und renommiertesten Auszeichnungen für Qualitätsjournalismus in ganz Europa». Die Auszeichnungen im Überblick:
Kategorie Gesellschaft
- Claudia Blumer und Thomas Knellwolf (Tages-Anzeiger-Magazin) für «Der Meisterschwindler». Die Recherche umfasst laut Jury 18 Magazinseiten. Zu den Opfern des porträtierten Betrügers gehören demnach ein ehemaliger Ständeratspräsident und ein Mitglied der Familie hinter der Sandoz-Familienstiftung.
- Peter Vögeli und Veronika Meier (SRF) für «Tschernobyl». Die dreiteilige Serie im SRF-Podcast «Zeitblende» rekonstruiere, wie es 1986 zur Katastrophe kam, und schlage den Bogen bis zum Krieg Russlands gegen die Ukraine, so die Jury. Zudem zeige sie, wie Tschernobyl in der Schweiz bis in den Alltag hineinwirkte.
Konsum und Ratgeber
- Markus Schall und Kristin Siebert (ARD) für «Hirschhausen und die Deepfake-Mafia». Die Reportage zeigt, wie kranken Menschen mithilfe von Deepfake-Videos Medikamente verkauft werden.
- Martin Wittmann (Süddeutsche Zeitung) für «Test, Test». Der Text im Magazin der Süddeutschen Zeitung zeichnet 60 Jahre Stiftung Warentest nach.
Umwelt
- Martin Schlak (Spiegel) für «Für immer giftig» über sogenannte Ewigkeitschemikalien.
Wirtschaft und Finanz
- Sven Niederhäuser (Correctiv.Schweiz), Sascha Buchbinder (Saldo), Olivier Christe und Osama Abdullah (WAV) für «Pension um jeden Preis». Mithilfe des Öffentlichkeitsgesetzes beschafften die Autoren Anlagelisten von Pensionskassen. Acht untersuchte Kassen haben demnach rund 638 Millionen Franken in die Rüstungsindustrie investiert, mehr als ein Viertel davon in Unternehmen, die mit geächteten Waffen in Verbindung stehen. Gemessen an 144,7 Milliarden verwaltetem Vermögen sei das weniger als ein halbes Prozent, hält die Jury fest. Manche Kassen hätten die Offenlegung ganz verweigert. Einen Zusammenhang zwischen Waffeninvestitionen und besserer Rendite habe die Recherche nicht gefunden.
Jungjournalistinnen und Jungjournalisten
- Paul Pfaffel (Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung) für «Digitale Mündigkeit». Der Text thematisiert die Anfälligkeit älterer Menschen für Deepfakes.
- Ehrenpreis: Julia Leonhardt (WirtschaftsWoche) für «Wie werde ich reich?». Der Artikel analysiert das Geschäftsmodell von Trading-Influencern.
Andere Kategorien
- Wolfgang Bauer (Zeit) für «Die Auslöschung». Der Text rekonstruiert den Überfall der paramilitärischen Rapid Support Forces auf die sudanesische Stadt Al-Faschir im Oktober 2025. Vor dem Überfall lebten dort laut Schätzungen der Vereinten Nationen rund 250’000 Menschen, danach 27’000. Von 73’000 fehle bis heute jede Spur, heisst es in der Laudatio. Da die Stadt von der Aussenwelt abgeschnitten sei, habe Bauer sie mit seinem Team aus den Erinnerungen Geflüchteter rekonstruiert. Die Jury dankte zudem der Fotografin Johanna-Maria Fritz.
Sonderpreis der Suva
- Theresa Hofer (SRF) für «Plötzlich gelähmt». Der TV-Beitrag begleitet einen Mann, der nach einem Skiunfall vom Hals abwärts gelähmt ist.
In einer separaten Mitteilung bezeichnet die Suva ihre erstmals vergebene Auszeichnung als «Medienpreis für Prävention und Rehabilitation». Gemäss der Versicherung handelt es sich um das deutschsprachige Pendant zum «Prix Suva des Médias», der seit 1993 in der Romandie besteht. Ausgezeichnet werden Arbeiten zur Prävention von Unfällen und Berufskrankheiten sowie zu Rehabilitation und Wiedereingliederung. Laut der Suva-Mitteilung ist Hofers Reportage zweiteilig, und die Filmemacherin hat ihren Protagonisten über drei Jahre begleitet.
Jurypräsident ist Franz Fischlin, ehemaliger Moderator der «Tagesschau». Der Jury gehören unter anderem Stifter Norbert Bernhard, alt Bundesrätin Simonetta Sommaruga, MAZ-CEO Martina Fehr, Bloomberg-Reporterin Fabienne Kinzelmann, SBB-Kommunikationschef Andreas Stuber und Suva-Kommunikationschef Alexander Fleischer an. Weitere Mitglieder kommen etwa von PSP Swiss Property, der Frankfurter Bankgesellschaft und Ethius Invest.
Unterstützt wird der Medienpreis von der Privatbank Julius Bär, vom Schweizerischen Arbeitgeberverband und vom «Schweiz-Fonds». Der Anlagefonds wurde am 1. Oktober 2026 lanciert. Gründer und Rechteinhaber ist gemäss Mitteilung Norbert Bernhard, Verleger des Geld-Magazins «Private». (pd/cbe)