"Diesen umfangreichen Relaunch in der kurzen Zeit durchzuziehen, war kein Zuckerschlecken"

SonntagsBlick - Am 11. Mai bekommt der "SonntagsBlick" ein neues Gesicht. Das Layout soll moderner und frischer wirken, das Papier ist weisser und edler. Neu besteht die Zeitung aus drei gleichwertigen Bünden: Aktuell, Sport und Magazin. "Das gibt uns noch mehr inhaltliche Möglichkeiten als früher", sagt Chefredaktorin Christine Maier gegenüber persoenlich.com. Mit dem Relaunch werde es zudem eine Reihe neuer Formate geben und man habe viele tolle Kolumnisten an Bord geholt.

Frau Maier, warum hat man sich gerade jetzt für die Überarbeitung des "SonntagsBlick" und des dazugehörigen Magazins entschieden?
Der Entscheid, das "SonntagsBlick"-Magazin zu überarbeiten, lag schon vor, als ich am 1. November die Chefredaktion des "SonntagsBlick" übernahm. Ich habe diese Aufgabe dann angepackt und zusammen mit meinem Team umgesetzt. In diesem Zusammenhang haben wir dann gleichzeitig den gesamten "SonntagsBlick" überarbeitet.

Was macht den neuen "SonntagsBlick" zur "Sonntagslektüre für die ganze Familie", wie es in der Werbung heisst?
Es geht darum, dass jeder in der Familie im "SonntagsBlick" tollen Lesestoff findet, von dem er oder sie sich angesprochen fühlt. Wir bringen die Themen, die in der Familie diskutiert werden. Im ersten Teil haben wir die aktuellsten News und Reportagen aus der Schweiz und International zu den Themen Politik, Wirtschaft, People. Der Sport-Teil ist das Must-Read für alle Sport-Fans – ausführlicher und besser geht’s nicht. Und im Magazin haben wir regelmässig grosse Strecken zu Themen aus den Bereichen Familie, Beziehung, Psychologie, Gesundheit, Sexualität. Dazu kommen neue Beratungsformate aus den unterschiedlichen Bereichen des familiären Alltags.

Wie ändern sich Aufbau und Blattarchitektur?
Mein Ziel war seit der ersten von mir verantworteten Ausgabe, den "SonntagsBlick" übersichtlicher zu gestalten, die Leserführung zu vereinfachen. Da schieben wir jetzt noch ein Brikett nach. Die verschiedenen Informationsebenen werden klarer herausgestellt, neue Auftaktseiten der Ressorts gliedern das Blatt konsequent. Wir haben eine Reihe von neuen Formaten, insbesondere im Magazin. Zudem besteht der "SonntagsBlick" neu aus drei gleich grossen und gleichwertigen Bünden: Aktuell. Sport. Magazin. Diese drei Bünde sind bezüglich Format, Haptik und Gestaltung klar zueinander zugehörig.

Wie ändert sich das Layout?
Das Layout wird moderner, frischer, magaziniger. Und das Papier weisser, edler.

Beispielseiten des neuen "SonntagsBlick".

Möchte sich der "SonntagsBlick" mit dem neuen, edleren Papier und dem magazinigeren Layout stärker vom "Blick" abgrenzen?
Der "SonntagsBlick" war immer schon ein eigenständiges Produkt und nicht einfach die siebte Ausgabe des "Blick". Diese Tradition setzen wir fort. Ganz wichtig: Der "SonntagsBlick" wird auch in einem anderen Umfeld gelesen als der "Blick". Sonntag ist Ruhetag, Tag der Entspannung, der Musse, der geistigen und körperlichen Erneuerung. Sonntag ist Familientag. Und am Sonntag hat man auch mehr Zeit, eine Zeitung zu lesen. Darum sind wir am Sonntag umfangreicher, haben längere Artikel und ein hochwertiges Papier. Unser "SonntagsBlick" ist die Sonntagszeitung für die ganze Familie. Dabei sind und bleiben wir eine Boulevardzeitung, die investigativ und emotional ist. Immer journalistisch hoch seriös und kompetent.

Sie haben neue Formate insbesondere im Magazin angesprochen. Werden Sie dafür zusätzliche neue Leute einstellen?
Wir stellen immer wieder neue Journalisten ein. Wenn wir gute Leute entdecken, versuchen wir, sie an Bord zu holen. Ich möchte aber betonen, dass ich begeistert bin, wie das gesamte Team im Newsroom in den vergangenen Wochen mitgezogen hat. Diesen umfangreichen Relaunch in der kurzen Zeit durchzuziehen, war kein Zuckerschlecken.

Was gefällt Ihnen denn jetzt, nach getaner Arbeit, ganz besonders?
Dass das Magazin neu wirklich ein dritter, gleichwertiger Bund wird. Das gibt uns noch mehr inhaltliche Möglichkeiten als früher. Und ich freue mich über die vielen neuen, tollen Kolumnisten, die sich bereit erklärt haben, für die grösste Sonntagszeitung der Schweiz zu schreiben.

Und womit sind Sie noch nicht zufrieden?
Oh je, bis ich ganz zufrieden bin...

Ringier-CEO Marc Walder sagte kürzlich in einem Interview mit dem "Tages-Anzeiger" über den "Blick"-Newsroom: "Ich sehe die Gefahr, dass der 'SonntagsBlick', der naturgemäss eher am Ende dieser Nachrichtenkette bedient wird, zu wenig Ressourcen erhalten könnte. Also arbeiten wir daran, die Ressourcen besser zu verteilen." Was wird sich in dieser Hinsicht ändern?
Mit dem Relaunch ändert sich diesbezüglich nichts, aber wir arbeiten ja aktuell an der Weiterentwicklung des Newsrooms.

Aber wird es wieder ein "eingeschworenes SoBli-Team" geben, welches exklusiv für Sie arbeiten wird?
Erstens möchte ich festhalten: Der "SonntagsBlick" gehört in den Newsroom, daran möchte niemand – auch ich nicht - etwas ändern. Der Newsroom wurde 2010 in Betrieb genommen, aber nicht in Stein gemeisselt. Es sind in den letzten Jahren laufend Anpassungen gemacht worden. Im Moment diskutieren wir vier Chefredaktoren intensiv, wie der Workflow optimiert werden kann. Was das konkret für den "SonntagsBlick" heisst, werden wir gemeinsam mit den Ressortleitern festlegen.

Wird sich mit der Lancierung des neuen "SonntagsBlick", der auch neue Formate und aufwendigere Hintergrundberichte enthält, an der Digitalstrategie etwas ändern? 
Am Sonntag steht traditionell Print im Vordergrund. Man hat mehr Zeit fürs gemeinsame Frühstück und zum Lesen und Papier strahlt diese besondere Qualität aus, die am Sonntag optimal zur Geltung kommt. Darüber hinaus werden wir aber auch digital Akzente setzen. Wir haben ja heute schon einen eigenen Channel bei blick.ch, dazu wird Social Media für uns an Bedeutung gewinnen und wir werden Themen noch konsequenter als bisher über alle Kanäle spielen. Die neue Krimiserie im "SonntagsBlick" Magazin ist ein Beispiel: Am Sonntag erscheint in der Zeitung der erste Teil eines vierteiligen Krimis und die Leser können bis Dienstag online abstimmen, wie es in der Zeitung am nächsten Sonntag weitergehen soll.

Das Projekt Paywall wurde bei Ringier auf Eis gelegt. Würden Sie eine Bezahlschranke begrüssen?
Ich habe mir dazu noch keine abschliessende Meinung gebildet. Aber grundsätzlich: Die Zeitung ist ja im Abo und am Kiosk Paid Content. Ich bin der Meinung, dass unsere journalistische Leistung Geld wert ist - egal über welche Kanäle sie verbreitet wird.

Fragen: Seraina Etter, Bilder: zVg, Ringier