Mittlerweile erwirtschaftet Tamedia rund einen Viertel (24 Prozent) seines Umsatzes im Digitalgeschäft. Beim operativen Gewinn stammt bereits knapp ein Drittel (32 Prozent) aus den Internetangeboten. Zum Digitalgeschäft zählt Tamedia derzeit zwar auch die Nachrichtenportale wie 20minuten.ch oder Tagesanzeiger.ch.
Weko-Entscheid steht aus
Vor allem aber besteht das Geschäftssegment aus Internetplattformen wie Homegate.ch und Jobs.ch. Diese sind quasi Ersatz für die Kleininserate und Stellenanzeigen, welche in den Tageszeitungen kaum mehr zu finden sind und dort auch als Erträge fehlen. Tamedia wendet sich aber auch immer stärker Geschäftsfeldern zu, die weniger Verbindung zum einstigen Zeitungs- und Zeitschriftengeschäft haben.
So gehören der Billettvertrieb Starticket und der Terminplaner Doodle ebenso zu Tamedia wie die Offertenplattform Olmero. Bereits kommuniziert wurde auch die Übernahme der Auktionsseite Ricardo und deren Handelsplattformen. Diese werden, sofern die Wettbewerbskommission zustimmt, noch dieses Jahr zum Konzern stossen.
Hälfte des Gewinns aus dem Internet
Für diese Entwicklung nimmt Tamedia viel Geld in die Hand. An der Bilanzmedienkonferenz am Donnerstag sprach Supino von mehr als 1,5 Mrd. Franken, die in den letzten Jahren insgesamt in neue Geschäftsfelder investiert wurden. Ein grosser Teil davon ging ins Digitalgeschäft. Und für Ricardo wird Tamedia weitere 240 Mio. Fr. zahlen.
Erklärtes Ziel ist es, 50 Prozent des operativen Gewinns im Digitalgeschäft zu generieren. Konzernchef Christoph Tonini ist optimistisch, in zwei, drei Jahren so weit zu sein. Tamedia sei in den meisten Segmenten in einer guten Position, sodass das Unternehmen von der gegenwärtigen Entwicklung der Digitalisierung profitieren könne, sagte er.
2014 hat Tamedia im Digitalbereich den Umsatz um 17 Prozent auf 272,9 Mio. Fr. steigern können, teils dank Übernahmen. Der Gewinn des Geschäftssegments vor Abschreibungen stieg derweil um 32,3 Prozent auf 75,3 Mio. Franken.
Insgesamt wuchs der Umsatz des Tamedia-Konzerns um 4,2 Prozent auf 1,115 Mrd. Franken. Beim Betriebsgewinn (EBIT) weist das Medienunternehmen gar ein Plus von 25,8 Prozent auf 160,6 Mio. Fr. aus. Unter dem Strich blieben mit 159,7 Mio. Fr. dank des Buchgewinns aus dem Verkauf der Publigroupe-Aktien gar über ein Drittel mehr übrig als noch 2013.
Höhere Gewinne auch im Printgeschäft
Bessere Ergebnisse weist Tamedia nicht nur im Digitalsegment aus, sondern auch mit den Printprodukten. Weiter haben die sinkenden Einnahmen aus Inseraten und wegbrechende Aboerlöse aufs Geschäft gedrückt. So konnte bei den Tageszeitungen und den Druckereien (Segment Print Regional) der Umsatz nur dank der Übernahme des Winterthurer Landboten gesteigert werden.
Bei den Pendlerzeitungen, Wochenzeitungen und Zeitschriften (Segment Print National) resultierte dagegen ein Umsatzminus von über 5 Prozent. Trotz Drucks auf die Erlöse stieg aber die Profitabilität des Geschäfts. Bei Print Regional blieb operativ 89,7 Mio. Fr. damit 10,9 Prozent mehr als im Jahr davor übrig, bei Print National stieg das EBITDA um 10,8 Prozent auf 66,0 Mio. Franken.
Grund für die Ergebnisverbesserung sind einerseits Effizienzsteigerungen. So haben beispielsweise seit Sommer die "Berner Zeitung" und die Zürcher Regionalzeitungen den gleichen Inland-, Wirtschafts- und Auslandsteil. Gleichzeitig wurden auf www.tagesanzeiger.ch und www.bund.ch Bezahlschranken eingeführt.
Der Tages-Anzeiger zählt mittlerweile über 9000 Digital-Abos. Damit erhalten 6 Prozent der Abonnenten keine gedruckte Zeitung mehr. «Damit sind wir zufrieden», sagte Unternehmenschef Tonini dazu. Supino wies aber darauf hin, dass man bei den sogenannten Paywalls erst am Anfang der Entwicklung stehe und noch viel lernen müsse.
Ab 2017 schwarze Zahlen
Noch nicht viel Erfahrung hat Tamedia auch im Ausland. 2007 ist der Konzern ein Joint Venture für eine Pendlerzeitung in Luxemburg eingegangen. Dort ist das Geschäft inzwischen laut Tonini ähnlich profitabel wie 20 Minuten in der Schweiz. Die dänische Gratiszeitung Metroxpress, die seit Anfang 2013 zu Tamedia gehört, ist dagegen noch defizitär.
Dort rechnet Tamedia-Chef angesichts der «hervorragenden Marktposition» mit schwarzen Zahlen ab 2017. Auf den Gesamtumsatz bezogen ist das Auslandgeschäft für Tamedia aber noch unbedeutend.
Text: sda, Jürg Rüttimann, Bild: Keystone, Anthony Anex