Dokufilm begeistert Politiker

"Mais im Bundeshuus" - Jean-Stéphane Bron als "Lauscher an der Tür".

Das gibt es selten im Eidgenössischern Parlament: Zustimmung von ganz links bis ganz rechts. Beschieden ist dieses Glück dem Westschweizer Filmschaffenden Jean-Stéphane Bron und seinem Dokumentarfilm "Mais im Bundeshuus".

Der Film war am Montagabend nach Abschluss des ersten Sessionstages im Nationalratssaal zu sehen. Vor dem berühmten Vierwaldstättersee-Wandgemälde war eine Leinwand aufgespannt, so dass die Parlamentarier und Parlamentarierinnen den Film von ihren Sitzplätzen aus verfolgen konnten.

Insgesamt rund 80 Politiker und Politikerinnen, darunter die Bundesrätinnen Ruth Metzler und Micheline Calmy-Rey, führten sich den Kinofilm zu Gemüte. "Mais im Bundeshuus -- le génie helvétique" beobachtet die Arbeit der "Kommission für Wissenschaft, Bildung und Kultur" bei der Ausarbeitung des Gentechnikgesetzes (Gen-Lex) in den Jahren 2001 und 2002.

Die Stimmung im Saal war gut. Die Parlamentarier und Parlamentarierinnen haben viel gelacht während der Vorführung, und manch einer konnte, weil er einen Auftritt hatte, gar über sich selber schmunzeln.

Der Lausanner Drehbuchautor und Regisseur Jean-Stéphane Bron schafft das Kunststück, es allen recht zu machen, ohne sich selber zu verraten. Brons Beobachtungen über den Arbeitsalltag in den heiligen Hallen des Bundeshauses sind spannend wie ein Krimi und aufschlussreich wie eine Studie über den Gang politischer Machtausübung.

Obwohl er zu den Beratungen nicht zugelassen war und deshalb in die Rolle des "Lauschers an der Tür" gedrängt ist, gelingt Bron ein vielschichtiges Porträt über den Parlamentarier-Alltag. Ohne die Politiker zu denunzieren, wird deren enger politischer Spielraum deutlich, der sie zu Kompromissen zwingt.

"Der Film entspricht genau der Realität", sagt Christine Egerszegi (FDP/AG), und das sehen auch die anderen so. "La verité", lobt auch Nationalrats-Präsident Yves Christen (FDP/VD) den Filmer, dem er "die richtigen Leute vorgestellt" habe, damit er überhaupt im Bundeshaus drehen konnte, und der sich jetzt auch für die Filmvorführung im Nationalratssaal stark gemacht hatte.