Über 60'000 Dossiers mit 2.5 Millionen Dokumenten zum Thema Film, 200'000 Filmfotos und 8000 Filmbücher lagern in der Dokumentationsstelle Zürich des Filmarchivs Cinémathèque suisse. Dieser wertvolle Schatz soll künftig besser genutzt werden können.
Die von Filmbeauftragten der katholischen und der reformierten Kirchen ab 1940 aufgebaute Zoom-Dokumentation ist drei Jahre nach der Übernahme durch die Cinémathèque suisse daran, sich neu zu positionieren. Durch den Umzug in diesem Sommer ins "Filmhaus" in der Nähe des Zürcher Hauptbahnhofs wurde der Kontakt zu anderen Filminstitutionen vereinfacht und die öffentliche Zugänglichkeit erleichtert.
Zudem plant die von Bund sowie Kanton und Stadt Zürich finanziell unterstützte Cinémathèque-Filiale eine engere Zusammenarbeit mit dem Seminar für Filmwissenschaft der Universität Zürich. So werden beispielsweise die Bücher der Präsenzbibliothek in den Katalog der Filmseminar-Bibliothek aufgenommen. Die Zürcher Cinémathèque-Bibliothek hat laut Dokumentalist Peter F. Stucki zwar Lücken, enthält aber auch einige Perlen. Diese könnten künftig leichter entdeckt werden.
Zeitungsausschnitte, Filmzeitschriften, Fotos
Die Cinémathèque-Zentrale in Lausanne archiviert hauptsächlich die Filme selbst und rettet sie vor dem Zerfall. Zudem widmet sie sich in der Dokumentation schwergewichtig dem französischsprachigen Filmschaffen. Das Herzstück der Zürcher Dokumentationsstelle dagegen ist die Sammlung von Zeitungs-Ausschnitten, Filmzeitschriften, Filmfotos sowie Verleih-Unterlagen zu Filmen. Seit 1998 hat die von zwei Teilzeit-Angestellten betreute Dokumentationsstelle auch die Archivfunktion des Schweizerischen Filmzentrums (heute: Swiss Films), das für die Promotion des Schweizer Films im In- und Ausland zuständig ist. Rund 300 Schweizer Filmdrehbücher aus dem Zürcher Cinémathèque- Archiv sind dieser Tage auf Mikrofichen erfasst und der Zentralbibliothek Zürich zur Verfügung gestellt worden. Sie dienen der Filmwissenschaft als Forschungsgrundlage.
Sammeln für in 20 Jahren
Die Archivarbeit hat sich in den letzten Jahren durch Computertechnik und Internet stark gewandelt. Aber wenn auch heute viel aktuelles Material in Datenbanken abgelegt wird, lassen sich noch viele wertvolle Informationen über die Tausenden von Karteikärtchen finden. Und auch die vielen Laufmeter Personen-, Film- und Themen-Dossiers werden weiterhin mit Zeitungsausschnitten und "Papier- Dokumenten" aktualisiert. "Wir sammeln heute nicht in erster Linie für die aktuelle Nutzung, sondern jene in 20 Jahren", erklärt Bernadette Meier, Leiterin der Dokumentationsstelle.
An Bedeutung gewinnen könnten ihrer Ansicht nach die Schenkungen und Nachlässe, die dem Archiv zunehmend angeboten werden. "Wir sind daran, ein Konzept zu erarbeiten, wie Nachlässe bearbeitet werden", sagt Meier. Die ihnen überlassenen Archive von Filmschaffenden oder Fachjournalisten hätten nur einen Wert, wenn sie nicht bloss gelagert, sondern auch erschlossen würden.
Trouvaillen finden
Thomas Christen vom Filmseminar der Universität Zürich hofft, dass solche Archive in Zürich öffentlich zugänglich gemacht werden können. "Für unsere Filmstudenten wären sie ein gefundenes Fressen für ihre wissenschaftliche Arbeit", ist er überzeugt. Auch er weist auf die Bedeutung einer guten Erschliessung der Sammlungen hin, damit die Trouvaillen auch entdeckt werden. Die "ziemlich einmalige" Dokumentationsstelle dient laut Christen ohnehin als Fundgrube für Forschungsarbeiten der rund 450 Studierenden des Zürcher Filmseminars. Vor allem wer sich mit der Rezeption von Filmen oder der Geschichte der Filmkritik in der Schweiz auseinandersetze, sei auf die Cinémathèque suisse angewiesen, findet der Leiter der Filmseminar-Bibliothek. Interessante Quellen dürften nach Ansicht von Christen auch Literatur- und Theaterwissenschaftler in den Archiven finden.