EDI prüft Klage wegen Piraterie-Vorwurf

Comparis - Reaktion auf "L'Hebdo"-Artikel.

Die Piraterie-Vorwürfe gegen den Internetvergleichsdienst comparis.ch könnten doch noch vor Gericht landen. EDI-Vorsteher Alain Berset erwägt eine Strafklage. Zudem soll der Prämienrechner des Bundesamtes für Gesundheit priminfo.ch aufgewertet werden. "Eine Strafklage wird geprüft", sagte Ariane Geiser, Sprecherin des Departementes des Innern (EDI) am Samstag zu mehreren Medienberichten. Die Juristen des Departementes untersuchten seit Donnerstagabend die Modalitäten einer solchen Klage. Ein Entscheid werde "in den nächsten Tagen" fallen.

Das Westschweizer Magazin "L'Hebdo" hatte am Donnerstag publik gemacht, dass die BAG-Webseite am 28. September 2011 Opfer eines Hacker-Angriffs geworden war. Comparis hatte die Publikation mit einer superprovisorischen Verfügung verhindern wollen, musste später aber einräumen, dass tatsächlich ein Comparis- Mitarbeiter hinter dem Hacker-Angriff stand. Dabei handelte es sich laut Comparis aber um eine private Einzelaktion des Mitarbeiters. Sein Vorgehen verstosse gegen interne Richtlinien. Der Mann wurde umgehend entlassen. Die neuste Entwicklung habe dazu geführt, dass die Affäre vom EDI neu beurteilt werde. Bundesrat Berset nehme die Angelegenheit "sehr ernst", sagte Geiser weiter.

Die EDI-Sprecherin bestätigte zudem, dass Berset den BAG-Prämienrechner priminfo.ch aufwerten wolle, um ihn für die Nutzer "einfacher und effizienter" zu gestalten. Dabei werde auch die Anpassung rechtlicher Grundlagen geprüft, damit wieder Direktlinks zu den Versicherern aufgeschaltet werden könnten. Gegen diese Verlinkung hatte sich Comparis mit einem Rechtsgutachen gewehrt, worauf das BAG im Juni darauf verzichtet hatte. Geprüft wird laut der EDI- Sprecherin ausserdem eine engere Zusammenarbeit mit Konsumentenschutzorganisationen.

Comparis kritisierte am Samstag per Communiqué die Pläne Bersets, die privaten Internetdienste wieder mit einem eigenen Prämienvergleich zu konkurrenzieren. Die Aufsichtsbehörde als Schiedsrichter eines Kassenwettbewerbs "will somit selbst mitspielen". Berset riskiere damit, dass der Kassenwechsel verteuert würde. Comparis lägen Informationen von kleinen Kassen vor, die "angesichts der Einrichtungskosten und der geringen Nachfrage auf dem Prämienvergleich des Bundes" 2011 für eine Offertanfrage Kosten von bis zu 500 Franken zu tragen hatten. "So trägt Berset nicht zum Prämiensparen bei." (sda/dpa)