"Effektiv bin ich keine Wadenbeisser-Journalistin"

- Grosse Emotionen am Prix Walo: Die langjährige TeleZüri-Talkerin Patty Boser durfte am Sonntagabend die Trophäe in der Kategorie "Publikumsliebling" entgegen nehmen und liess damit TV-Grössen aus dem Leutschenbach hinter sich. Im Interview spricht die "Lifestyle"-Moderatorin über ihre grössten Förderer und verrät, dass sie sich auch mal von Peter Wanner oder Marc Walder Inputs holt:

Frau Boser, Sie sind Publikumsliebling des Prix Walo. Was bedeutet ihnen diese Auszeichnung?

Unglaublich viel, weil es eine Auszeichnung des Publikums ist. Damit ist er weit mehr wert als jeder Jurypreis. Schliessslich machen wir alle unseren Job wegen und für unser Publikum!

Mit welchem Erfolgsrezept gewinnen Sie die Herzen des Publikums?

Eigentlich müssten Sie diese Frage meinem treuen Publikum stellen. Was ich immer wieder höre ist, dass ich mir selbst in all den Jahr über treu geblieben bin und dass ich den Personen denen ich beruflich begegne Respekt und Herzlichkeit entgegen bringe. Ich mag Menschen, egal woher sie kommen und was sie sind, jeder ist als Individuum wertvoll!

Sie sind seit 23 Jahren im Medien-Business. Wer waren Ihre wichtigsten Förderer?

Durch die Anstellung bei Radio 24 vor 23 Jahren hat mir Markus Gilli die Chance gegeben ins Medienbusiness einzusteigen. In der Folge bin ich durch Roger Schawinski zu TeleZüri gestossen. Für mich waren diese beiden Vollblutjournalisten immer wieder Sparringpartner und kritische Beobachter.

Holen Sie sich auch heute noch ab und zu Tipps?

Professioneller Austausch ist für mich sehr wichtig und ich pflege diesen immer wieder mit Medienprofis wie zum Beispiel Marc Walder, Jürg Marquard, Kurt Felix, Peter Rothenbühler und natürlich auch mit Peter Wanner. Natürlich gehen wir nach jeder Sendung mit meiner Redaktionsleiterin Nicole Himmelreich und der ganzen Lifestylecrew jeweils kritisch über die Bücher.

Begonnen haben Sie beim Radio. Hat es Sie noch nie dorthin zurück gezogen, sprich warum bleiben Sie lieber beim TV?

Radio war meine erste grosse Liebe und diese behält immer einen Platz im Herzen. Jedes Medium hat seinen ganz besonderen Reiz. Die Aktualität des Radios wird immer unübertroffen sein, dafür werden beim Fernsehen mehrere Sinne angesprochen. Demzufolge hat beides seinen Reiz!

Wollten Sie nie zum Schweizer Fernsehen?

Es ist wohl für die meisten Journalisten ein Traum bei den grossen nationalen Fernsehsendern zu arbeiten. Mit SF hat es in den vergangenen Jahren Gespräche diesbezüglich gegeben, allerdings ohne konkretes Resultat. Die regionalen TV-Sender werden meiner Ansicht nach in ihrer Bedeutung unterschätzt. Wie könnte es sonst sein, dass ich mich bei der gestrigen Wahl des Publikumliebling gegen viele "Grössen" des Leutschenbach Senders durchsetzen konnte.

Ihre Spezialität sind nette Plauderstündchen. Sie sind ein gern gesehener Gast, man fühlt sich wohl, niemand fürchtet sich vor Ihnen. Würden Sie auch gerne mal als lästige Wadenbeisser-Journalistin unterwegs sein oder sind Sie einfach lieber die "nette", bei allen beliebte Moderatorin?

Ich bin mir sehr wohl bewusst, dass ich durch meine Sendung etwas in eine "Schublade" gesteckt werde. Effektiv bin ich keine Wadenbeisser-Journalistin. Ich bin aber sehr wohl zu kritischem Journalismus fähig und könnte mir sehr gut vorstellen zum Beispiel eine Medizinsendung oder eine Diskussionsrunde zu einem gesellschaftlichen Thema zu moderieren. In jedem Fall steht für mich das Thema "Mensch" im Fokus.

Sie besuchen offensichtlich gerne Menschen. Haben Sie selbst auch gerne Besuch? Was offerieren Sie Ihren Gästen am liebsten?

Schönes Wohnen ist mir wichtig. In einem Haus in welchem ich mich wohl fühle, schöpfe ich Kraft für meine Tätigkeit und meine Familie. Wenn ich Gäste einlade, sind mir gute Gespräche und Lachen ebenso wichtig wie feines Essen und ein gutes Glas Wein.

Sie moderieren die TeleZüri-Sendung "Lifestyle" seit Beginn - also seit 16 Jahren. Warum sind Sie immer noch motiviert?

Erstens ist mein Job auch mein Hobby, wer kann das schon behaupten. Zweitens ist jeder Mensch, den ich besuche einzigartig und deshalb besteht auch nie die Gefahr von Monotonie und Wiederholung.

Zu wem wollen Sie noch nach Hause?

Die Liste ist noch sehr lang. Zuoberst stehen derzeit Tina Turner, Emil, Roger Federer, Bligg und Mike Müller.

Mit welchen Promis fällt es Ihnen besonders leicht, ein gutes Gespräch zu führen?

Jeder Mensch ist für mich interessant, wenn er bereit ist sich zu öffnen und einen Teil seiner wirklichen Identität preiszugeben.

Wie retten Sie die Sendung, wenn das Gespräch einfach nicht läuft?

Durch eine gute Vorbesprechung vor dem Dreh sollte dies eigentlich nicht passieren. Dank meiner Erfahrung und Intuition weiss ich, wann ich als Moderatorin Gas geben oder auf die Bremse stehen muss.

Heute Abend sind Sie zu Gast bei Ihrem Chef Markus Gilli im Talk Täglich. Sind Sie lieber die Fragestellerin oder die Gefragte?

Klar ist: derjenige der fragt, führt das Gespräch. In der Regel ist der Befragte tendenziell eher in der Defensive - nur wenn es dem Fragesteller gelingt, eine Atmosphäre des Vertrauen aufzubauen, besteht die Chance auf ein erstklassiges Interview. Mit Markus Gilli verbindet mich eine langjährige berufliche Freundschaft deshalb freue ich mich sehr auf den heutigen TalkTäglich.

Was für eine andere Aufgabe neben der "Lifestyle"-Moderation würde Sie noch reizen?

Da habe ich noch viele Wünsche: eine zusätzliche TV-Sendung als kontrapunkt zu "Lifestyle", eine regelmässige Radiosendung und wieder mal meiner alten Liebe dem Theater frönen und auf der Bühne stehen.

Interview: Corinne Bauer.