Herr Baumann, Sie haben nun die Referentenagentur Wörterberg gegründet. Warum tun Sie sich das an?
Ja, das frage ich mich auch. Eigentlich wollte ich über Weihnachten ein neues Golfbuch schreiben. Die Gründung des Wörterbergs ist eigentlich eher ein Zufall.
Sie selbst sagen doch immer, es gäbe keine Zufälle.
Ja, so gesehen ist es eine Fügung. Die Gründung einer Moderatoren- und Keynote-Speaker-Boutique war eigentlich gar nicht geplant – aber in den letzten Monaten erhielten wir immer mehr Anfragen für Referate und Lesungen der Protagonisten der Bestseller aus dem Wörterseh Verlag meiner Frau. Und was die Hauptdarsteller dieser Bücher zu erzählen haben, ist wirklich der Hammer. Beeindruckend und berührend.
Zum Beispiel?
«Geboren als Frau, glücklich als Mann» heisst Niklaus Flütschs Bestseller. Der Frauenarzt kam als Mädchen zur Welt und unterzog sich mit 46 Jahren einer Geschlechtsanpassung. Atemberaubend auch die Referate von Extremalpinistin Evelyne Binsack oder Bärenforscher Reno Sommerhalder. Und besonders fesselnd natürlich der Schönheitschirurg und Kriegsarzt Enrique Steiger, der von seinem unglaublichen Spagat zwischen Busen und Bomben berichtet.
Sie vermitteln auch Moderatorinnen und Moderatoren.
Ich musste im letzten Jahr oft eigene Anfragen aus zeitlichen Gründen absagen und an Kollegen weiterleiten. Die fanden das prima und machten auch keinen Hehl daraus, dass sie sich freuten, wenn sie wieder mal für mich einspringen dürfen.
Sie haben viele SRF-Moderatoren wie Katja Stauber, Röbi Koller oder Florian Inhauser in Ihrem «Angebot». Nach welchen Kriterien haben Sie Ihre «Stars» ausgewählt?
Sie alle sind herausragende Medienpersönlichkeiten. Wir haben darauf geachtet, eine breite Palette hochkarätiger Profis zusammenzustellen, die auf ihrem jeweiligen Gebiet zu den Besten gehören.
Haben Sie diese Moderatoren exklusiv – oder gab es Einschränkungen von der SRG?
(Lacht) Nein, nein, die dürfen weiterhin für die SRG arbeiten - in diesem speziellen Fall drücken wir ein Auge zu.
Wie läuft eine Buchung ab?
Sie schildern uns ihre Wünsche. Und dann empfehlen wir die passende Persönlichkeit. Und wenn wir einen speziellen Referenten nicht in unserer Firma haben, dann suchen wir ihn halt auf dem Markt. Ich bin sicher, wir würden sogar Referenten zu Themen wie «Die Flora von Weihwasserbecken im Heilbad Balneario No. 6» oder zur ökotrophologischen Frage nach dem «Einfluss der Jahreszeit auf das relative Karma bayerischer Starkbiere» finden.
Inwiefern ergibt sich eine Zusammenarbeit mit dem Wörterseh Verlag, dem Verlag Ihrer Frau?
Oh, das ist ein absoluter Glücksfall. Der Verlag entpuppt sich immer wieder als unerschöpfliche Quelle für exklusive Menschen mit besonderen Geschichten. Für Nachschub ist gesorgt.
Wo sehen Sie das Bedürfnis für eine neue Referenten- und Moderatorenagentur?
Es gibt keines. Aber wir stellen fest, dass es doch einige Grossunternehmen gibt, die sich für exklusive Vorträge interessieren und für Moderatoren, die doch noch ein bisschen mehr Tiefgang haben als eine Vize-Miss Züri Oberland.
Man kann Sie selber auch buchen – und zwar mit neuer Brille. Worauf sind Sie spezialisiert?
Seit vielen Jahren doziere ich «Visuelle Rhetorik». Meine Muldimediareferate erläutern auf abenteuerliche Art und Weise, wie man in Bildern kommuniziert und nicht in Rätseln. Weil ich grundsätzlich nur über Dinge referiere, die ich aus dem Effeff beherrsche, dreht sich ein zweiter Vortrag ums essentielle Thema «Mann-Sein ist eine hochexplosive Lebensform – das Zusammenleben mit einer Frau.»
Sie sind daneben ja noch als Programmleiter des Aroser Humorfestivals engagiert und als Buchautor und TV-Produzent tätig. Wie fest beansprucht Sie Ihre aktuelle Aufgabe?
Die hochexplosive Lebensform?
Nein, die neue Moderatoren und Keynote-Speaker-Agentur Wörterberg.
Weil wir uns ja eben erst grad auf diese spannende Bergtour gemacht haben und das eine kleine Lawine des Interesses ausgelöst hat, bin ich tatsächlich gut ausgelastet. Also langweilig wird's mir nicht.
Fragen: Matthias Ackeret, Bild: Christian Lanz