"Ein Besuch bei der EU" als Longform-Serie

20 Minuten - Die Konvergenz mache solche Projekte möglich, sagt Chefredaktor Marco Boselli.

In der vierteiligen Online-Serie "Sind wir noch Freunde? Ein Besuch bei der EU" beleuchtet Desirée Pomper, Inlandchefin von "20 Minuten", diese Woche das Verhältnis der Schweiz zur Europäischen Union. Im Aussehen erinnert die Geschichte an die Longform- und Scrollytelling-Artikel, wie sie im angelsächsischen Raum schon länger gemacht werden. Auch der "Tages-Anzeiger" hat vor einigen Monaten angefangen, Artikel in dieser Form zu veröffentlichen.

Nun also auch bei "20 Minuten" - wie kam es dazu? "Desirée Pomper hatte Lust, ihre Reportage aus Strassburg als Longform-Story zu erzählen. Umgesetzt hat sie es dann mit Stefano Paccagnella, einem unserer Frontend-Designer", sagt Chefredaktor Marco Boselli gegenüber persoenlich.com. Man wolle damit helfen, die Diskussionen in der Folge der Abstimmung vom 9. Februar besser zu verstehen – es handle sich um ein "kreatives Service-Stück".

Konvergenz macht's möglich
Man sei schon länger inspiriert gewesen von dieser Form, aber "erst durch die Konvergenz, dank der wir rund dreiviertel unserer personellen Ressourcen in unseren Digital-Auftritt investieren können, haben wir auch die Mittel dazu."

Die Reaktionen seien durchs Band gut und mit 500'000 Views in den ersten zwei Tagen stimmen auch die Zahlen. Online werde man das in Zukunft wieder zu lesen bekommen, so Boselli: "Ganz sicher werden wir Longforms oder Scrollytelling weiterhin als Erzählform anwenden, wenn's passt. Und an guten Journalisten fehlt es uns ja nicht.“

Weiterhin Reduktion auf das Wesentliche im Print
Im Print werde man solche Formen aber nicht finden, betont der Chefredaktor: "Während es die Qualität unseres Online-Auftrittes ist, mit den vielen möglichen Erzählformen zu spielen und zu experimentieren, erwartet man von unserer Zeitung, konsequentes Gatekeeping und Reduktion auf das Wesentliche." (lmy)