Ein Fisch für das Zweite

- Frank Baumann moderierte 1996/97 bei Sat.1 die Sendung "Superhirn". Jetzt steht er vor seinem Comback auf deutschen Fernsehschirmen. Für das ZDF produziert er "Ein Fisch für zwei". "Es ist die erste 'Nicht-Talkshow' in der Geschichte des Fernsehens", erklärt Baumann im Gespräch mit "persoenlich.com". Ab 2008 ist er zudem künstlerischer Direktor des Arosa Humorfestival. Am Programm feilt er aber schon jetzt. Das Interview:

Frank Baumann, Sie amten ab 2008 als künstlerischer Direktor des Arosa Humorfestivals. Haben Sie sich durch die Werbung für Arosa Tourismus dafür qualifiziert?

Ich habe auf der einen Seite einen langjährigen Bezug zu Arosa, weil ich für die Region seit einigen Jahren Werbefilme und Promoaktionen mache. Da könnte man von einer geographischen Wurzel sprechen. Auf der anderen Seite habe ich durch meine langjährige Tätigkeit als Satiriker, Ideenerfinder und meine Fernsehtätigkeit einen guten Bezug zu diesem Thema. Schlussendlich kam die Anfrage aber schon überraschend, eigentlich wie die Jungfrau zum Kind.

Ende 2007 lässt das Schweizer Fernsehen "Genial daneben" auslaufen. Da passt der neue Job zeitlich gut rein…

Klar, die Sendung war ja auch ein Full-Time Job (lacht). "Genial daneben" war etwas sehr kleines, sowohl was den zeitlichen Aufwand für die Produktion als auch das Einkommen angeht. Das Format war aber eine heitere Sache und hat mir sehr gute Kontakte zu Comedians und Künstleragenturen ermöglicht. Das kommt mir jetzt fürs Humorfestival zu Gute.

Wie wurde Ihnen gegenüber das Aus für "Genial daneben" kommuniziert?

Die Sendung war erfolgreich und ist beim Publikum sehr gut angekommen. Der Sendeplatz wurde aber für ein neues Format gebraucht, daher hat man "Genial daneben" auslaufen lassen.

Sind Sie mit der Argumentation einverstanden?

Das war ein Führungsentscheid. Den kann man gut oder schlecht finden. Bei den Beteiligten stiess er sicher auf Unverständnis. Aber ein klarer Entscheid ist mir lieber als irgendein "Wischi-Waschi-Zeugs".

Mit ihrer Firma Wörterseh entwickeln Sie auch TV-Formate. Wird man sie am Bildschirm bald in einer neuen Rolle sehen?

Ich stecke gerade in den Dreharbeiten für ein Format, das wir für das ZDF produzieren. Falls die Sendung jemals auf den Sender kommt -- das weiss man ja heute nie -- wird sie sehr unterhaltsam und aussergewöhnlich. Es ist nämlich die erste "Nicht-Talkshow" in der Geschichte des Fernsehens.

Und wie muss man sich das Konzept der "Nicht-Talkshow" vorstellen?

Während 30 Minuten bin ich mit bekannten Persönlichkeiten zusammen, rede aber nicht mit Ihnen. Die Sendung trägt den Namen "Ein Fisch für zwei".

Dabei handelt es sich um eine Pilot-Produktion?

Nein, das Format ist bereits verkauft. Wir befinden uns bereits im Obligo und müssen liefern. Für die erste Staffel produzieren wir sechs Folgen. Ich treffe mich unter anderem mit Wolfgang Niedecken von BAP, DJ Bobo, Marco Rima und Marcel Reif.

Wann wird "Ein Fisch für zwei" am Fernsehen zu sehen sein?

Voraussichtlich ab Herbst im Abendprogramm. Der Sendeplatz ist noch nicht genau bestimmt. Es gab den Vorschlag, dass die Sendung um Mitternacht laufen solle, was mir eigentlich sehr gefiel. Nun finden die Verantwortlichen in Mainz das Format aber so gut, dass es auf einen besseren Sendeplatz verlegt werden soll.

Wie aktiv sind Sie eigentlich noch als Werber?

Ich will keine grosse Agentur mehr haben. Ich bin sehr glücklich, dass ich nach all den Jahren den Mut gefunden habe, mich zu verkleinern. Ich habe jetzt noch vier Mitarbeiter, welche jeweils für eine Sparte – Werbung, Bücher, Schulungen, Bühne/Event – verantwortlich zeichnen. Diese sagen mir einfach fortlaufend, was ich zu tun habe und welche Termine ich wahrnehmen muss.

Stimmt es, dass Sie Ihr drittes Bühnenprogramm für das Engagement in Arosa zurückgestellt haben?

Ja, leider. Die Geschichte wäre bereits gestanden. Es geht um eine alleinstehende Frau, die von einer Kollegin den Rat erhält, wegen den schönen Männern nach Tansania zu reisen. Durch eine Fehlbuchung landet sie aber in Tasmanien und kommt mit einem Känguruh, mit dem sie ein Verhältnis hat, in die Schweiz zurück. Das Programm trägt den Namen „Klimaterium“, weil es ums Klima und andere Erwärmungen geht. Vielleicht nehme ich die Arbeit daran später wieder auf oder mache ein Büchlein daraus.

Auf was legen Sie beim Humorfestival wert, wie wird man ihren Einfluss spüren?

Ich bin bereits fleissig dabei die Künstler zu buchen. Das Humorfestival soll sich öffnen und populärer werden. Arosa ist ein familienfreundlicher Ort, der nicht unbedingt eine Kulturoase sein soll. Ich verstehe mich als Dienstleister und bin vor allem dem Geschmack des Publikums verpflichtet. Das Programm muss mehrheitsfähig sein. Das heisst aber nicht, dass es keinen Platz für subtileren Humor haben wird. Das Programm soll spektakulär, unterhaltsam und kurzweilig sein und für Gesprächsstoff sorgen.

Werden Sie selber im Spielplan auftauchen?

Nein. Es wäre peinlich, wenn der Veranstalter sich selbst programmieren würde.

(Interview: Stefan Wyss)