«Journalisten sind nicht mehr Personen, die für andere unzugängliche Informationskanäle anzapfen und für die Allgemeinheit zu Nachrichten aufbereiten.» Zu dieser Schlussfolgerung kommt Veit Dengler, CEO der NZZ-Gruppe, auf dem österreichischem Ableger «NZZ.at» nach einer intensiven Abhandlung der gesamten Mediengeschichte, von Schiller über Napoleon hin zu Telegraphen, Radio und Fernsehen.
In einem Essay zur Frage, ob die neuen Medien den Qualitätsjournalismus bedrohen, holt er weit aus, erklärt den Medienwandel von ganz vorne und das Verständnis von Qualitätsjournalismus – und eben die Aufgabe von Journalisten heute: «Sie verfügen im Wesentlichen über dieselben Informationen wie alle, die sich dafür interessieren. Sie können nicht mehr wie bisher einfach dozieren, sondern müssen sich ständig auf die Informationsbeurteilung ihrer Leserschaft einstellen – einer Leserschaft, der in unterschiedlichem Maße auch Spezialisten angehören, die ihr jeweiliges Gebiet profunder verstehen als der Berichterstatter, auf die es also klug ist zu hören.»
Dies schaffe eine völlig andere Situation als bisher. Die Faktoren für Qualitätsjournalismus würden sich verschieben, «nämlich weg von Geschwindigkeit und Universalität hin zu stärkerer Schwerpunktbildung und vertiefter Fachkompetenz», schlussfolgert der CEO. Er schliesst polemisch ab: «Die neuen Medien bedrohen den Qualitätsjournalismus nicht. Sie fordern lediglich eine viel höhere Qualität ein. Das ist unsere Herausforderung.» (sg)