Ignazio Cassis heisst der neue Bundesrat. Die Schweizer können die Wahl in den Medien hautnah verfolgen. Mehrere Fernseh- und Radiokanäle senden live, die Onlineportale füttern ihre Nachrichtenticker und in den sozialen Medien werden unter den Hashtags #brw17 und #Bundesratswahl zahlreiche Beiträge gepostet. Die Bundesratswahl ist ein politisches Medienspektakel.
#Bundesratswahl: Der Bundesrat trifft sich in neuer Zusammensetzung im Salon du Président im Bundeshaus #brw17 (BK) pic.twitter.com/iT3ilhZwZp
— André Simonazzi (@BR_Sprecher) 20. September 2017
Nun ist die Zeit der Spekulation vorbei: Der neue Bundesrat heisst Ignazio Cassis. Das Parlament hat sich mit 125 Stimmen für ihn ausgesprochen. Kurz nach dem Entscheid wurde der neue Bundesrat vereidigt.
Als Tessiner galt Cassis bereits von Beginn an als Favorit. Fast aus dem Nichts tauchte plötzlich der Name des Genfer Staatsrat Pierre Maudet auf. Der 39-Jährige wusste mit den Medien umzugehen. Kurze Zeit später wurden Vergleiche mit dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron laut. «Blick»-Chefredaktor Christian Dorer selbst lobte Maudet in einem Kommentar als «König der Inhalte». Er sei «unideologisch, führungsstark und visionär».
Wenig bis keine Chancen wurden hingegen der Kandidatin Isabelle Moret eingeräumt. Die Waadtländerin tat sich schwer im Umgang mit den Medien und wirkte oftmals überfordert. Den ihr aufgedrückten Stempel der berufstätigen Mutter vermochte sie nicht mehr abzuschütteln. Während die Journalisten ihr Fragen nach der Kinderbetreuung und der Beziehung zu ihrem Partner stellten, interessierte es niemanden, dass auch der «Senkrechtstarter» Maudet drei Kinder daheim hat.
3709-mal Ignazio Cassis
Mit der Wahl von Cassis kommt der Medienhype um die Bundesratswahl zum Höhepunkt. Wie der «Tages-Anzeiger» vorrechnet, wurde Cassis seit dem Rücktritt von Didier Burkhalter Mitte Juni insgesamt 3709-mal in Zeitungs- oder Onlinebeiträgen erwähnt. Nach seiner Wahl am Mittwoch wird diese Zahl wohl nochmals deutlich steigen. Ein wichtiges Thema wird sein, welches Departement Cassis übernimmt. Der Bundesrat wird in den kommenden Tagen darüber entscheiden.
Doch danach gilt es für die Inlandjournalisten vorerst einmal abzuwarten. Abzuwarten bis Cassis sein Amt im November antritt und seine Arbeit macht. Danach kann es wieder losgehen mit Interviews, Analysen und Kommentaren.