Herr Langhoff, das letzte Redesign des "Wall Street Journals" liegt neun Jahre zurück. Warum verpassen Sie dem Blatt nun wieder ein neues Gesicht?
Es ist nicht so, dass wir ausschliesslich am Erscheinungsbild Änderungen vorgenommen haben. Mit der Ernennung von Patience Wheatcroft zum neuen Chefredaktor schlagen wir auch inhaltlich einen neuen Kurs ein. Wir setzen auf neue Kolumnisten, vermehrt auf Interviews und eine frische Leserführung. Es ist uns wichtig, die international interessierten Kaderleute anzusprechen.
Was sagen Sie zur neuen Optik?
Die Zeitung ist farbiger und übersichtlicher.
Wie würden Sie den klassichen "WSJ"-Leser beschreiben?
Unsere Leser sind hauptsächlich Kaderleute, die sich für das internationale Business interessieren. Es sind Entscheidungsträger, die auf zuverlässige Informationen angewiesen sind. 80 Prozent der Leser sind Europäer und wir sind sehr bemüht, diese mit der europäischen Ausgabe gezielt abzuholen.
Die Leserschaft des "WSJ" besteht zu einem grossen Teil aus wohlhabenden und erfolgreichen Geschäftsleuten. Versuchen Sie mit dem neuen Konzept auch jüngere und weniger vermögende Personen zu erreichen?
Wir sind immer daran interessiert junge und aufstrebende Leser zu gewinnen. Die Online-Leserschaft ist im Schnitt zehn Jahre jünger als die Leser der Print-Ausgabe. Mit dem Future Leadership Programm sprechen wir zudem gezielt Studenten an.
Was hat sich verändert, seit die News. Corp Eigentümerin der Zeitung ist?
Das Unternehmen setzt sich dafür ein, dass die Zeitung wächst und im europäischen Markt noch präsenter wird.
Die drei grössten Schweizer Zeitungen haben ebenfalls einen Relaunch hinter sich. Nur das neue Design der Neuen Zürcher Zeitung wurde von Experten als Erfolg gewertet. Weshalb glauben alle Zeitungen, mit Redesigns neue Leser zu gewinnen?
Ich kann nicht stellvertretend für andere Medien sprechen, aber wir beobachten zwei Trends. Die Lese- und Mediengewohnheiten der Konsumenten haben sich stark verändert. Zweitens zeigt das Web täglich eindrücklich auf, wie wichtig es ist, konstant zu experimentieren und Verbesserungen anzustreben. Trotz diese Entwicklung darf man eines nicht vergessen: Sie können sich noch so stark verändern, es nützt nichts, wenn die Qualität des Inhalts nicht stimmt. Letztlich ist die Qualität der vermittelten Informationen dafür verantwortlich, ob ein Leser eine Zeitung liest und dieser treu bleibt.
Sind die vielen Redesigns ein Zeichen der Hilflosigkeit?
Nein, im Gegenteil. Wenn sich ein Redesign auch auf besseren Inhalt und die Entwicklung eines besseren Leseerlebnisses richtet, sind Relaunches Zeichen von Wachstum, Experimentierfreude und Leserengagement. Es ist die richtige Antwort auf eine sich verändernde Medienlandschaft.
Hat ein Premiumprodukt wie das "Wall Street Journal" einen Vorteil in der derzeitigen Medienkrise?
Das Vertrauen, welches in unsere Marke gesetzt wird, verschafft uns gegenüber den meisten anderen Produkten einen Vorteil. Für unsere Stammleserschaft sind wir ein unersetzbarer Teil des täglichen Lesepensums.
Das "WSJ" hat eine sehr klare Online-Strategie. Ein Grossteil des Inhalts ist kostenpflichtig. Bezahlt sich der Mix aus kostenlosem und Paid Content aus?
Wir glauben, dass wir für uns das richtige Modell gewählt haben.
Wie viele Journalisten arbeiten für die Europa-Ausgabe?
Wir beschäftigen mehr als 400 Reporter und Redaktoren, die für alle unsere Produkte arbeiten. Weltweit sind mehr als 1'900 Journalisten für das "WSJ" tätig.
(Interview: Adrian Schräder, Übersetzung: Corinne Bauer)