Beim St. Galler Tagblatt wird fleissig an einer Neukonzeption der Zeitung gearbeitet. Dabei werden offensichtlich auch Überlegungen für eine Sonntagsausgabe angestellt. "Im Moment sind keine Gedanken verboten", sagt Gottlieb F. Höpli, Chefredaktor des St. Galler Tagblatt, gegenüber "persoenlich.com". Diese könnten von einer zusätzlichen Kompaktzeitung bis zu einer siebten Ausgabe am Sonntag reichen.
Beim Thema Sonntagsausgabe meint Höpli ergänzend: "Dieser Gedanke ist mehr als nicht verboten." Er habe schon vor der Lancierung der NZZ am Sonntag vor fünf Jahren mit einer Sonntagsausgabe des St. Galler Tagblatts geliebäugelt und dies in einem Ideenpapier auch formuliert. "Ein St. Galler Tagblatt am Sonntag wäre logisch", so Höpli. Da die Verantwortlichen beim St. Galler Tagblatt offen über eine Sonntagsausgabe nachdenken, stellt sich die Frage, welche Rolle dabei die NZZ am Sonntag spielen wird. Schliesslich gehört das St. Galler Tagblatt zu 70 Prozent der Freie Presse Holding (NZZ).
Felix E. Müller, Chefredaktor der NZZ am Sonntag, bestätigte vor kurzem in Cash daily, dass man sich bei der NZZaS Gedanken über Regionalsplits macht. Mit Blick auf die angekündigte Sonntagsausgabe der Mittelland Zeitung erklärte er, man wolle nicht tatenlos zuschauen, wenn die Regionalzeitungen mit Sonntagsausgaben kommen. "Ja, es gab vor 2-3 Jahren ein Regionalisierungskonzept für die NZZaS", sagt Höpli. Dieses sei aber nicht mehr wirklich aktuell und werde aus der Sicht des St. Galler Tagblatts nicht mehr befürwortet. "Mit den regionalen Sonntagstiteln hat für mich ein neuer Produktezyklus begonnen", begründet Höpli.
Sonntagsmarkt auch bei Luzerner Zeitung ein Thema
Mit der Luzerner Zeitung gehört der FPH/NZZ ein weiterer Regionaltitel, der sich seine Gedanken zum Sonntag macht. "Von Plänen zu sprechen wäre etwas übertrieben, aber selbstverständlich verfolgen wir alle Aspekte unseres Metiers intensiv", meint Erwin Bachmann, CEO und Delegierter des Verwaltungsrates der LZ Medien Holding. Dazu gehöre auch der Sonntagsmarkt. Für diesen gibt es laut Bachmann eine Reihe von Optionen, wie sich ein regionales Medienhaus einbringen kann. Das gehe von einem klassischen Abo-Kombi mit einer Sonntagszeitung bis hin zu einer regionalen Sonntagsplattform per Internet. Zu den möglichen Varianten zählt Bachmann auch eine 7. Ausgabe der Luzerner Zeitung oder eine regionalisierte NZZaS, wie er gegenüber "persoenlich.com" ausführt.
In der Region Bern ist die FPH/NZZ zwar mit einer Beteiligung am Bund präsent, allerdings gehört der Espace-Gruppe ein gleich grosses Stück am Kuchen (je 40 Prozent). Und da die Espace zusammen mit Tamedia (SonntagsZeitung) die Berner Zeitung herausgibt, scheint eine Partnerschaft Bund/NZZaS, die über das jetzige Abo-Kombi hinausgeht, schwer vorstellbar. Beim Bund ist denn auch der Sonntag momentan kein Thema, wie Chefredaktor Artur K. Vogel gegenüber "persoenlich.com" bestätigt.
Erwächst nun der NZZaS aus dem eigenen Haus regionale Konkurrenz am Sonntag oder wäre eine Strategie vorstellbar, bei der unter dem Mantel der NZZaS die Regionaltitel eine Sonntagsausgabe produzieren? "Denkbar ist vieles, zumal im Schweizer Medienmarkt -- vor allem jener der Zeitungen -- einiges im Fluss ist", erklärt Markus Spillmann, Vorsitzender der Geschäftsleitung der NZZ AG, auf Anfrage von "persoenlich.com". Die NZZ-Gruppe beobachte diese Veränderungen sehr aufmerksam und mache sich seine Gedanken, "auch zum Sonntag". Weiter in die Karten schauen lassen will sich Spillmann aber nicht: "Über unsere Strategien geben wir grundsätzlich keine Auskunft."
Hanspeter Spörri wird nicht neuer Chefredaktor beim Tagblatt
Beim St. Galler Tagblatt macht man mit dem neuen Konzept vorwärts. Die letzten Relaunches erfolgten 1998 und 2002. Geht alles nach Plan, wird die Zeitung 2008 erneut in neuem Kleid erscheinen. Zurzeit entwickeln drei Arbeitsgruppen unter der Oberaufsicht von CEO Hans-Peter Klauser und einem für das Projekt gebildeten Lenkungsausschuss unabhängig voneinander Konzepte für den Relaunch.
Die drei Arbeitsgruppen werden von Daniel Erhart, Verlagsleiter St. Galler Tagblatt, René Wuffli, Verlagsleiter Der Rheintaler und Gottlieb F. Höpli geleitet. Letzterer wird übrigens entgegen einer Meldung in der SonntagsZeitung nächstes Jahr nicht in Pension gehen, wie er "persoenlich.com" versichert. Im selben Bericht wird auch proklamiert, dass mit Hanspeter Spörri, ehemaliger Chefredaktor des Berner Bunds, bereits sein Nachfolger im St. Galler Medienhaus gesichtet wurde.
"Hanspeter Spörri steht als Chefredaktor nicht zur Diskussion", stellt der amtierende Chefredaktor klar. Er bestätigt aber, dass Spörri im Zusammenhang mit der Neukonzeption des St. Galler Tagblattes an einem Hearing teilgenommen hat. Man arbeite auch mit anderen externen Personen zusammen, wie beispielsweise Prof. Peter Gross, Soziologe der Universität St. Gallen, der dem Lenkungsausschuss angehöre.
Der Zeitplan sieht vor, dass die drei Arbeitsgruppen ihre Konzepte bis Mitte 2007 dem Lenkungsausschuss vorlegen müssen. Die Ideen werden dann zusammengeführt und für das Jahr 2008 ist die Umsetzung geplant.