Seit Donnerstag ist bekannt: Radio-1-Chef Roger Schawinski wird ab Ende August auch im Schweizer Fernsehen moderieren (persoenlich.com berichtete). Für Radio 1 ist dies offenbar Grund genug, die Rollen zu tauschen. Für einmal stellt in der Talksendung "Doppelpunkt" nicht Roger Schawinski die Fragen, sondern Reto Brennwald. Der ehemalige Arena-Moderator gibt sich dabei hartnäckig und lässt sich nicht auf Ablenkungsmanöver von Medienprofi Schawinski ein.
Nicht sachlich, sondern emotional
Im Zentrum der Sendung steht die neue Polittalk-Sendung beim Schweizer Fernsehen. Brennwald bezeichnet die frühere Sendung auf Tele24, bei der Bundesrat Maurer plötzlich mitten im Gespräch das Studio verlässt, als exemplarisches Beispiel für Schawinskis Moderationsstil. "Rezept Schawinski" sei, dass die Talks nicht auf sachlicher, sondern auf der psychologisch-emotionalen Ebene verlaufen würden. Gespickt mit zahlreichen, regelmässigen Seitenhieben. Für solche auf die Person fokussierende Gespräche sei keine lange Recherche nötig. "Mit nur einer 50-Prozent-Produzentin und bei all dem, was du sonst noch am Hut hast: Das kann keine ernsthafte Politsendung sein!, provoziert Brennwald.
Neue Sendung mit anderer Tonalität
Schawinski entgegnet, indem er seine Moderationsstrategie erklärt: Mit der "antithetischen Haltung" komme er viel weiter, als wenn er bei 20 Fragen eine um die andere abspule. Er sagt, seine Talksendung werde sich in der Tonalität von anderen SF-Sendungen ("Club" und "Aeschbacher") unterscheiden.
Kritik der NZZ ist Unsinn
Ausserdem konfrontiert Brennwald seinen Gesprächspartner mit kritischen Aspekten aus dem "NZZ"-Kommentar von Rainer Stadler (persoenlich.com berichtete). Schawinski bezeichnet dies als "Unsinn". Er spricht von einem Journalisten "mit einem echten Problem", der offensichtlich gemerkt habe, dass sich sein Genre, die Medienkritik in der Zeitung, auf einem absteigenden Ast befinde. Angesprochen auf seine politische Haltung, will sich Schawinksi nicht festlegen. Er sei unabhängig, er gehöre zu keiner Partei. Er sei ein Kritiker und fände es ganz schlimm, wenn man Kritiker mundtot machen wolle.
Ehrgeiz erst an der HSG entwickelt
Zuvor, im ersten Teil des Interviews, erfährt der Hörer, dass Schawinski in seiner frühen Jugend noch keineswegs so ehrgeizig war, wie er es heute ist. Schawinski flog nämlich aus dem Gymnasium und geriet auch später in der Handelsschule in Schwierigkeiten, da er zwischenzeitlich nur "provi" war. Erst später sei der Ehrgeiz erwacht, sagt Schawinski. Die HSG (Brennwald: "die härteste Schule der Schweiz") habe er mit einem sehr guten Abschluss abgeschlossen. Ausserdem erfährt man, dass Schawinski eine "wichtige, aber schwierige" Militärzeit als Panzersoldat in Thun und Bière hatte, und dass er bereits 1970 mit 25 Jahren zum ersten Mal verheiratet war, mit einer puerto-ricanischen Studentin, von der er sich aber nach 7 Jahren in einer "wunderschönen Scheidung" trennte.
Die "Doppelpunkt" wurde am Sonntag ausgestrahlt. Zu hören ist die Sendung auch als Podcast.