Herr Hümmerich, wie sehr liegt bei der NZZ-Gruppe wegen der Lancierung der Sonntagsausgabe der NLZ der Haussegen schief?
Einige Redaktoren bei der NZZaS sind nicht davon begeistert, dass innerhalb der Gruppe eine gewisse Konkurrenzsituation entsteht. Das ist begreiflich. Es ist aber nicht so, dass alles drunter und drüber geht.
Konnten oder wollten Sie diesen Expansionsschritt nicht verhindern?
Die Sonntagsausgabe der NLZ wurde von den Verantwortlichen in Luzern initiiert und auf der Gruppenebene aufgenommen. Es wurde überprüft, ob dieser Schritt zur Strategie der gesamten Gruppe passt und entsprechende Korrekturen vorgenommen. Die Gruppenleitung und der Verwaltungsrat haben schlussendlich die 7. Ausgabe der NLZ abgesegnet.
Wieviel Autonomie gewährt das NZZ-Mutterhaus seinen einzelnen Titeln in den Regionen?
Autonom können die regionalen Medienhäuser nicht agieren. Selbstverständlich führen sie aber das Geschäft vor Ort und bekommen nicht jedes Detail von der Gruppe vorgeschrieben. Geht es um massgebliche Entscheide, werden diese schlussendlich auf Gruppenebene getroffen.
Warum ist dann die Regionalisierung der NZZaS nicht zustande gekommen? In der "SonntagsZeitung" war zu lesen, dass die "Regionalfürsten" in Luzern und St. Gallen ihr Veto eingelegt hätten.
Das stimmt so nicht. Wir haben ganz einfach gesehen, dass sich eine Regionalisierung der NZZaS nicht rechnet. Der Marktauftritt der NZZaS würde sich zerstreuen und damit die Zielgruppen verwässern. Dies kann man den Inserenten nicht verkaufen.
Bei der NZZaS regt sich aber trotzdem Widerstand gegen die Sonntagspläne der NLZ.
Ich habe die Grundlagen der Redaktion der NZZaS dargelegt und die entsprechenden Zahlen präsentiert. Es gibt natürlich auch Stimmen, die dafür plädieren, dass man grundsätzlich alle Aktivitäten verbieten sollte, die eine Konkurrenzsituation zwischen den einzelnen Titeln der Gruppe herbeiführen. Für die NZZaS wird es in der Zentralschweiz durch die Lancierung der 7. Ausgabe der NLZ sicher nicht einfacher. Aber man kann nicht alles verbieten, nur weil es einem anderen Titel in der Gruppe ins Gehege kommt.
Was spricht dagegen, dass die Sonntagsausgabe der NLZ Inhalte der NZZaS übernehmen würde?
Diese Möglichkeit ist immer noch denkbar. Da wir aber im Raum Luzern mit der Sonntagsausgabe der NLZ und der NZZaS am Markt sein wollen, wäre das für den Leser nicht optimal, wenn in beiden Zeitungen die gleichen Artikel zu finden sind.
Sie haben gegenüber der "SonntagsZeitung" erklärt, dass eine eigenständige Sonntagsausgabe der NLZ Sinn macht. Wäre das auch bei einer Kooperation der NLZ mit "Sonntag" von den AZ Medien so?
Es kommt immer darauf an, wie eine solche Zusammenarbeit aussehen würde. Geht es um den Austausch von Artikeln, kann ich mir das vorstellen. Ein Mantelgebilde kommt aber nicht in Frage. Dass will die NLZ aber auch nicht. In Luzern ist man vom Konzept überzeugt, dass man mit der Sonntagsausgabe eine publizistische Durchgängigkeit über sieben Tage erreichen will.
Wie sieht es mit einem Inseratekombi mit "Sonntag" aus?
Das wäre etwas, was noch auszudiskutieren wäre.
Warum gelingt es der NZZ-Gruppe nicht, eine einheitliche, titelübergreifende Strategie im Sonntagsmarkt zu finden?
Die Ausgangslage für den Start einer Sonntagszeitung ist nicht in allen Regionen die gleiche. In St. Gallen ist die Situation mit den Partnerverlagen, der Auflagegrösse und dem Verträgernetz weit weniger ideal als in Luzern. Die NZZ-Gruppe funktioniert aber auch nicht so zentral wie beispielsweise eine Tamedia. Die regionalen Zeitungshäuser geniessen mehr Freiraum. Trotzdem sind wir eine Gruppe und entwickeln auch auf dieser Ebene Projekte.
Ist ein solches Projekt die Lancierung einer Gratiszeitung?
Gratiszeitungen liegen im Moment im Trend, das Wachstumspotential war aber auch schon grösser. Im Prinzip geht es darum, dem Leser ein optimales Angebot machen zu können. Dazu kann unter Umständen eine Gratiszeitung gehören, das will ich nicht ausschliessen.
(Interview: Stefan Wyss)