Von Mitte August bis Mitte Oktober moderieren Sie auf Sat. 1 Schweiz die Sendung "Filippos Politarena". Wie kam es zu diesem Projekt und Ihrem Engagement?
Häufig hört man den Vorwurf, dass die privaten TV-Sender Werbegelder einkassieren und publizistisch nichts dafür leisten. Das war der Ausgangspunkt für SAT.1 im publizistischen Bereich etwas neues auf die Beine zu stellen. Wann ist der Zeitpunkt besser, als vor den Wahlen, wenn viele Personen ihre Botschaft einbringen möchten? Für SAT.1 stand fest, dass sie eine Polittalk-Show mit mir durchführen wollen, weil ich viel Erfahrung in diesem Bereich habe.
Vermissten Sie die journalistische Tätigkeit, seit Sie beim SF ausgestiegen sind?
Nein, überhaupt nicht. Ich bin ja im Alltag Journalist und Verleger und mache ja immer noch sehr viele Moderationen. Ob es dort eine Kamera dabei hat oder ob 100 Leute zusehen, spielt für mich keine entscheidende Rolle.
Sie sind FDP-Nationalrat und kandidieren aktuell für die Wiederwahl. Die Ankündigung von "Filippos Arena" hat deshalb einige Kritiker auf den Plan gerufen.
Ich bin in der speziellen Position, dass ich als Polit-Moderator einerseits einen Beruf habe, der sich mit dem Thema Politik befasst und andererseits Politiker. Da ist es völlig klar, dass ich den publizistischen Auftrag von meinem politischen Auftrag trenne.
Kann man das überhaupt?
Natürlich, das habe ich bereits früher gemacht. Als ich die Arena moderierte, werweissten alle politischen Parteien, wo ich politisch stehen würde, weil mir während der Sendung nichts anzumerken war. Weiter ist es auch als Nationalrat nicht meine erste Moderation. Ich habe in dieser Funktion auch schon eine Elefantenrunde auf 3+ moderiert. Mich interessiert nämlich das beste Argument aller Teilnehmer. Viele Journalisten bevorzugen ihre Partei einfach dadurch, indem sie nur die schlechteren Argumente des ungeliebten Teilnehmers berücksichtigen.
Sich selber können Sie als Nationalrat in "Filippos Arena" nicht begrüssen. Geht Ihnen also vielleicht sogar ein Auftritt verloren, der Ihnen für Ihre Politkarriere genützt hätte?
Mit dem musste ich rechnen. Ich habe noch genug Gelegenheit für Auftrittte als Politiker.
Was wollen Sie mit "Filippos Arena" erreichen?
Ich will von den Politikerinnen und Politikern, die in den nächsten Jahren die Federführung unseres Landes innehaben werden, wissen, was Sie zu sagen haben und vor allem, was sie wirklich denken. Hier hab ich gegenüber anderen Journalisten einen kleinen Wissensvorteil, den ich in meiner nun achtjährigen Tätigkeit im Parlament erworben habe.
Könnte es sein, das deshalb vielleicht gewisse Politiker auch etwas Angst haben, sich in "Filippos Arena" zu begeben?
Das kann schon sein, ist aber nicht gerechtfertigt, denn eine solche Sendung muss zwar die Teilnehmer herausfordern ohne sie bloss zu stellen und fair bleiben. Es ist aber sicher kein Spaziergang, eine solche Sendung. Auch für mich nicht. Wir wollen ja dem Publikum etwas bieten und auch einen Blick hinter die Politikkulissen gewähren.
Sie konkurrenzieren die Arena des Schweizer Fernsehens. Wie wird sich ihre Arena von der Original-Arena unterscheiden?
Es ist ein zusätzliches Angebot fürs Publikum sich bei den bevorstehenden Wahlen kundig zu machen. SF lädt nebst den Akteuren auch viele Experten ein. Bei mir hatten Experten nur selten einen prominenten Platz , ausser bei Abstimmungssendungen, denn jeder Experte hat auch eine Meinung. In "Filippos Arena" stehen die Politakteure im Vordergrund.
Gewisse Parteien und Exponenten überlegen sich, ob Sie die Sendung boykottieren sollen, weil sie an ihrer Unbefangenheit als Moderator zweifeln.
Das muss jeder für sich selbst entscheiden. Es gab auch bei der SF-Arena immer wieder Absagen. Ich diskutiere mit allen und mit grosser Freude. Das wissen auch die meisten und ich bin überzeugt, dass wir genug interessante Gäste finden, die eine für das Publikum bereichernde Diskussion führen werden. Die Reaktionen vom Umfeld sind im Übrigen vorwiegend positiv. Ich habe bereits viele Gratulations-SMS erhalten, auch von linken Politikern. Zum Beispiel dieses: "Gratuliere zur erfrischenden Idee. Freu mich auf das Comeback des besten Arena-Moderators. Lass Dich von Neidern nicht beeindrucken".
Bester Arena-Moderator ist ein grosses Kompliment. Was sind denn ihre Qualitäten als Moderator?
Ich bin ein politisch-denkender Mensch, deshalb interessiert mich mein Gegenüber. Und ich habe keine Angst, Fragen zu stellen, ich bin relativ angstfrei. Gleichzeitig bin ich ein fröhlicher Mensch. Das ist wichtig, denn Politik macht Spass und man darf auch lachen dabei.
Sie wollen mit der "Filippos Arena" den publizistischen Wettbewerb bereichern. Können Sie dies etwas ausführen?
Die Politiker, die national operieren, sind entweder auf regionale Plattformen oder auf die Arena angewiesen. Für ein funktionierendes Mediensystem ist Wettbewerb wünschenswert, vor allem für die Meinungsvielfalt.
Das Bakom hat wegen Verdachts auf politische Werbung eine Untersuchung eingeleitet. Was kehren Sie nun vor?
Ich bin da gelassen, und ich kann mir auch nicht vorstellen, dass der Staat mit einer solchen Begründung eine Sendung verbieten könnte. Das wäre ja schon fast eine staatliche Zensur. Aber soweit sind wir ja nicht.
Beantworteten Sie die vorgehenden Interviewfragen als Politiker oder als künftiger Moderator von "Filippos Arena"?
Als Journalist, Moderator und Verleger.
Interview: Corinne Bauer.