"Eine zweite Konzession liegt absolut drin"

Scaglione - Music First-Chef im Interview.

Welche Radiostationen machen das Rennen um die drei Konzessionen im Sendegebiet Zürich-Glarus? "personenlich.com" schliesst die Interview-Reihe über die fünf Bewerber mit Music-First-Chef Giuseppe Scaglione ab, der sich sowohl um die Konzession für das Sendegebiet Zürich-Glarus als auch für das Versorgungsgebiet Zürich bewirbt.

Herr Scaglione, die Vernehmlassung zu den UKW-Radio-Konzessionsgesuchen ist abgeschlossen. Wo steht Ihr Sender heute im Rennen um die begehrten Konzessionen?

Wir stehen sehr gut da, vor allem wenn ich unsere beiden Gesuche mit den Gesuchen der Mitbewerber -- insbesondere mit jenem von Roger Schawinski -- vergleiche. Bisher wurden in den Medien weder die Qualität der Gesuche noch die geplanten Programmmassnahmen oder die Musikprofile der Sender thematisiert. Gerade diese Punkte werden aber bei der Beurteilung durch das Bakom grosses Gewicht bekommen. Meinungs- und Angebotsvielfalt entsteht nicht nur mit Nachrichtensendungen (wo ohnehin jeder über den gleichen Velounfall in Schlieren berichtet). Das deutlichste Unterscheidungsmerkmal eines Senders ist und bleibt die Musik. Und gerade hier haben wir mit RMC Züri und 105züri ein unschlagbares Konzept. Stilrichtungen wie Nu-Jazz, Lounge, Chill Out oder World Music spielt jedenfalls keiner unserer Mitbewerber.

Als wie gross erachten Sie heute Ihre Chancen, dass der Bundesrat Ihrem Sender -- neben der bereits bestehenden Konzession für das Jugendradio – eine weitere Konzession erteilt?

Das Gesetz erlaubt den Besitz von zwei Konzessionen (auch wenn diese für ein gleiches oder ähnliches Gebiet bestimmt sind). Die Jugendradio-Konzession hat mit der aktuellen Ausschreibung rein gar nichts zu tun. Das Bakom wird die zwei Dinge zu trennen wissen. Eine zweite Konzession liegt absolut drin. Wir haben zwei starke Gesuche eingereicht, die in beiden Fällen sämtliche im Gesetz und in der Ausschreibung verlangten Kriterien erfüllen. Eines dieser beiden Gesuche dürfte konzessioniert werden. Am spannendsten wäre sicherlich die Kombination "Music First" und "RMC Züri", sozusagen "Jugendradio" und "Radio für Erwachsene". Das wäre ein echter Beitrag zur Meinungsvielfalt in Zürich -- und eine Garantie, dass sich diese beiden Programme auch im Laufe der Jahre nicht aneinander angleichen werden.

Ihr Radioprojekt wird in den Stellungnahmen der Behörden kaum erwähnt. Fühlen Sie sich da nicht zu wenig ernst genommen?

Das Vorgehen der Zürcher Kantonsregierung erstaunt: Wir hatten um einen Besprechungstermin angefragt, um unser Projekt persönlich vorstellen zu können. Uns wurde mitgeteilt, dass man "aus Gleichbehandlungsgründen" die Bewerber nicht persönlich anhören wird. Nun stellt sich im Nachhinein heraus, dass z.B. Roger Schawinski sehr wohl die Möglichkeit hatte, persönlich vorzusprechen. Diese Ungleichbehandlung von Bewerbern ist nicht nachvollziehbar. Es entsteht der Eindruck, dass es den Behörden gar nicht darum ging, sich ein objektives Bild zu machen. Wenn ich die Stellungnahme lese, frage ich mich, ob man sich wirklich die Mühe gemacht hat, die mit viel Aufwand erstellten Konzessionsgesuche zu lesen.

Stadt und Kanton Zürich haben Radio 1 gegenüber Ihrem Sender vorgezogen. Was haben Sie falsch gemacht?

Wenn man im Gegensatz zu anderen Bewerbern nicht einmal die Chance bekommt, sein Projekt persönlich zu erläutern, hat man einen schwierigen Stand. Kommt dazu, dass Roger Schawinski einen derart grossen Wirbel veranstaltet hat, dass man sich in der Regierung wohl davon hat beeindrucken lassen und der Entscheid weniger von sachlichen als von emotionalen Kriterien abhing. So gesehen haben wir nichts falsch gemacht. Dass die Regierung nun ausgerechnet in Roger Schawinski den Garanten für mehr Medienvielfalt sieht, könnte grotesker nicht sein. Herr Schawinski hat wohl in Zürich den grössten Beitrag dazu geleistet, dass die Tamedia heute im elektronischen Bereich so marktmächtig ist. Hätte er im 2001 Radio 24 und TeleZüri nicht verkauft, wäre die Tamedia kaum in den Besitz des stärksten Radios und des stärksten Lokalfernsehens der Schweiz gekommen.

Welchen Stellenwert messen Sie den Stellungnahmen der staatlichen Instanzen bei?

Man sollte die Stellungnahmen der Zürcher Behörden nicht zu wichtig nehmen. Der Entscheid liegt ganz allein beim Bakom bzw. Uvek. Ich bin sicher, dass man dort gegenüber Medienlärm und Lobbying einiges resistenter ist und die Entscheide anhand sachlicher Kriterien und anhand der eingereichten Gesuche fällen wird. Ich erlaube mir hier zu diesem Thema ein Zitat von Roger Schawinski anzuführen. Als er von der Aargauer Regierung nicht berücksichtigt wurde, sagte er zu "persoenlich.com": "Ich hoffe, dass das Bakom diese politisch gefärbten Stellungnahmen nicht überbewertet. Es wurde ein professioneller, ausgeklügelter und objektiv auswertbarer Entscheidungskatalog ausgearbeitet. Das ist sinnvoll."

Sie werden Roger Schawinski den Daumen drücken müssen. Erhält er die Konzession für das Sendegebiet Zürich-Glarus, steht Ihnen der Weg offen für das Sendegebiet Zürich. Richtig?

Wir sind ja mit zwei Gesuchen im Rennen: Mit 105züri für das grosse Gebiet Zürich-Glarus und mit RMC Züri für das kleinere Gebiet Zürich. Die Chancen stehen in beiden Gebieten gut. Es ist aber tatsächlich so, dass wir im Falle einer Konzessionserteilung im grossen Gebiet an Radio 1 mit RMC Züri im kleineren Gebiet zum Zug kommen dürften. So gesehen drücken wir Herrn Schawinski die Daumen, dass es für ihn im grossen Gebiet klappt.

Was tun Sie, wenn der Bundesrat Ihnen die Konzession nicht erteilen wird? Werden Sie den Entscheid anfechten?

Ich bin dafür bekannt, dass ich nie aufgebe. Momentan glaube ich aber an einen positiven Entscheid, zumindest für eines unserer Gesuche. Ob wir -- falls beide Entscheide negativ ausfallen sollten -- eine Einsprache machen, weiss ich noch nicht.

(Interview: David Vonplon)