Die SRG schaltet am 24. Juli im Tessin als erster Region die analoge terrestrische Verbreitung ihrer TV-Programme ab. Der Wechsel zur digitalen Technik sollte ohne nennenswerte Probleme verlaufen. Einige Tessiner Lokalpolitiker sind trotzdem besorgt. Je näher der 24. Juli rücke, desto mehr merke man, dass die Umstellung nicht nur Rosen, sondern auch zahlreiche Dornen bringe, schreibt Grossrat Lorenzo Quadri (Lega) in einer kleinen parlamentarischen Anfrage an die die Tessiner Regierung.
Es gebe einige Randgebiete, in denen man das neue Signal nicht empfangen könne. Überdies behauptet Quadri, dass die Anschaffung eines Digitalempfängers teurer sei als der von der TSI geltend gemachte Mindestbetrag von 150 Franken. Betroffen seien vorab ältere Menschen, die seit Jahren mit einer Hausantenne TV gucken. Da diese Personen technisch oft nicht sehr bewandert seien, werden sie sich bei der Umstellung von Fachleuten beraten lassen müssen. Dies gehe ins Geld, schreibt Quadri in dem Vorstoss, den auch Deputierte der FDP und SVP unterzeichnet haben.
SRG soll bezahlen
Die Grossräte fordern die Tessiner Regierung auf, bei der TSI zu intervenieren, damit der TV-Empfang überall garantiert bleibt. Ausserdem wird die Frage aufgeworfen, ob man die SRG nicht dazu anhalten könnte, den Konsumenten einen Teil der Kosten für die Anschaffung des Digitalempfängers zu erstatten. TSI-Sprecher Paolo Rimoldi macht keinen Hehl aus seiner Verärgerung über diesen parlamentarischen Vorstoss, der wider besseres Wissen verfasst worden sei. Er erinnert daran, dass der Bundesrat die Einführung der digitalen terrestrischen Verbreitung (DVB-T) beschlossen habe und dass diese die ganze Schweiz betreffe.
Rege Benützung der Helpline
"Als ich hörte, dass die analoge Übertragung eingestellt wird, dachte ich: Das gibt eine Tragödie", sagt Rimoldi. Aber angesichts der in den letzten Monaten geleisteten Arbeit sei er nun beruhigt: "Wir haben alles Mögliche unternommen, um den Übergang problemlos zu gestalten. Das neue Signal ist im ganzen Kanton empfangbar." In einer Gemeinde, räumt Rimoldi ein, gebe es derzeit noch technische Probleme. Bis diese behoben sind, bleibt dort das alte Signal in Kraft.
Zudem hat die TSI eine Helpline eingerichtet. Vergangene Woche sind dort 325 Anrufe eingegangen. Den Vorwurf, die Kosten für die Umstellung seien zu hoch, kontert Rimoldi: Die Migros habe in einem Zeitungsinserat Decoder für 88 Franken angeboten. Rund 25 000 TV-Apparte funktionieren im Tessin via Antenne. Dass einige davon ab Montag schwarz bleiben werden, schliesst Rimoldi nicht aus: "Aber das ist dann wirklich nicht unsere Schuld."
Bis 2009 soll die ganze Schweiz erschlossen sein