Die Verleihung der renommierten deutschen Henri-Nannen-Journalistenpreise am Freitagabend in Hamburg ist mit Misstönen über die Bühne gegangen. Für Unmut sorgte die Auszeichnung von Mitarbeitern des Boulevard-Blatts "Bild". Hans Leyendecker, Klaus Ott und Nicolas Richter von der "Süddeutschen Zeitung" (SZ) lehnten die Auszeichnung bei der Verleihung am Freitagabend im Deutschen Schauspielhaus in Hamburg ab. Sie wollten nicht gleichzeitig mit Autoren der "Bild"-Zeitung in der Kategorie "Beste investigative Leistung" geehrt werden.
Die Jury hatte sich für zwei Preisträger entschieden, nachdem sich die Juroren in drei Abstimmungen nicht für nur einen Preisträger einigen konnten. Nach den Worten des Jury-Mitglieds Helmut Markwort ("Focus") hat noch keine Sitzung des Gremiums so lange gedauert. Die Nominierung des Massenblatts "Bild" war schon im Vorfeld umstritten. Erfolgreich war der Beitrag "Wirbel um Privatkredit - Hat Wulff das Parlament getäuscht?" in der Affäre um den früheren Bundespräsidenten Christian Wulff, der letztendlich zurücktrat.
Das Stück haben die "Bild"-Autoren Martin Heidemanns und Nikolaus Harbusch recherchiert. "Genugtuung spielt keine Rolle", sagte Harbusch bei der Ehrung. Nach den beiden kamen die "SZ"-Journalisten auf die Bühne, die 2011 die "Formel-1-Affäre" bei der BayernLB aufgedeckt hatten. Die Jury-Entscheidung für die "Bild" sei völlig in Ordnung, sagte Leyendecker. Aber er und seine Kollegen wollten nicht am selben Tag mit der "Bild" geehrt werden.
Preis aberkannt
Bereits im Vorjahr kam es zu einem Eklat. Der vergebene Reportage-Preis wurde nach Kritik nachträglich einem "Spiegel"-Redaktor wieder aberkannt. Als Grund hatte die Jury mangelnde Sorgfalt angeführt, da der Journalist René Pfister manche Informatioen nur aus zweiter Hand hatte, dies aber nicht so auswies.
Dieses Mal war in der Kategorie Reportage Stefan Willeke von der Wochenzeitung "Die Zeit" erfolgreich. Andere Preise gingen an "Der Spiegel", die "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung", die Website "stern.de" und an den britischen Journalisten Nick Davies ("The Guardian").
Er erhielt den Preis für seinen Einsatz für die Pressefreiheit. Davies deckte auf, dass Reporter der britischen Boulevardzeitung "News of the World" des Medienunternehmers Rupert Murdoch illegale Abhör- und Bestechungsmethoden nutzten, um an Informationen von Prominenten, Politikern und Privatpersonen zu kommen. (sda)