Herr Kappeler, Sie arbeiteten lange Zeit bei Energy Zürich ehemals Radio Z. Wie emotional haben Sie auf den Entscheid der Uvek heute reagiert?
Ich bin natürlich sehr bestürzt. Ich war 20 Jahre Geschäftsleiter und Verwaltungsratspräsident von Radio Z resp. Energy Zürich. Der Sender war sehr erfolgreich und bei 220000 jungen Hörern etabliert und einzigartig positioniert. Dass der Betrieb nun eingestellt werden soll, schmerzt mich ausserordentlich.
Haben Sie mit diesem Entscheid nicht gerechnet?
Ich war als Vertreter eines Vermarktungsunternehmens nicht in Entscheidungsprozesse involviert. Insofern konnte ich alles nur am Rand mitverfolgen. Ich persönlich bin davon ausgegangen, dass die drei etablierten Sender eine Konzession erhalten, da alle eine gute Arbeit machten.
Wie kommentieren Sie die Nicht-Berücksichtigung?
Es liegt nicht an mir, diesen Entscheid zu kommentieren. Ich bin natürlich sehr enttäuscht. Über Details die zum Konzessionsentzug geführt haben, wurde ich bis jetzt nicht informiert. Einzig erfuhr ich, dass offenbar die Marktstellung von Ringier Mitgrund war, Energy Zürich die Konzession zu entziehen. Ich bin der Meinung, dass gerade bei diesen Entscheidungen solche Gründe keine Bedeutung haben sollten. Es ist gesetzlich geregelt, dass ein Medienunternehmen zwei Radios besitzen darf.
Was bedeutet der Konzessionsentzug konkret für Goldbach Media? Das Unternehmen vermarktet Energy Zürich exklusiv.
Wir haben die exklusive nationale Vermarktung von Energy Zürich, lokal vermarktet sich das Radio selbst. Wir werden Energy Zürich in den nächsten Monaten weiterhin aktiv betreuen. Ich gehe davon aus, dass noch nicht das letzte Wort gesprochen ist.
Gehen wir vom Worst Cast Szenario aus. Was würde das bedeuten?
Wir könnten natürlich Energy Zürich nicht mehr vermarkten. Es wird ein neues Angebot geben, das wir der Werbewirtschaft genauso professionell anbieten würden. Aus Investitionssicht in den Radiomarkt wird sich kaum etwas ändern.
Enegry Zürich will Rekurs einlegen. Wird der Sender damit erfolgreich sein?
Es liegt nicht an mir, dies als Vermarkter zu kommentieren, zumal ich auch nicht in diesem Prozess involviert bin.
Was bedeutet dieser Uvek-Entscheid für die Medienlandschaft Schweiz?
Die Medienlandschaft hat sich nur insofern verändert, als dass neue Eigentümer Sender betreiben dürfen resp. bestehende Programme in grösseren Gebieten austrahlen werden. Ich fände es besser, wenn der Bundesrat DRS 3 eingestellt hätte und somit allen Privatradios die Frequenzen gegeben und so den Wettbewerb gefördert hätte. Es verträgt in den Zentren durchaus mehr Radiostationen, was wir im nahen Ausland beobachten können. Den Schweizer Privatradios fehlen die Frequenzen, weil 80 Prozent die SRG beansprucht. Es wäre sinnvoller, hier den Hebel anzusetzen und die Vielfalt zu fördern.
(Interview: Christian Lüscher)