Ein chinesischer Enthüllungsjournalist ist mit zehn Messerstichen getötet worden. Der 30-jährige Li Xiang hatte über einen Lebensmittelskandal um illegal wiederverwertetes Speiseöl berichtet. Wie die Polizei nach Angaben der Nachrichtenagentur Xinhua am Mittwoch mitteilte, wurde der Fernsehreporter in der Nacht zum Sonntag in Luoyang in der Provinz Henan umgebracht.
Nach Aussagen von Augenzeugen habe er gerade seinen Wagen geparkt, als ihn ein unbekannter Angreifer nahe des Eingangs zu seiner Wohnanlage niedergestochen habe. Sein Laptop sei gestohlen worden. Chinesische Blogger sahen einen Zusammenhang mit seinen Recherchen und Veröffentlichungen über den Skandal um das "Gossen-Öl". Tonnenweise hatten Banden altes Speiseöl in Restaurants eingesammelt, wieder aufbereitet und weiterverkauft. Bisher waren 32 Verdächtige festgenommen worden.
Die Organisation "Reporter ohne Grenzen", die sich weltweit für den Schutz von Journalisten und Pressefreiheit einsetzt, forderte umfassende Ermittlungen der chinesischen Behörden. Diese müssten ernsthaft die Möglichkeit in Betracht ziehen, dass Li Xiang vielleicht wegen seiner Arbeit als Journalist umgebracht worden sei. Laut Medienberichten zeigte sich die Polizei anfangs verwundert, dass der Reporter mit so vielen Messerstichen umgebracht worden war, was für einen Raubüberfall eher untypisch ist.
Sein Vorgesetzter beim Fernsehen, You Kai, sah laut Tageszeitung "China Daily" aber kein mögliches Motiv in Li Xiangs Arbeit. Der Journalist sei vor zwei Monaten von landwirtschaftlichen Themen zu Justiznachrichten gewechselt, habe aber selten investigative Arbeit verfolgt. Seine Berichte hätten sich meist auf Quellen in den Justizbehörden und der Staatsanwaltschaft gestützt. Li Xiang hatte den Abend mit Freunden in einer Karaoke-Bar verbracht. Ein Wachmann am Tor habe den Ruf "Räuber" gehört, sei herbeigeeilt, aber habe das Opfer nur noch auf der Strasse liegend gefunden, berichtete "China Daily". (sda)