Entlassener RSR-Informatiker beendet Hungerstreik

Kinderporno-Affäre - Erleichterung beim Westschweizer Radio.

Der vom Westschweizer Radio im Zusammenhang mit einem Fall von pädophilen Bildern entlassene Informatiker hat seinen Hungerstreik beendet. Dies erklärte der Informatiker am Mittwoch auf Anfrage der Nachrichtenagentur SDA. Noch vor wenigen Tagen hatte er damit gedroht, sich zu Tode zu hungern, wenn das Radio die Entlassung nicht rückgängig mache. Der Rat seines neuen Rechtsvertreters habe ihn zum Entscheid bewogen, sagte der Mann weiter. Sein Anwalt sei der erste gewesen, der ihm geraten habe, sich juristisch gegen die Entlassung zu wehren. Dies wolle er nun auch tun.

Das Westschweizer Radio ist froh über diesen Entscheid. Dies werde zu einem "besseren Betriebsklima beitragen", teilte die RSR-Direktion in einem Communiqué mit. Mit Befriedigung nehme man zur Kenntnis, dass der Informatiker seine Forderungen nun juristisch weiterverfolgen wolle. Das Westschweizer Radio hat wegen der Entlassung des früheren System-Administrators schwierige Monate hinter sich. Nachdem der Mann im Frühjahr bekannt machte, dass ein RSR-Kadermitglied pädophile Fotos vom Internet heruntergeladen hatte und er als Überbringer der Botschaft entlassen werde, hatten viele Mitarbeiter die Direktion scharf kritisiert.

Sie unterstützten den Informatiker bei seiner Forderung nach Wiedereinstellung. Damit drangen sie nicht durch. Der Informatiker hatte bereits im Herbst 2007 im Rahmen eines Arbeitskonflikts seine Schweigepflicht als System-Administrator gebrochen. Er hatte einem Arbeitskollegen erzählt, dass sein direkter Vorgesetzter den Fall von pädophilen Fotos eines anderen Kadermitglieds decke. Der Informatiker hatte die Bilder im Jahr 2005 entdeckt und sie der Direktion über seinen Vorgesetzten zur Kenntnis gebracht.

In der Zwischenzeit hat der Verwaltungsrat des Radios auch den fehlbaren Kadermann entlassen. Gleichzeitig rügte sie das Krisen-Management von RSR-Direktor Gérard Tschopp und forderte Reformen auf Direktionsstufe. (sda)