Die Konkurrenten der Verlagshäuser Tamedia und Espace Media Group sind sich einig, dass mit dem Zusammenschluss die Schweizer Medienlandschaft stark beeinflussen wird. Es sei erwartet worden, dass die Besitzerfamilien der Espace Media Groupe eine Nachfolgeregelung treffen würden, sagte der Churer Verleger und Präsident der Schweizer Zeitungsverleger, Hanspeter Lebrument. Der Zusammenschluss sei naheliegend, zumal die Tamedia schon an der Berner Zeitung beteiligt gewesen sei.
Weil der Ringier-Verlag einen Teil des Umsatzes im Ausland mache, sei die Tamedia nun Leaderin in der Schweiz. Lebrument erwartet Auswirkungen auf die Medienlandschaft, in welcher Form sei noch nicht in allen Teilen genau vorhersehbar. Sicher sei, dass Tamedia an Einfluss gewinne. Gegenüber dem Ausland haben die Verleger in Zürich und Bern nach Ansicht Lebruments ein Zeichen gesetzt. Nach der Übernahme der Jean-Frey-Verlag AG durch die deutsche Axel Springer AG sei signalisiert worden, dass sich die Medien in der Schweiz nicht trachenweise aufkaufen liessen.
Achse von ungeheurer Kraft
Für Matthias Hagemann, Verwaltungsratspräsident der Basler Zeitung Medien, ist der Zusammenschluss von Tamedia und Espace Media Groupe ein "Erdbeben der Stärke 12". In der Schweizer Regionalzeitungslandschaft entstehe damit eine "Achse von ungeheurer Kraft", sagte Hagemann gegenüber der SDA. Mit dem Deal ist aus Sicht des Verlegers der Basler Zeitung (BaZ) auch der Kampf zwischen dem Tages-Anzeiger und der Neuen Zürcher Zeitung um die Vormachtsstellung im Regionalzeitungsmarkt entschieden. Gleichzeitig sei der Zusammenschluss ein weiterer, grosser Schritt zu einem Zürcher Medienmonopol.
Die Unabhängigkeit der BaZ sieht deren Verleger nicht gefährdet. Der Wirtschaftsraum Basel sei stark genug für eine eigenständige Zeitung, sagte Hagemann. Weiterhin wolle man bei einzelnen Projekten wie etwa beim Magazin mit der Tamedia zusammenarbeiten.
Weitere Fusionen nicht auszuschliessen
"Der Schulterschluss ist überraschend", sagte Peter Wanner, Verleger der AZ Medien Gruppe ("Aargauer Zeitung"). Die Espace Media Groupe habe sich jahrelang gegen eine Übernahme aus Zürich gewehrt. Sie habe immer erklärt, sie suche nach anderen Lösungen. Wanner schliesst weitere Fusionen von Verlagshäusern nicht aus. "Es wird jetzt wieder neue Gedankenspiele geben", sagte er. Interessant werde, wie die Eidgenössische Wettbewerbskommission (Weko) auf den Zusammenschluss reagiere.
Gespannt ist Wanner auch, wie sich der neue Eigentümer der Espace Media Groupe im Raum Solothurn verhalten wird. Dort erscheint als Kopfblatt der Berner Zeitung das Solothurner Tagblatt. Das Blatt ist ein Konkurrent der Solothurner Zeitung, die Teil des Verbunds Mittelland Zeitung ist.
Der Zusammenschluss sei "nicht überraschend" und habe "sich abgezeichnet", sagte dagegen Markus Spillmann, NZZ-Chefredaktor, Vorsitzender der NZZ-Geschäftsleitung und Leiter Publizistik. Über die Zukunft der Berner Zeitung "Der Bund" würden Gespräche geführt. Die NZZ-Gruppe ist über die Freie Presse Holding AG an der Bund Verlag AG beteilt.
Ringier: 'No comment'