Nach der Veröffentlichung von Folter-Videos aus einem berüchtigten Gefängnis in Libanon haben die Behörden des Landes Ermittlungen eingeleitet. Zwei Wachleute der Haftanstalt würden verhört, erklärte Generalstaatsanwalt Samir Hammud am Montag. Libanesische Medien berichteten, bereits am Sonntag seien insgesamt fünf Sicherheitskräfte festgenommen worden. Die Videos waren am Wochenende in den sozialen Medien im Internet aufgetaucht.
Die offensichtlich mit Mobiltelefonen aufgenommenen Bilder zeigen unter anderem, wie Wachleute auf dem Rücken gefesselte Häftlinge mit schweren Knüppeln schlagen. Die Insassen tragen nur Unterhosen und knien mit gesenkten Köpfen auf dem Boden. Die Bilder sollen aus dem Roumieh-Gefängnis östlich von Beirut stammen.
Die Aufnahmen lösten im sunnitischen Norden des Landes scharfe Proteste aus. Aus der Region stammen viele der Insassen. Zugleich gibt es Befürchtungen, radikale sunnitische Gruppen könnten Vergeltung an 17 libanesischen Soldaten üben, die seit Monaten von Dschihadisten gefangen gehalten werden. Das Roumieh-Gefängnis ist die grösste Haftanstalt in Libanon. Aus Protest gegen die schlechten Zustände in der Einrichtung gab es dort bereits mehrere Aufstände. (sda)