Die Schweizer Verleger sind allen Unkenrufen zum Trotz davon überzeugt, dass die gekaufte Tageszeitung eine Zukunft hat. Mit den Gratiszeitungen seien neue Märkte erschlossen worden. Kaufzeitungen müssten gegenüber der Gratispresse Mehrwert bieten.
"Die Pendlerzeitungen sind nicht die Totengräber der bezahlten Tagespresse. Ebensowenig sind sie das Patentrezept für die Zukunft", sagte Pietro Supino, Verwaltungsratspräsident des Verlagshauses Tamedia, am Dienstag anlässlich der Dreikönigstagung des Verbandes Schweizer Presse in Zürich. Wie bei den traditionellen Zeitungen seien die handwerkliche Qualität und ein klares publizistisches Konzept für den Erfolg ausschlaggebend. Eine Kannibalisierung von bezahlten Zeitungen und Gratisblättern sehe er nicht. In der Lebensmittel- und Autobranche gebe es schliesslich auch eine grosse Angebotspalette.
Jenen, die der gekauften Tageszeitung den langsamen Tod voraussagen, erteilte auch Peter Rothenbühler, Chefredaktor der Westschweizer Zeitung "Le Matin", eine Absage. "Was sind wir für eine Branche? Ich kann das ewige Klagen und die defensive Haltung nicht mehr ertragen", rief Rothenbühler in den Saal. Zeitungen seien immer noch die Nummer eins im Pressemarkt. Und sie seien rentabel. Natürlich gebe es zwischen Bezahlzeitungen und der Gratispresse eine gewisse Kannibalisierung, wie das Beispiel von "Le Matin" und "Matin bleu" zeige. Aber sie sei sehr viel geringer, als viele beim Start des Gratisblattes erwartet hätten.
Grosse Herausforderungen
Supino und Rothenbühler waren sich darin einig, dass die bezahlten Tageszeitungen inhaltlich gefordert sind. Kaufzeitungen müssten gegenüber den gut gemachten kostenlosen Medien täglich einen klaren Mehrwert bieten. Das wiederum setze Innovationen, Engagement und funktionierende Geschäftsmodelle voraus.
"Inhaltlicher und wirtschaftlicher Erfolg sind ausserdem wichtig, weil wir als Medienbranche nur so auch in Zukunft attraktive Arbeitgeber für kompetente und ehrgeizige Mitarbeitende sein können. Sie sind unser wertvollster 'Erfolgsfaktor'", sagte Supino, der seit Herbst 2007 dem Präsidium des Verbandes angehört.
Rothenbühler wagte die These, die Redaktionen der bezahlten Presse müssten mit weniger Mitteln bessere Zeitungen machen. Dass dies möglich sei, zeige das Beispiel von "Le Temps" und "Tribune de Genève" (TdG). Die zwei Lokalredaktoren von "Le Temps" hätten die besseren Geschichten als die 20 Lokaljournalisten der TdG . (sda)