Herr Koller, Sie haben sich 2002 vom Bildschirm zurückgezogen. Was hat Sie zur Rückkehr bewogen?
Ich hatte das Gefühl, die Sterne stehen richtig. Ein gutes Konzept und ein guter Moderator machen noch keine gute Show. Es braucht auch ein engagiertes Team, das dahinter steht. Es muss einfach alles stimmen. Ich glaube, dass dies bei "Happy Day" der Fall ist. Darum habe ich zugepackt.
Wie ist es zum Engagement gekommen?
Ich hatte Lust, wieder Fernsehen zu machen und habe mich bei Urs Fitze, Programmentwickler der Abteilung Unterhaltung des Schweizer Fernsehens, gemeldet. Die ersten Gespräche zeigten, dass wir die gleiche Sprache redeten. So ist es zum aktuellen Engagement gekommen.
Haben Sie das Rampenlicht und den Applaus vermisst?
Durch meine Radiotätigkeit bin ich ja nicht ganz aus dem Rampenlicht verschwunden und Applaus durfte ich auch weiterhin bei diversen Veranstaltungen geniessen. Natürlich ist beim Fernsehen im Vergleich zu anderen Medien die Aufmerksamkeit maximal. Fehlender Applaus war aber sicher kein Grund, für meine Rückkehr zu SF. Es ist vielmehr die Form Fernsehen, die mich fasziniert. Bei SF eine Show zu moderieren bietet Möglichkeiten, die man bei kleineren Veranstaltungen nicht hat.
Eine Unterhaltungsshow ist für Sie Neuland. Wie bereiten Sie sich darauf vor?
So neu ist das Gebiet für mich nicht. "Quer" ist zwar in der Abteilung Information angesiedelt, beinhaltet aber auch unterhaltende Elemente. Im Unterschied dazu liegt das Hauptgewicht jetzt auf der Unterhaltung. Sicherlich werde ich für die neue Form eine neue Balance finden müssen. Die Show soll nicht nur aus Comedy bestehen, sondern auch einen gewissen Tiefgang erhalten und an die Menschen herankommen.
"Happy Day" will Menschen Träume erfüllen und auf der anderen Seite mit Improvisations-Comedy unterhalten. Neu sind beide Konzepte nicht. Besser gut kopiert, als schlecht erfunden?
Der Samstagabend ist der falscheste Sendeplatz, um das Fernsehen neu zu erfinden. Gibt jemand eine neue CD heraus, erfindet er die Töne auch nicht neu. Er verwendet bestehende Akkorde, arrangiert sie aber auf eigene Weise. Die Grundelemente wiederholen sich ständig, sei das in der Musik, in einem Interview oder auch beim Fernsehen. Konkret geht es darum, diese Elemente so miteinander zu verbinden und zu mischen, dass daraus etwas interessantes entsteht.
Ist die klassische Samstagabendshow ein Auslaufmodell?
Das glaube ich nicht. Gerade "Wetten dass...?" beweist das Gegenteil. Bedingung für eine erfolgreiche Show ist ein funktionierendes Konzept, das viele Leute anspricht. Man muss dem Zuschauer quasi ein Zuhause geben. Konzentriert man eine Sendung zu sehr auf einzelne Personen -- wie beispielsweise bei "Ein roter Teppich für..."-- , riskiert man, dass einige Leute diese Person nicht so spannend finden und darum auch nicht einschalten.
Warum wird "Happy Day" erfolgreicher?
Weil sich der Mensch immer gerne überraschen lässt. Darauf basiert unser Grundkonzept. Zudem stimmt die Kombination von Showelementen, Moderator und Sendeplatz. Ich bin zuversichtlich, dass ich gut zu dieser Show passe.
Verspüren Sie einen gewissen Druck, weil die letzten Eigenproduktionen von SF für den Samstagabend nicht erfolgreich waren?
Die Aufmerksamkeit, die mir seit der Ankündigung von "Happy Day" entgegen gebracht wird, ist enorm. Es ist fast schon absurd, wie sehr ich von Anfragen, Telefonen und Interviewwünschen überrannt werde, noch bevor ich etwas konkretes gemacht habe. Die vorhergehenden Sendungen auf diesem Sendeplatz dürfen mich aber nicht zu sehr kümmern. Es kommt noch der Druck dazu, den ich mir selbst auferlege. Ich bin bei Quer aus einer erfolgreichen Sendung raus und will mit "Happy Day" auch wieder erfolgreich einsteigen.
Haben Sie keine Bedenken, dass ein Misserfolg ihrem Image schaden könnte?
Diese Angst ist im Unterbewusstsein vorhanden. Vielleicht machen die Misserfolge der letzten Samstagabendshows die Sache für mich aber sogar einfacher. Wenn "Happy Day" die Nachfolge einer überaus erfolgreichen Sendung antreten würde, wäre die Erwartungshaltung noch höher. Wir müssten den Erfolg übertreffen. Das ist wahrscheinlich schwieriger, als es nach zwei gescheiterten Sendungen besser zu machen. Es besteht aber der Druck, dass es jetzt funktionieren muss.
"Happy Day" startet im Mai 2007. Wann beginnt Ihre Arbeit?
Ab sofort. Zurzeit laufen Arbeiten für das Studiodekor. Dass dieses stimmt, ist sehr wichtig, schliesslich muss ich mich darin wohlfühlen, und es muss zur Sendung passen. Parallel dazu werden einzelne Teile der Sendung pilotiert. Wir probieren die Elemente aus und schauen, wie man sie am besten zusammenbauen kann. Ich habe darauf bestanden, dass ich von Anfang an bei allem involviert werde. Ich wollte nicht am Schluss in ein Boot reinsitzen, das ich nicht selber mitgebaut habe.
(Interview: Stefan Wyss)