«Es ist 2016. Warum reden wir in diesen Zeiten noch immer über Frauenförderung?»: Mit dieser Frage eröffnete Moderatorin Marguerite Meyer das Podium, welches vom Netzwerk Medienfrauen Schweiz im Karl der Grosse in Zürich organisiert wurde. Rechts von ihr sassen Christian Dorer, Chefredaktor der «Aargauer Zeitung» (ab 2017 «SonntagsBlick»), und Luzi Bernet, stellvertretender Chefredaktor und Ressortleiter Zürich bei der «Neuen Zürcher Zeitung». Eigentlich sollte NZZ-Chefredaktor Eric Gujer mitdiskutieren. Aus terminlichen Gründen sagte er allerdings kurzfristig ab.
Die Antworten der beiden Gäste auf Meyers Anfangsfrage zeigten auch gleich auf, warum noch immer das Thema diskutiert wird: «Die Bemühungen sind einfach noch nicht realisiert», sagte Dorer. Und Bernet ergänzte: «Wir sind dran. Aber es braucht einfach noch Zeit.» Die Lösung sahen beide darin, den Worten Tagen folgen zu lassen und auch wirklich Frauen anzustellen. Dies habe er in seiner Laufbahn bereits ausgiebig getan und gute Erfahrungen gemacht, erklärte Bernet. «Frauen, die in Leitungsfunktionen wollen, haben es einfach», sagte Dorer und adressiert die mehrheitlich jungen Frauen im Saal. In der öffentlichen Debatte halte heutzutage jedes Unternehmen Ausschau nach talentierten und motivierten Frauen.
Kleine Pensen problematisch
Im Publikum sassen knapp 40 Personen, darunter vereinzelt Männer. Interessiert horchten sie der Diskussion. Weiter wurde über die Vereinbarkeit von Familie und Job geredet. Und warum haben Verlage wie die NZZ oder Tamedia eigentlich keine Krippen, wie die SRG es habe? Zudem ging es um reduzierte Pensen in Führungsfunktionen. «Bei uns haben Männer sowie Frauen die Möglichkeit ihr Pensum von 80 bis 100 Prozent selbst zu bestimmen», sagte Dorer hierzu. Wenn Männer diese Möglichkeit hätten, helfe das wiederum ihren Frauen, sich stärker beruflich zu engagieren, wenn die Kinderbetreuung organisiert sein müsse. Die Erfahrung zeige allerdings, dass Pensen unter 80 Prozent für Führungspositionen nicht geeignet seien. Ansonsten brauche es eine Doppelspitze.
Wichtig war Bernet, dass im Rahmen des Themas Diversity nicht nur Frauen, sondern auch unterschiedliche Altersgruppen oder Erfahrungsperspektiven gefördert werden sollen. Damit bläst er ins selbe Horn wie Radio SRF-Chefredaktorin Lis Borner. «Ich bin davon überzeugt, dass vielfältig zusammengesetzte Gruppen bessere Resultate bringen als typähnliche», sagte sie vor ein paar Monaten im Interview mit persoenlich.com. Bei ihr im Kader sitzen zur Hälfte Frauen.
Rege Diskussion
Im Anschluss an die Diskussion auf dem Podium wurden rege Fragen gestellt und Inputs eingebracht. Die beiden Herren auf der Bühne würden ihr wenig Mut machen, so ein Votum einer Zuschauerin, die soeben ihr Studium an der ZHAW in Winterthur abgeschlossen hat. Sie erkenne keine konkreten Strategien, das Thema Frauenförderung voranzutreiben.
Zwar waren solche Strategien im Zentrum Karl der Grosse nur begrenzt ein Thema, aber es gibt durchaus Vorbilder und Rezepte. «Wer Frauen in Führungspositionen will, muss aufmerksam sein und Signale beobachten», sagte Lis Borner im oben erwähnten Interview. Ihre Aussage zeigt: Frauenförderung als ernstgemeintes Ziel ist mit zusätzlicher Arbeit verbunden. Das Dorer und Bernet an Veranstaltungen wie dieser ehrlich und offen Auskunft geben, zeigt, dass das Thema in den Chefredaktionen wirklich diskutiert wird.