"Es brauchte einen irrsinnigen Einsatz, um alle Scherben zu beseitigen"

- Einst war die Rose d'Or das prestigereichste TV-Festival der Welt. Der gleichnamige Fernsehpreis war für die TV-Branche das, was der Oscar für die Filmbranche ist. Doch der Anlass wurde viele Jahre schlecht geführt. Starke Konkurrenzveranstaltungen wie die Fernsehmesse MIP in Cannes kamen auf. Der Niedergang der Rose d'Or kumulierte 2006 im Konkurs des Organisators. Dann übernahm Showbizz-Manager Freddy Burger das Label und hat den Anlass unterdessen zweimal durchgeführt. Zeit für eine Zwischenbilanz.

Herr Burger, Sie haben vor zwei Jahren mit viel Mut das Label "Rose d’Or" gekauft. Unterdessen haben Sie das Festival zweimal durchgeführt? Hat es sich gelohnt?

Da muss ich etwas ausholen. Die Rose d’Or hatte weltweit ein unwahrscheinlich hohes Ansehen. Als ich dann hörte, dass der Anlass in einem Konkursverfahren steckt und man mich fragte, ob ich die Organisation übernehmen wolle, da konnte ich nicht nein sagen. Sie suchten eine Person, die so einen Anlass stemmen kann. Und mit meiner Erfahrung aus dem Showbizz, als Manager von Udo Jürgens, als Veranstalter von Unterhaltungsanlässen und als Organisator von grossen Events traute ich das mir und meinem Team zu.

Es gab noch andere Interessenten.

Ja die Organisation der Emmy Awards war auch hinter den Rechten her. Die wollten die Rose d’Or dann nach Dubai verlegen. Da packte mich der Nationalstolz. Das Festival wurde in der Schweiz gegründet und hatte hier 46 mal stattgefunden. Es ist wichtig für die kleine Schweiz. Wir bringen damit Fernsehleute aus der ganzen Welt ins Land. Da musste ich in die Hosen steigen, obwohl ich wusste, dass es kein grosses Business wird.

Als die Rose d’Or vom Schweizer Fernsehen als Tauschbörse und Wettbewerb für Fernsehprogramme gegründet wurde, war sie weltweit einzigartig. Unterdessen gibt es zweimal im Jahr die Fernsehmesse MIP in Cannes. Haben Sie gegen diesen einzigartigen Grossanlass der Branche mit 15'000 Teilnehmern aus der ganzen Welt überhaupt eine Chance?

Wenn ich damals gewusst hätte, was alles auf mich zukommt, hätte ich es mir sicher nochmals reiflich überlegt. Es brauchte einen irrsinnigen Einsatz von mir persönlich, um all die Scherben des Konkurses bei der Stadt und dem Kanton Luzern, bei Hoteliers und anderen Lieferanten zu beseitigen. Und wir mussten potente Sponsoren an Bord holen, denn mit den Eintritten kann man ein solches Festival nie finanzieren. Das ist uns gelungen. Das Schweizer Fernsehen ist wieder dabei, der Kanton und die Stadt Luzern und die Swisscom. Und für den Wettbewerb hatten wir bereits im letzten Jahr 30 % mehr Einsendungen und dieses Jahr nochmals 20 % mehr.

Der Wettbewerbspreis, die Rose d’Or ist begehrt. Aber als Branchenanlass, an dem weltweit alle wichtigen Entscheidungsträger teilnehmen sollten, funktioniert das Festival nicht. Die Fernsehmanager gehen alle nach Cannes und haben nicht mehr Zeit, sich einen Monat später wieder in Luzern zu treffen.

Wir hatten immerhin einen Ben Silverman in Luzern, den Co-Chairman des Fernsehsenders NBC. Wir hatten Vertreter der BBC. Es braucht seine Zeit, bis das Festival wieder in der Agenda aller wichtigen Leute verankert ist. Daran arbeiten wir. Wir haben eine Roadshow auf die Beine gestellt und präsentieren die Rose d’Or den Medien in Rom, New York, Los Angeles, Berlin, Köln, London und Cannes. Dann werden wir die Festivaldauer wahrscheinlich von 5 auf 3 Tage reduzieren, damit wir auch für Topshots mit knappem Zeitbudget wieder attraktiver sind. Dass auch die European Broadcasting Union (EBU) sich in Luzern trifft und ihren Kongress so gelegt hat, dass er am Tag unserer Awardverleihung beginnt, hilft uns ebenfalls, wichtige Leute nach Luzern zu bringen.

Sie können sich also gegen MIP in Cannes behaupten?

Wir sind ja nicht eine Einkaufsmesse wie die MIP. Wir sind eine Orientierungsmesse. Es gibt den sogenannten Filmkiosk, wo man in mehr als 100 Boxen alle Einsendungen des Wettbewerbs anschauen kann. Das sind jeweils die innovativsten Programme eines Fernsehjahres aus der ganzen Welt. Dieses Jahr waren es 402 Fernsehprogramme aus 34 Ländern. Das ist einmalig und ich bekam viele Komplimente für diese effiziente Möglichkeit, sich einen Überblick über das weltweite Fernsehschaffen zu verschaffen. Davon redet die Branche und das wird uns neue Besucher bringen.

Wie geht es weiter?

Nächstes Jahr wird die traditionelle Comedy Night bereits als Fernsehsendung konzipiert sein, die in Deutschland von RTL übertragen wird. Und Ziel ist es, in zwei Jahren zum 50. Jubiläum in Luzern live eine Eurovisionssendung zu haben, die in viele Länder übertragen wird und an der ganz grosse Künstler teilnehmen werden. Da wird es dann auch wieder Stars und Glamour geben.

(Interview: Klaus Vieli)