Die SonntagsZeitung publizierte in der jüngsten Ausgabe ein Interview mit Eric Bonvin, dem Generaldirektor des Spitalverbunds Wallis. Darin sprach Bonvin von «Journalisten in weissen Kitteln», die probiert hätten, zu den Zimmern der Brandopfer von Crans-Montana zu gelangen. Dass Medienvertreter so handeln könnten, war bekannt, da dies schon nach dem Busunglück von Siders im Jahr 2012 vorgekommen war.
Diese Aussage Bonvins im Interview mit der SonntagsZeitung haben andere Medien übernommen. Auch persoenlich.com hat darüber berichtet. Basierend darauf entstand ein Blogpost zur Krisenkommunikation. Auf Social Media gab das Anlass zu viel Kritik an der Arbeit der Medienschaffenden in Crans-Montana.
Am Montagnachmittag berichtigte Tamedia das Interview. Die Episode mit den weissen Kitteln bezog sich nur auf das Busunglück von Siders, heisst es in der Korrektur. In Wirklichkeit habe in den letzten Tagen ein Journalist versucht, in Begleitung einer Angehörigen in eine Station des Spitals vorzudringen.
«Internationale Anfragen»
Wie kam es zu diesem Fehler? Tamedia und die Kommunikationsstelle des Spitals Wallis schreiben auf Anfrage beide von einem «Missverständnis» – allerdings sind sie sich über den Ursprung des Fehlers nicht ganz einig. Laut Tamedia-Kommunikationschef Edi Estermann habe sich «Eric Bonvin in einem Punkt missverständlich ausgedrückt». Von persoenlich.com kontaktiert, erklärt Bonvin, dass er die Verantwortung für das Missverständnis übernimmt. Er habe möglicherweise im Stress die Schilderung schlecht formuliert. Er habe auch das Interview im Voraus gelesen und autorisiert.
Nach dem Missverständnis erhielt das Spital Wallis zahlreiche internationale Anfragen, so Bonvin. Ausserdem wurde die Aussage auf Social Media weiter verzerrt. Dies zwang das Spital Wallis am Dienstag zu einer Richtigstellung. Beim einzigen «Grenzfall» mit einem Journalisten in den letzten Tagen, gab es «weder Identitätsbetrug noch unangemessenes Verhalten, wie dies angedeutet wurde», schreibt das Spital in einem dreisprachigen Post auf Linkedin. «Bestimmte Informationen können sehr schnell weitergegeben oder verzerrt werden, insbesondere in sozialen Netzwerken», heisst es weiter.
«Ich möchte betonen, dass unsere Beziehungen zu den Medien sehr gut sind und in einem Klima des gegenseitigen Respekts stattfinden. Transparenz ist unerlässlich, und es erschien mir wichtig, die Fakten richtigzustellen», wird Direktor Eric Bonvin zitiert.
Text aktualisiert: In einer ersten Version schrieb das Spital Wallis auf Anfrage, das Missverständnis lag «in der Abschrift des Interviews».