Rund ein Jahr nachdem der NZZ-Verwaltungsrat Markus Somm, den Chefredaktor der «Basler Zeitung», als Nachfolger von Markus Spillmann installieren wollte, sorgte am Wochenende eine neue potenzielle Personalie der «Neuen Zürcher Zeitung» für Wirbel.
Auslöser war ein Facebook-Post des «Schweiz am Sonntag»-Journalisten Christof Moser vom Samstag. Laut den Recherchen, die er gemeinsam mit seinem Kollegen Christian Mensch gemacht hat, wollen «massgebliche Kräfte im Verwaltungsrat der NZZ den «Weltwoche»-Vize Philipp Gut in die NZZ-Gruppe holen». Guts Personaldossier liege dem Verwaltungsrat zur Prüfung vor.
«Frei erfunden»
Das Dementi von der NZZ kam per sofort. «Der Inhalt ist frei erfunden», schrieb CEO Veit Dengler in einem Mail an die versammelte NZZ-Belegschaft. Man solle sich nicht den Brunnen vergiften lassen. Kommunikationschefin Myriam Käser intervenierte am Wochenende bei dem Portal «Infosperber» und der «Handelszeitung», die das Thema ebenfalls aufgenommen hatten. Auf dem Onlineportal der «Handelszeitung» ist der entsprechend Artikel am Sonntag nicht mehr zu finden. «Nichts daran ist wahr. Philipp Gut zur NZZaS zu holen, stand nie auch nur ansatzweise zur Debatte» sagt sie gegenüber persoenlich.com.
Am späten Sonntagabend schaltet schliesslich Philipp Gut selbst in die Debatte ein. «Es gibt null Kontakte zwischen mir und dem Hause NZZ», sagt er gegenüber persoenlich.com. Und fügt an: «Ich staune leicht amüsiert, dass ein privater Facebook-Post eines unbeteiligten Dritten ein solches Gstürm auslöst.» Könnte sich der Urheber - ein Journalist - auf Fakten berufen, hätte er sie in der Zeitung präsentiert.
«Null Widerspruch zur Recherche»
In der Tat überrascht es, dass die Recherchen der «Schweiz am Sonntag»-Journalisten Moser und Mensch nicht in der aktuellen Ausgabe der Zeitung veröffentlicht wurde. Weder Christof Moser noch SchwaS-Chefredaktor Patrik Müller waren am Wochenende für eine Stellungnahme zu erreichen.
Doch Moser hält an seinen Informationen fest: Guts Aussage, es gäbe null Kontakte mit der NZZ, stünden in null Widerspruch zu seiner Recherche, kommentiert er am Montagmittag seinen Facebook-Post.
Mosers Recherche ist reich an Details. Laut übereinstimmenden Quellen soll Gut den abtretenden «NZZ am Sonntag»-Inlandchef Pascal Hollenstein ersetzen. In der Redaktion der NZZaS werde befürchtet, dass Gut zum designierten Nachfolger von NZZaS-Chefredaktor Felix E. Müller avancieren solle. Dieser tritt Ende 2017 in den Ruhestand. Eine der treibenden Kräfte hinter der Personalie ist Mosers Informationen zufolge der pensionierte Feuilleton-Chef Martin Meyer. Dieser ist seit Ende 2015 nicht mehr für die NZZ tätig.
Nach den Erfahrungen im Fall Markus Somm vom letzten Jahr, überrascht der Rummel um die Geschichte - trotz Dementi - nicht.
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