"Es hätte niemandem etwas gebracht, wenn ich die Moderation abgelehnt hätte"

- Am 1. September feiert beim Schweizer Fernsehen das neue Quiz-Format "1 gegen 100“ seine Premiere. Nicht wie ursprünglich vorgesehen mit Mona Vetsch, sondern mit Susanne Kunz. Sie hat die Moderation nach der Erkrankung ihrer Kollegin übernommen. "Niemand gab mir das Gefühl, nur ein Ersatz zu sein", sagt Kunz im Gespräch mit "persoenlich.com". Für sie wäre es falsche Eitelkeit gewesen, den Job nicht anzunehmen, nur weil Mona Vetsch nach dem Casting den Vorzug erhielt. Das Interview:

Frau Kunz, wie haben Sie reagiert, als Sie von SF nach der Erkrankung von Mona Vetsch für die Moderation von "1 gegen 100" angefragt wurden?

Als ich den Anruf erhielt, bekam ich weiche Knie, weil ich dachte, es sei etwas sehr schlimmes passiert. Ganz so dramatisch war es zum Glück nicht, aber für Mona natürlich eine unglückliche Situation.

Haben Sie lange überlegt oder sofort zugesagt?

Ich wollte erst noch einmal darüber schlafen und mit verschiedenen Leuten reden. Natürlich gab es auch noch kurze Verhandlungen mit dem Schweizer Fernsehen, aber einen Tag später waren wir uns einig.

Sprachen Sie auch mit Mona Vetsch, um ihren Segen einzuholen?

Ich habe mit Mona geredet. Nicht um ihr Einverständnis zu erhalten, sondern um genau zu erfahren, wie es ihr geht. Dabei sagte ich auch, dass es mir für sie leid tut.

Kann man sich Mitleid in diesem Business überhaupt leisten?

Man wünscht auf keinen Fall irgend jemandem etwas Böses. Trägt das Leben einem ein Job-Angebot heran, denkt man in dem Moment sicher auch etwas egoistisch -- vor allem aber professionell. Im Fall von "1 gegen 100" hätte es ja auch niemandem etwas gebracht, wenn ich die Moderation abgelehnt hätte.

Sie haben an den Castings für die Quiz-Sendung ebenfalls teilgenommen, haben aber damals nicht das Rennen gemacht. Kommt da nicht das Gefühl auf, nur zweite Wahl zu sein?

Sowohl mit Mona Vetsch als auch mit mir wurde eine Pilotsendung produziert. Es war mir klar, dass es darauf ankommen wird, welche Farbe das Schweizer Fernsehen der Spielshow geben will, da Mona und ich verschiedene Typen sind. Da ich mich von Anfang an für den Job interessiert habe, wäre es falsche Eitelkeit gewesen, ihn nicht anzunehmen, nur weil Mona zuerst den Vorzug erhielt.

Stand von Beginn weg fest, dass Sie die Moderation definitiv übernehmen?

Ja, es war klar, dass der Kopf bleibt, mit dem die Sendung lanciert wird.

Wie hat das Team von "1 gegen 100" auf den Moderationswechsel reagiert?

Wir haben uns ja gegenseitig vom Casting her schon gekannt. Alle waren mir gegenüber sehr wohlwollend. Niemand gab mir das Gefühl, nur ein Ersatz zu sein.

Sie moderieren nach "Eiger, Mönch und Kunz" erneut ein Quiz. Fürchten Sie nicht, nun endgültig in eine Schublade gesteckt zu werden?

Bei "Happy Day" stehe ich als Aussenreporterin im Einsatz und auch sonst habe ich schon ganz andere Rollen übernommen. Ich denke also nicht, dass man mich als "Quiz-Tante" abstempeln kann. "1 gegen 100" würde ich sowieso eher als Spielshow und nicht als Quiz bezeichnen.

Die ersten sechs Folgen von "1 gegen 100" wurden bereits aufgezeichnet. Was dürfen wir erwarten?

Ohne zu viel zu verraten: Von himmelhoch jauchzend bis zu Tode betrübt haben die Kandidaten wohl alle Emotionen erlebt. Einige scheiterten kurz vor dem Ziel, andere wussten ganz einfach alles. Und dann gab es noch diejenigen, welche von Anfang an keine Chance hatten. Da kamen mir die Teilnehmer manchmal wie Gladiatoren vor.

Sie sind auch Schauspielerin. Spielen Sie als Moderatorin eine Rolle, oder sehen die Zuschauer die echte Susanne Kunz?

Man schlüpft auf jeden Fall in eine Moderations-Haltung. Ich muss auch funktionieren, wenn ich schlecht gelaunt bin oder nicht genug geschlafen habe.

Am 1. September wird die erste Ausgabe von "1 gegen 100" ausgestrahlt. Was machen Sie am Morgen danach als erstes?

Falls ich mit extremem Selbstvertrauen aufwache, schlage ich die Zeitung auf (lacht). Wahrscheinlicher ist, dass ich den Schoppen für mein Kind zubereite. Irgendwann werde ich mir dann die Kritiken aber schon zu Gemüte führen.

(Interview: Stefan Wyss)