Die Senderchefs strichen zunächst heraus, wodurch sich ihre Programme profilieren, beziehungsweise was für die Marke des Senders wichtig ist. Es waren sich alle einig, dass das Programm unverwechselbar und innovativ sein muss, um ein eigenes Profil aufweisen zu können. Nur so gelinge es, das Vertrauen der Werber zu gewinnen. Dabei gelte es auch, flexibel auf die Wünsche der Werber einzugehen.
Mehr Schwung in die Diskussion kam erst, als Gesprächsleiter Hannes Britschgi 3+-Chef Dominik Kaiser fragte, ob Call-TV und Erotik der Marke helfen. "Wir machen am Nachmittag Programm, das uns nichts kostet, weil wir die Fehler unserer Vorgänger nicht wiederholen wollen", entgegnete Kaiser. Am Nachmittag und in der Nacht schaue fast niemand fern, darum sende man Programme, die Einkünfte bringen, ohne dass man Ausgaben habe. Ingrid Deltenre stimmte mit Dominik Kaiser überein. In den Randzeiten sei kein Geld zu verdienen. Auch SF investiere daher nichts ins Tagesprogramm. Man fokussiere auf die Zeit ab 17.00 Uhr bis Mitternacht.
Mit der Einigkeit zwischen Deltenre und Kaiser war es aber vorbei, als der Namensstreit zwischen SF und 3+ zur Sprache kam. Den Vorwurf der Verwechslungsgefahr der beiden Sender aufgrund des Sender-Logos von 3+ und des dazugehörigen Claims "Das junge Schweizer Fernsehen" begründete Deltenre damit, dass es hunderte Beschwerden und Anfragen gegeben habe. Darunter solche von Parlamentariern, die wissen wollten, warum SF jetzt noch einen weiteren Kanal brauche und wer den bewilligt habe. Es sei der Eindruck entstanden, dass SF zu viel Geld habe. Dies sei gerade in der momentanen Situation, in der das Parlament über die neue Radio- und TV-Verordnung (RTVV) entscheide, sehr heikel für SF, weil es dabei auch um die Gebührenfrage gehe.
"Wir sehen keinen Grund, warum wir uns nicht 'Schweizer Fernsehen' nennen dürfen, denn wir sind ein Schweizer Sender", entgegnete Kaiser. Das Gericht werde nun entscheiden müssen. Roger Schawinski erinnerte der Namensstreit an die Gründungszeit von Tele24. Er wollte den Sender damals ursprünglich Tele Suisse nennen, was ihm aber verboten wurde. Nur die SRG dürfe die Schweiz verkörpern, da habe sich nichts geändert. Schawinski wörtlich: "Es ist die Wiederholung der Wiederholung der Wiederholung. Deltenre widersprach und verwies nochmals auf die bereits erwähnten Gründe.
Auch die Personalie Anna Maier sorgte für Gesprächsstoff. Laut Ingrid Deltenre stand das Quiz "Eiger, Mönch und Maier" schon länger unter Beobachtung, weil es schlechtere Quoten als die Koch-Show "al dente" auf dem gleichen Sendeplatz hatte, und wäre ohnehin aus dem Programm genommen worden. Diese Äusserung der SF-Direktorin fand Roger Schawinski nicht sehr "galant". Er wunderte sich, dass SF Maier nicht weiter beschäftigen wollte. Dem sei aus seiner Sicht trotz ihrem Engagement bei Sat.1 nichts im Wege gestanden. Für Ingrid Deltenre liess der "zeitliche Engpass", der ihrer Meinung nach durch die beiden Engagements entstanden wäre, keine Weiterbeschäftigung zu.
"TV und Marken: Was kann TV für Ihre Marke tun?" Die Antwort auf diese Frage dürften wohl eher die Screenings der einzelnen Sender gebracht haben. Der Talk der Interessengemeinschaft für Elektronische Medien (IGEM) hatte aber durch die Teilnehmer-Konstellation für Spannung gesorgt. Dass dabei Anke Schäferkordt und Catherine Mühlemann etwas zu Statisten degradiert wurden, war wohl nicht zu verhindern.
(Bericht: Stefan Wyss)