"Es ist ein grösseres Projekt als 'Gatsby'"

L'Officiel Schweiz - Stefan Hottinger-Behmer, Herausgeber der Schweizer Ausgabe von "L'Officiel", im Interview.

"L’Officiel", das Magazin für High-End-Mode und luxuriösen Lifestyle, lanciert eine Schweizer Ausgabe mit zwei separaten Ausführungen in deutscher und französischer Sprache. Das traditionsreiche Magazin im Besitz von Les Editions Jalou in Paris habe sich mit seinen preisgekrönten Fotostrecken und sachkundigen Artikeln über hochwertige Mode und Lifestyle einen Namen gemacht, heisst es in einer Medienmitteilung. Verlegt wird das Magazin hierzulande von Stefan Hottinger-Behmer, der kürzlich die Zürcher Blond Publishing Group gründete und mit dem gescheiterten Zeischriftenprojekt "Gatsby" bekannt wurde. Sein neues Projekt soll im Frühjahr 2014 lanciert werden. Es unterscheide sich klar von seinem vorherigen Projekt, sagt er im Interview mit persoenlich.com.

Herr Hottinger-Behmer, bald lancieren Sie in der Schweiz mit "L’Officiel" eine neue Zeitschrift. Man kennt Sie von der eingestellten Zeitschrift "Gatsby". Ist dies nun ein letzter Versuch?
Ich würde eher sagen ein neuer Start, obwohl die Situation mit "L’Officiel" eine ganz andere ist. Mit "Gatsby" haben wir sehr wichtige Erfahrungen gesammelt und sehr viel gelernt. Über fünf Jahre haben wir eine erfolgreiche, unabhängige Publikation aus der Schweiz geführt und weit über die Grenzen hinaus in 30 Ländern publiziert.

Wieso soll das besser laufen als mit "Gatsby"?
"L’Officiel Schweiz" ist ein grösseres Projekt als "Gatsby" und zählt auf die Unterstützung eines der weltweit führenden Verlagshäuser im Luxussegment und dessen fast 100-jährige Erfahrung - redaktionell sowie auch im Anzeigenbereich. Die Struktur, auf die wir zugreifen können, das Team, sowie auch der Bekanntheitsgrad der Marke, positionieren uns vorteilhaft auf dem Markt. "L’Officiel" ist zudem mit über 30 internationalen Ausgaben seit Langem etabliert und wir glauben fest daran, dass es dafür auch auf dem Schweizer Markt einen Platz gibt.

Special-Interest-Zeitschriften wie "Landliebe" oder sonstige naturverbundene Titel verzeichnen ein Wachstum. Ansonsten sieht es düster aus auf dem Zeitschriftenmarkt. Auch im Lifestyle-Bereich gibt es schon einiges im Angebot. Was bietet "L’Officiel" was andere Zeitschriften nicht bieten? 
Auf dem Schweizer Markt sind wir im Luxus-, Mode- und Lifestyle-Bereich das erste international renommierte Fashion-Magazin. Auch wenn der Markt für die hiesigen Verhältnisse bereits gut bedient ist, fehlt der internationale Touch. Dior-, Prada- oder Gucci-Boutiquen sind ja auch beliebt, obwohl die Schweiz mit Akris zum Beispiel auch ein eigenes weltbekanntes Modelabel hat. So ist es auch mit "L’Officiel": Wir sehen uns als eine Bereicherung zur hoch-qualitativen lokalen Medienlandschaft und bieten die von Schweizer Lesern gewünschte redaktionelle Hochwertigkeit, allerdings mit einer guten Prise Internationalität.

Wen begreifen Sie als die grössten Konkurrenten?
In anderen der Schweiz ähnlichen Märkten wie zum Beispiel in den Niederlanden oder Belgien sind nebst "L’Officiel" auch Titel wie "Vogue", "Allure", "Harper’s Bazaar" oder "Elle" präsent. Wir sind in diesem Sinne im Mode- und Lifestyle-Segment in der Schweiz die Ersten, was internationale Titel angeht. Im Vergleich zu den nationalen Titeln werden wir uns mit anderen hochwertigen Publikationen wie zum Beispiel "Bolero", "Edelweiss" oder "Femina" messen.

Ihre Zeitschrift soll ab März 2014 sechs Mal pro Jahr sowohl in französischer, wie auch in deutscher Sprache erscheinen. Wie gross wird das redaktionelle Team sein, das Sie rekrutieren?
Wir haben den Vorteil, auf bereits bestehenden Inhalt aus Paris zugreifen zu dürfen, was im Lizenzierungsformat üblich ist. Dazu produzieren wir den für unsere Schweizer Leser relevanten Inhalt in unserer Redaktion in Zürich. Diese besteht aus einem kleinen Team von national wie auch international bekannten Grössen aus dem Publishing- und Journalismus-Bereichen, die über ein sehr umfängliches Netzwerk verfügen. Das ist unserer Meinung nach die neue Richtung für ein profitables Publishing-Unternehmen. Die Zusammensetzung unseres Redaktionsteams werden wir dann konkret ab Mitte Oktober bekannt geben.

Wie viel Inhalt übernehmen Sie aus Frankreich?
Ein Minimum ist bei einer Lizenz üblich, aber grundsätzlich entscheiden wir, was übernommen wird und was für den hiesigen Markt redaktionell neu erarbeitet wird. Alle Schweizer Magazine übernehmen Inhalt - sei es ein Interview mit Karl Lagerfeld oder eine Modestrecke mit Cara Delevigne - das ist bei uns nicht anders. Unser Ziel ist es, bei "L’Officiel Schweiz" unseren Lesern eine hochwertige Mischung, aus internationalem und für den Schweizer Markt spezifischen Inhalt zu bieten. So soll der Mehrwert gegenüber den lokalen aber eben auch gegenüber den hier am Kiosk erhältlichen internationalen Titeln entstehen: eine "Glokale"-Mischung oder "Globalità meets Swissness".

Das aufwändig gemachte Wahrhol-Magazin "Interview" hat von der letzten Ausgabe in Deutschland gerade mal 2'500 Exemplare am Kiosk abgesetzt. Trotz grossen Namen hat es sich bislang nicht am Markt bewährt. Auf welches Finanzierungsmodell setzen Sie? Und auf welche Käufer?
Was die Finanzierung angeht, stehen die Inserate-Einnahmen natürlich im Vordergrund. Zusätzlich setzen wir aber auch darauf, eine stabile Abonnentenbasis aufzubauen. Daneben sind die Kioskverkäufe hierzulande auch nicht zu unterschätzen. Dort möchten wir vor allem die Leser ansprechen, die sich sonst normalerweise einen internationalen Titel kaufen würden. Unser Ziel soll es sein, dass die Mode- und Lifestyle-interessierten und global orientierten Schweizer Leser sich das nächste Mal am Flughafen "L’Officiel Schweiz" kaufen bevor sie auf Reisen gehen – statt vielleicht eine "Vogue" oder die "Elle" aus einem Nachbarland.

Das Vorhaben steht und fällt mit den Anzeigekunden. Glauben Sie der Luxusmarkt hat auf eine neue Plattform gewartet? Haben Sie da schon Signale?
Viele der internationalen Anzeigekunden, die momentan dem Schweizer Markt keine Budgets zuordnen, sind mit uns bereits im Gespräch. Dazu kommt auch, dass einige grosse Brands auch gerne in den gleichen Publikationen in mehreren Märkten inserieren – und die Schweiz ist ein sehr attraktiver Markt, wenn wir uns zum Beispiel die Kaufkraft und das Interesse an Luxusgütern anschauen. Wir hoffen, dass somit in Zukunft auch andere Titel davon profitieren können, wenn mehr Werbegelder wieder zurück in die Schweiz wandern.

Welche Auflage wird angepeilt?
Wir sind noch im Gespräch mit Valora was die genaue Auflage angeht, da diese ja auch von der französisch- und deutschsprachigen Ausgabe abhängig sein wird. Unser Ziel ist es, bereits 2016 eine Wemf-beglaubigte Auflage von über 20'000 verkauften Exemplaren pro Jahr vorweisen zu können.

Interview: Adrian Schräder