Die Durchsetzungsinitiative dominierte in den vergangenen Wochen die Berichterstattung über die Abstimmungen vom 28. Februar. Rund die Hälfte der Medienresonanz entfiel auf die SVP-Initiative. Zu diesem Schluss kommt das Forschungsinstitut Öffentlichkeit und Gesellschaft (FÖG) der Universität Zürich, wie die «Schweiz am Sonntag» berichtet. 22 Pressetitel aus der Deutsch- und Westschweiz wurden dafür ausgewertet.
Die Berichte hätten einen «ausgeprägten negativen Tenor», fand das Institut bei seiner Medienauswertung heraus. Rund ein Viertel der Berichte beziehen sich auf die zweite Gotthardröhre, den Rest teilten sich die CVP-Initiative gegen die Heiratsstrafe und die Juso-Initiative für ein Verbot der Nahrungsmittelspekulation.
Seit März 2013 hat das FÖG 29 Abstimmungsvorlagen erfasst. Verglichen damit falle die «überdurchschnittliche Thematisierung» der DSI auf, heisst es in der Zwischenauswertung.
Mit Ecopop vergleichbar
Die Vorlage sei in dieser Beziehung nur noch mit der Ecopop-Initiative vergleichbar, sagt Linards Udris, stellvertretender FÖG-Institutsleiter, gegenüber der SchwaS. In den Medien werde «ähnlich stark» gegen sie mobilisiert. Bei Ecopop habe die Kritik in den Medien aber eine sehr kleine Gruppierung getroffen. Bei der Durchsetzungs-Initiative hingegen positioniere man sich gegen die grösste Partei der Schweiz, fügt er an.
Vor allem zu Wort kommen Akteure mit kritischen Aussagen zur DSI. Sie stellen mit 61 Prozent die mit Abstand stärkste Gruppe. Positive Stellungnahmen erzielen 23 Prozent, kontroverse oder neutrale Stellungnahmen 17 Prozent.
Das mediale Interesse an der DSI ist laut dem FÖG in der Romandie deutlich kleiner. «Der Unterschied überrascht mich ein Stück weit ebenfalls», sagt Udris gegenüber der «Schweiz am Sonntag». In der Deutschschweiz sei die Resonanz sofort extrem hoch, sobald es um die SVP gehe.
Im Gegensatz zur Romandie beurteilt er das Klima in der Deutschschweiz als «sehr aufgeheizt». Da sich die Medien gegenseitig sehr stark beobachten würden, käme es zu einer «Konflikt- und Mobilisierungsspirale», wie er sagt. Medienpopulismus und politischer Populismus würden sich eben ergänzen.
Zu wenig Debatte auf «20 Minuten»
Die definitive Auswertung des Abstimmungsmonitors erscheint erst am nächsten Freitag. Dennoch gibt Udris gegenüber der Zeitung eine erste Einschätzung ab: «Für Medien, die an Reichweiten interessiert sind und die Sachverhalte vereinfachen wollen, sind solche Konflikte sehr attraktiv», sagt er. Auffallend ist dabei die Berichterstattung von «20 Minuten». Hier fehlt laut Udris eine substanzielle Debatte und der Austausch von Argumenten.
Positiv zur Durchsetzungsinitiative stehen laut Udris die «Basler Zeitung» sowie deutlich die «Weltwoche». (wid)