"Es müsste möglich sein, in Basel ein eigenständiges Medienunternehmen zu führen"

- Der Tages-Anzeiger und die Basler Zeitungen (BaZ) haben laut der Berner Tageszeitung Der Bund Gespräche über eine gemeinsame Mantelredaktion geführt. Diese sollte zunächst die beiden Blätter und später einen von der Tamedia kontrollierten Zeitungsverbund beliefern. Im Interview mit "persoenlich.com" nimmt BaZ-Verleger Matthias Hagemann erstmals Stellung zu den Spekulationen und sagt, weshalb die Verhandlungen mit der Tamedia letztlich gescheitert sind.

Herr Hagemann, können Sie uns bestätigen, dass es zwischen der BaZ und dem Tages-Anzeiger Verhandlungen über eine enge redaktionelle Zusammenarbeit gab?

Wir haben uns mit der Tamedia über mögliche Zusammenarbeitsprojekte unterhalten, das ist richtig. Allerdings sprechen wir mit vielen Verlagen über mögliche Kooperationen, das ist normal.

Worum ging es in den Verhandlungen?

Wir haben mit der Tamedia bereits diverse Kooperationen und fahren damit -- wie die Tamedia auch -- sehr gut. So wird Das Magazin des Tages-Anzeigers auch der BaZ beigelegt, bei der Anzeigenkombination "Metropool" spannen wir mit der Tamedia zusammen, ebenso in der Vermarktung der Lokalradios. Im Rahmen dieser für beide Partner sehr guten Kooperationen hat man sich auch über die Möglichkeiten einer redaktionellen Zusammenarbeit ausgetauscht.

Laut dem Bund haben die Verhandlungen zu keinem Ergebnis geführt. Weshalb hat die BaZ schliesslich nicht mitgemacht?

Die Verhandlungen waren nicht so weit fortgeschritten, wie dies der Bund schreibt. Eine enge redaktionelle Zusammenarbeit mit dem Tages-Anzeiger oder sonst einem Titel ist für uns schwierig, da wir unsere Zeitung konsequent regionalisieren wollen.

Zumindest einige Mantelressorts liessen sich doch auslagern?

Bei uns muss auch die Berichterstattung in den Ressorts In- und Ausland sowie Wirtschaft und Kultur stets einen regionalen Bezug haben: Nehmen Sie das Beispiel Spitzenmedizin. Zürich und Basel vertreten hier diametral unterschiedliche Standpunkte. Wie wollen Sie das im Rahmen einer redaktionellen Zusammenarbeit im Schweiz-Teil abhandeln? Es gibt sehr viele solche Felder.

Ist die Option einer gemeinsamen Mantelredaktion damit endgültig vom Tisch?

Wir haben diese Möglichkeiten diskutiert und dabei herausgefunden, dass eine Zusammenarbeit in konzeptioneller Hinsicht schwierig ist.

Das Inserategeschäft hat in den vergangenen Monaten stark angezogen. Hat auch der Leidensdruck auf Seiten der BaZ gefehlt, um sich in eine Abhängigkeit des starken Zürcher Verlags zu begeben?

Leidensdruck hatten wir auch vorher nicht. Ich finde es vielmehr gut, wenn solche Gespräche nicht erst dann geführt werden, wenn die Situation ernst wird. Man muss sich frühzeitig und immer wieder von Neuem über mögliche Kooperationen unterhalten. Tut man dies erst, wenn die Rezession da ist und Hektik herrscht, gibt es möglicherweise schlechte Resultate.

Wenn sich in Zürich nicht der richtige Partner für eine redaktionelle Kooperation finden liess, sehen Sie anderswo in der Schweiz geeignetere Partner?

Wir haben auch mit Bern gute Kooperationen im Verlagsbereich. Wie ich schon gesagt habe, sprechen wir mit vielen Verlagen über mögliche Projekte. Derzeit gibt es aber keine grossen in redaktioneller Hinsicht.

Peter Wanner, Verleger der Mittelland Zeitung, könnte sich eine redaktionelle Kooperation gut vorstellen, wie er unlängst im Interview mit "persoenlich.com" erklärte. Sie ebenfalls?

Herr Wanner hatte die Idee, in unserem Raum eine Front zu eröffnen. Diese besteht weiterhin. Es hat sich also nichts geändert an der Situation.

Auch Ihr Verhältnis zur Publigroupe ist seit der Invasion der Mittelland Zeitung in die Nordwestschweiz getrübt. Ist ein Ausstieg der BaZ aus dem Pachtverhältnis mit der "P" eine Option?

Nein, es bestehen einfach gewisse Probleme mit der "P", die wir auf den Tisch gelegt haben. Diese versuchen wir nun zu lösen.

Verstehen Sie die Abberufung von Moreno Cavaliere, dem Leiter der Basler Publicitas-Filiale, nach Aarau als Schritt zur Entschärfung des Konflikts?

Das war in der Tat eine sinnvolle Massnahme der "P", womit ich gar nichts gegen Moreno Cavaliere gesagt haben möchte. Wir werden weiter konstruktive Gespräche führen, die eine einvernehmliche Lösung ermöglichen.

Es heisst, dass die Publigroupe ihren 37-Prozent-Anteil an der BaZ verkaufen möchte. Würden Sie zugreifen?

Über den Aktienanteil möchte ich nicht spekulieren. Ich habe aber auch keine Signale von der "P" erhalten, dass sie ihre Beteiligung beenden möchte, im Gegenteil.

Zum Schluss die Frage: Kann die BaZ Ihrer Ansicht nach alleine überleben, oder braucht es eine Anbindung an andere Medienhäusern, damit die Existenz der Zeitung gesichert bleibt?

Es geht gelegentlich vergessen, dass der Raum Basel die zweitbeste Wirtschaftsregion der Schweiz ist. Und es gibt sehr gute Zeichen aus der Wirtschaft: Novartis investiert 2.5 Millarden Franken in den Campus, es werden zehntausend neue Arbeitsplätze geschaffen. Daraus entsteht eine ungeheure Kaufkraft. Es müsste also möglich sein, in Basel langfristig ein eigenständiges Medienunternehmen zu führen. Wenn es dazu punktuell Kooperationen braucht, werden wir von dieser Möglichkeit Gebrauch machen.

Verglichen mit den Zürcher Medienhäusern schreibt Ihr Verlag jedoch deutlich kleinere Gewinne.

Im prozentualen Verhältnis liegt unsere EBITDA in der Schweiz etwa auf gleicher Höhe wie jene von Ringier, NZZ oder anderen Mitbewerbern. Die Tamedia dagegen hat eine Sonderstellung in der Schweiz. Sie macht ungeheuer viel Gewinn in guten Jahren und ist sehr gut aufgestellt. Aber auch wir steuern auf ein gutes Jahr zu.