"Es war eine völlig unnötige Schlammschlacht"

Radio 105 - Es habe keinen Sinn gemacht, die "unvernünftig hohen Angebote" zu überbieten, sagt Dani Büchi von Radio Energy.

Energy ist nicht mehr im Rennen: Am Dienstagmorgen wurde bekannt, dass der Ringier-Sender im Bieterverfahren um den konkursiten Sender Radio 105 kein höheres Angebot mehr einreichen wird (persoenlich.com berichtete). Warum krebste Dani Büchi im letzten Moment zurück? persoenlich.com hat beim Energy-Geschäftsführer nachgefragt:

Herr Büchi, wann entschieden Sie, kein höheres Angebot mehr zu einreichen?
Die Entscheidung fiel am Montagabend. Nach intensiven und langen Diskussionen und unter Abwägung der Vorkommnisse haben wir uns dazu entschlossen, kein neues Angebot für Radio 105 abzugeben. Wer glaubt, der Entscheid wäre uns leicht gefallen, irrt. Wir haben mehrfach bewiesen, dass wir erfolgreich Radio machen können, gerade für eine junge Zielgruppe. Wir hätten Radio 105 gerne im Energy Universum gesehen.

Was sind die Gründe?
Hauptsächlich ausschlaggebend war, dass es wirtschaftlich keinen Sinn mehr macht, die aktuellen, unvernünftig hohen Angebote nochmals zu überbieten. Wir haben in den vergangenen Jahren viel in die Schweizer Radiobranche investiert und wir hätten dieses Investment gerne noch weiter ausgebaut. Die wirtschaftliche Nachhaltigkeit stand für uns aber immer im Vordergrund und die ist nicht mehr gegeben. Zudem haben sich in den letzten Tagen leider immer mehr Probleme offenbart, mit denen sich ein neuer Käufer jetzt herumschlagen muss. Wir hätten sehr gerne die Marke 105 mit unserem Konzept weiter betrieben und wir bedauern es sehr, dass wir 105 nicht in eine sichere und erfolgreiche Zukunft führen können.

Sie sagen gegenüber dem Tagi, die Marke 105 sei "durch den Bieterstreit zu stark beschädigt worden". Was konkret meinen Sie damit? Die Schlacht zwischen Ihnen und Roger Schawinski?
Es ging uns von Anfang an um die Sache, d.h. um Radio 105, um junge innovative Mitarbeiter, um treue Hörer, um Werbekunden und die Schweizer Radiobranche und nicht um ein persönliches Ego eines Herrn, der sich in die Piratenzeit zurückversetzt fühlt und eine völlig unnötige Schlammschlacht losgetreten hat. Die Hörer und Werbekunden sind durch die Vorkommnisse der letzten Tage verunsichert sind und wir bezweifeln, ob man mit dieser Ausgangslage überhaupt noch Erfolg haben kann. Jeder potentielle Käufer muss für sich selber entscheiden, was er mit dem jetzt Verbliebenen noch erreichen kann.

Wie hoch lässt sich dieser mögliche Schaden beziffern?
Die Auswirkungen werden sich erst in den kommenden Monaten zeigen.

Sie sagten, es hätten bereits weitere Ex-105-Mitarbeiter bei Ihnen unterschrieben. Um wen handelt es sich, abgesehen von Pascal Aminzadeh (vgl. persoenlich.com)?
Wir stehen nach wie vor mit verschiedenen ehemaligen Mitarbeitern von Radio 105 in Kontakt. Viele wollen aber die heutige Entscheidung abwarten, was wir natürlich absolut verstehen. Die nächsten Tagen werden zeigen, ob weitere Mitarbeiter neben Pascal Aminzadeh zu uns kommen werden.

Interview (die Fragen wurden schriftlich beantwortet): Edith Hollenstein