"Es wird eine Punktlandung geben..."

- Die laufenden Kostensparmassnahmen bringen dem Medienkonzern Ringier den nötigen finanziellen Freiraum, um den Vorsprung zur Konkurrenz weiter ausbauen zu können. Zu diesem Schluss kommt der operative Konzernleiter Martin Werfeli (Bild) in einer Interview in der Mitarbeiterzeitung Domo. Ob es bei den Redaktionen zu weiteren Entlassungen komme, könne jedoch erst ab der zweiten Hälfte Februar beurteilt werden. Das Interview:

Martin Werfeli – 30 Mio. Franken, so lautete im September das Sparziel, als wir im DOMO das Kostensenkungspaket ankündigten. Haben Sie diese Summe bereits zusammen?

Nein, leider geht das nicht so schnell. Und es war auch gar nie geplant, dass wir bereits im Januar die ganze Summe realisiert hätten. Aber alle Projekte, vielleicht mit Ausnahme des Benchmarking Redaktionskosten, befinden sich am richtigen Punkt auf der Zeitachse.

Zur Erinnerung: Welche Projekte umfasst das Kostensenkungspaket?

Wir sprechen insgesamt von 4 Projekten. Nämlich vom "Overhead-Kostenprojekt", vom "Informatikkostenprojekt", vom Projekt "Benchmarking-Redaktionskosten" und vom Projekt "Marketingkosten".

Ein Teilprojekt sind die Overheadkosten. Was muss man sich darunter vorstellen?

Wir überprüfen sämtliche Kosten des Verlages Schweiz, mit Ausnahme der Informatik und der Redaktionskosten und Marketingkosten, für die eigenständige Projekte lanciert worden sind. Cash, das bereits zu einem früheren Zeitpunkt Kosten überprüft und massiv reduziert hat, ist von diesem Projekt ebenfalls nicht tangiert.

Bei diesem Projekt wollen Sie 15 Mio. Franken an Kosten einsparen: Wie nahe sind Sie diesem Ziel?

Wir haben Mitte Januar die Identifikations- und Beschlussphase abgeschlossen. Somit haben wir ein Gesamtbild erhalten. Man kann sagen dass es bezüglich der von Ihnen genannten und bereits früher auch publizierten Summen genau eine Punktlandung geben wird.

Am 16. Januar hat der Projektausschuss zum Thema Overhead getagt. Was wurde konkret entschieden: Wo liegen hier die wichtigsten Einsparungspotenziale, was sind die nächsten Massnahmen?

An dieser Sitzung haben wir die Sparmassnahmen in den Bereichen Verlagsservices, Blick-Verlag und bei den Stäben (Human Resources, Finanz + Planung, Kommunikation und weitere) verabschiedet. Einsparungspotential gibt es in allen Bereichen, wobei die Personalkosten rund einen Drittel ausmachen werden. Der Zeitschriftenbereich befindet sich bereits in der Umsetzungsphase. RingierTV hat diese bereits abgeschlossen. In den anderen Bereichen begann Mitte Januar die Umsetzung.

Sind alle Konzernbereiche im Projekt eingeschlossen oder gibt es "heilige Kühe"?

Wir haben alle Konzernbereiche und die KL-Stäbe überprüft, heilige Kühe gab oder gibt es nicht, die Messlatte war für alle gleich hoch.

Das Kostensenkungsprojekt "Informatikkosten" ist praktisch abgeschlossen: Was wurde hier erreicht, wie geht es weiter?

Bei diesem Projekt werden wir das gesteckte Ziel gut erreichen, und die Kosten um zusätzlich 1 bis 1.5 Mio. Franken reduzieren können. Noch sind aber nicht alle Massnahmen bestimmt. Klarheit herrscht auf der Personalseite. Insgesamt werden 6.5 Stellen abgebaut, davon sind acht Personen betroffen, mit denen Mitte Januar Gespräche geführt wurden. Fünf von ihnen werden vorzeitig pensioniert, einer Person können wir eine Stelle in einem anderen Bereich offerieren. Und für eine Mitarbeiterin mit einem Halbzeitpensum im administrativen Bereich, gibt es vermutlich auch eine inhouse-Lösung. Nebst einem respektablen Abbau der Endusergeräte, haben wir auch Projekte auf deren zwingende Notwendigkeit geprüft und können auch dabei Einsparungen erzielen.

Angelaufen ist das Projekt "Redaktionskosten": Beim Blick wurden 4.4 Stellen abgebaut, allein im personellen Bereich sollen Einsparungen von mindestens einer Millionen Franken möglich sein. Sind damit die Zielvorgaben erreicht?

Das Projekt "Redaktionskosten" läuft zeitlich leicht verzögert an. Der Grund dafür liegt sowohl bei den personellen Kapazitäten im Controlling wie auch bei denjenigen unseres Partners. Mit dem Benchmarking werden wir bis Mitte Februar eine Übersicht haben, die uns erlaubt Unterschiede aufzuzeigen, um nachher die notwendigen Massnahmen zu diskutieren. Festzuhalten ist aber, dass bereits im Budget 2003 respektable Einsparungen bei den Redaktionskosten enthalten sind. Ich hoffe, dass mit den publizierten Massnahmen beim Blick kein weiterer Personalabbau notwendig ist.

Wie sieht es beim SonntagsBlick, resp. bei den Zeitschriften aus?

Noch ist es zu früh darüber zu mutmassen, wir wollen den Benchmark abwarten, der Mitte Februar vorliegen wird und nachher entscheiden.

Wann startet das Projekt "Marketing"?

Auch dieses Projekt ist bereits gestartet. Es wird aber nicht so schnell abgeschlossen sein, da die Überprüfung der Effektivität des Einsatzes unserer Mittel bei den Marketingkosten über einen längeren Zeitraum gemacht werden muss.

Das ganze Sparprojekt bringt nicht nur Einsparungen, es wurden bereits auch mehrere Kündigungen ausgesprochen – wie viel waren das bisher?

Die Massnahmen beim Overhead und beim Informatikprojekt bewirken 21 Kündigungen sowie eine ganze Reihe vorzeitiger Pensionierungen und Reduktion der Arbeitszeiten. Zusammen mit den nicht mehr wiederbesetzten Stellen ergibt es die 59 Vollzeitstellen die insgesamt durch die beiden Projekte abgebaut werden.

Wird es zu weiteren Entlassungen kommen?

Die Abbaumassnahmen in der Informatik und beim Overhead sind definiert. Da gibt es keine weiteren Massnahmen. Wie weit es bei den Redaktionen zu Entlassungen kommen wird, können wir erst ab der zweiten Hälfte Februar beurteilen.

Zeigen die bereits eingeleiteten Massnahmen schon erste positive Auswirkungen auf das Geschäftsergebnis, das Sie Anfang April den Medien und dem Kader präsentieren werden?

Anfang April werden wir das Jahresergebnis für das vergangene Jahr präsentieren, da gibt es noch keinen positiven Effekt aus diesen Projekten. Trotzdem werden wir ein ansprechendes Ergebnis veröffentlichen können.

Haben wir die Talsohle erreicht, geht es nun wieder aufwärts, werden wir wieder mehr Freiraum haben, um neue Verlagsprodukte zu lancieren?

Im Budget 2003 sind wir in der Schweiz von sinkenden Anzeigenerlösen ausgegangen. Zum dritten Mal höre ich nun Anfang Jahr, dass im zweiten Semester der Aufschwung stattfinden wird. Ich persönlich bin sehr zufrieden, wenn im zweiten Semester die Talsohle erreicht sein wird. Unter anderem sollen die Sparprojekte positiv zur Ergebnisentwicklung beitragen und ich bin überzeugt, dass wir nun den nötigen finanziellen Freiraum wieder haben. Es ist nun zwar beileibe nicht so, dass wir im vergangenen Jahr die Verlust- zone erreicht hätten, aber gute finanzielle Resultate sind nun einmal einfach zwingend als grösster Schweizer Verlag, um den Vorsprung auf unsere Mitbewerber weiter ausbauen zu können.